Unterrichten mit Moodle

Kommentieren 08. October 2008

Ein neues Buch mit dem Titel “Unterrichten mit Moodle” hat mich vorgestern erreicht. Und ich finde, es ist eine kurze Empfehlung hier im Blog wert.

Warum? Ist es nicht wieder eines der Werke, die Moodle und seine einzelnen Funktionen en detail vorstellen?

Doch!

Aber?:

Die Autoren — selbst Gymnasiallehrer und Mitglieder mehrerer bildungsorientierter EU-Projekte zum computergestützten Lernen — geben hier nicht nur Antworten auf all diese Fragen im praktischen Umgang mit der Software. (…)

Diese Einführung in Moodle richtet sich daher inbesondere an Unterrichtende, um neue Lernformen zu vermitteln und neben den bestehenden zu etablieren, um mit dieser Vielfalt Lernen und Unterrichten zu erleichtern.

(Link zum Verlag)

Und das stimmt schon zu einem gewissen Grad. Dass die Autoren aus der Schule kommen, merkt man dem Buch positiv an – im Gegensatz zu manch anderer Vorstellung von Moodle. Und sie werden auch immer wieder ihren eigenen Ansprüchen gerecht:

Auch wenn sich ein großer teil des Buches der Handhabung von Moodle und seinen Werkzeugen widmet, behalten wir dabei stets die praktische Arbeit in Schule und Unterricht im Auge. Diese didaktische Ausrichtung zeigt sich in vielen praxisnahen Vorschlägen für Ihren Unterricht: Neben Hinweisen für besondere Unterrichtssituationen finden sich detaillierte Anleitungen zur Gestaltung von Kursen oder bereits ausgearbeitete Anwendungsszenarien, die Sie direkt ausprobieren können.

aus dem Vorwort

Eigentlich ist das Werk in 5 Teile gegliedert. Für mich ergeben sich aber eigentlich nur 4:

  1. Einleitung und theoretisch/didaktische Einführung in Moodle
  2. Vorstellung von Moodle und Anleitung zur Handhabung
  3. Kurzvorstellung unterrichtspraktischer Szenarien
  4. Ausführliche Vorstellung ausgewählter Unterrichtsmodelle

Und – und wer den Blog verfolgt hat, wird dies nicht wundern – besonders ansprechend und vom Ansatz sich dann doch deutlich von anderen Werken dieser Art abhebend finde ich die in der Einleitung zu findene Einschätzung zur Arbeit mit Computern:

Die Verwendung des Computers im Unterricht nimmt weltweit stetig zu. Dabei werden Phasen der Euphorie, in denen die Vision selbstverständlicher computertechnischer Unterrichtsunterstützung als nahe Wirklichkeit erscheint, abgelöst von Phasen der Ernüchterung angesichts derzeit realisierter Unterrichtsmöglichkeiten mit dem Computer. Das Wort eines Kollegen “Wir leben in der computertechnischen Steinzeit!” spiegelt die aktuelle Lage an vielen Schulen wider.

In der Tat ist es noch ein weiter weg, bis Computertechnik den Unterricht selbstverständlich unterstützt. Vermutlich wird die Zukunft immenser Möglichkeiten bieten, die ein aktiveres und hoffentlich erfolgreicheres Lernen fördern. Regelmäßige Präsenzsituationen verdrängen oder gar die Unterrichtenden überflüssig machen wird der Computereinsatz im Unterricht aber kaum. Vielmehr wird der Computer zu einem weiteren Werkzeug, das Unterrichtende gezielt einsetzen. Ob der (unterrichtsunterstützende) Einsatz des Computers seine lernsteigernde Wirkung entfalten oder ob der Rechner lediglich ein teures Accessoire bleibt, hängt weiterhin in entscheidendem Maße von den Unterrichtenden ab.

aus der Einleitung

Und besonders den letzten Satz kann ich nur unterstreichen. Selten bis nie waren bereits wir Referendare in der Lage so aktiv und wegweisend an der Didaktik und Methodik des Unterrichts mit zu gestalten, welche uns in den nächsten Jahren begleiten wird. Zusammen mit den Junglehrern können wir uns an den unterrichtlichen Entwicklungen der nächsten Jahre beteiligen, ohne alleinig dem ausgetretenen Pfaden von Ausbildern und Kollegen folgen zu müssen. Denn diese Pfade gibt es nicht und wir können sie aktiv mit formen und unsere Ideen auf gleicher Augenhöhe einbringen.

Das Buch zeigt Ansatzpunkte dazu auf, geht in meinen Augen aber nicht weit genug. Denn oft ist es dann doch im traditionellen Unterricht verhaftet. Zwar tauchen die Funktionen z.B. des Wikis auf, doch das volle Potential dieser Tools wird noch nicht richtig ausgeschöpft. Auch die Aspekte des Web 2.0 für das Moodle wohl die Plattform ist, welche sich am weitesten dafür öffnen lässt, kommen für meinen Geschmack zu kurz. Das Buch droht immer, in herkömmliche Unterrichtsmodelle zurück zu fallen bzw. gewohnte Szenarien einfach in den virtuellen Raum zu transferieren. Dennoch eröffnet es viele Ansätze, an denen man selber weiterdenken kann und muss. Für den Einstieg ist dies sicher eine gelungene Grundlage und für denjenigen, der sich erstmals an Moodle herantraut, allemal empfehlenswert.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

Share