Archive: Posts Tagged ‘laptops’

Laptopklasse in der Grundschule

2 comments September 5th, 2009

Ein tolles Projekt hat der MDR gefunden und in seiner Sendung “Hier ab 4” vorgestellt. In Giersleben wurde in einer 4. Grundschulklasse eine Laptopklasse eingerichtet. Nun habe ich schon mehrere Laptopklassenprojekte gesehen und besucht, dieses bringt aber ein Element mit, das ich bisher noch nicht erlebt habe:

Die Nutzung dieser digitalen Stifte ist für mich tatsächlich einzigartig und zudem innovativ. Dabei gefällt mir der haptische Moment sehr gut, der den Übergang zwischen “analog” und “digital” gelungen überbrückt. Der Vorteil der leichten Schultasche ist bei den kleinen sicher noch bedeutender als in höheren Klassen.

Aber für mich waren bei diesem Videobeitrag zwei andere Aspekte die bedeutenden:

Das Mädchen beschreibt mit ihren Worten besser als jedes didaktische Lehrbuch, worin der wesentliche Vorteil steckt: der Umgang mit Fehlern. Ganz offensichtlich arbeitet sich unbefangener, schneller, intuitiver mit der digitalen Schreibtechnik als auf Papier, da sie sich sicher sein kann, evtl. Fehler rasch beheben und korrigieren zu können. Wer als Lehrer schon einmal Aufsicht bei einer Klassenarbeit hatte und das Tintenkiller-Syndrom mancher Kinder erlebt hat wird das kennen. ebenso diejenigen, die ewig vor dem leeren Blatt sitzen, aus Angst, den Einstieg später nicht mehr korrigieren zu können. Fehler zu machen gehört zum Lernprozess dazu. und kaum ein anderes Medium als die digitalen erlauben einen so natürlichen und unkomplizierten Umgang damit.

Zum zweiten beschreibt die Lehrerin sehr schön, was ein Sportartikelhersteller einmal treffend mit “just do it” propagiert hat. Anders und besser als durch “learning by doing” kann man sich wohl kaum dieser neuen Form des Arbeitens, Lernens und Lehrens nähern. Sie vergleicht ganz richtig das Erlernen des Umgangs mit dem Computer mit diversen anderen Kulturtechniken wie Schreiben, Lesen, Malen usw. Und deshalb sollten wir den Schülern aber auch den Lehrern die Zeit lassen, die dieses Erlernen braucht. Denn::

Das wird am Anfang langsam sein, weil es ungewohnt ist. Aber das wird nachher die Normalität sein.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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300 MBits/s für Unnas Schulen

4 comments August 13th, 2009

Ist mir da tatsächlich ein bemerkenswertes IT-Schulprojekt entgangen? Oder klingt die offizielle Version einfach größer als sie ist? Das klingt jedenfalls so, dass man sich das mal genauer ansehen sollte:

Notebooks werden Schulheft, Buch und Tafel, eine ganze Stadt wird für ihre Schülerinnen und Schüler zum drahtlos vernetzten Campus. Seit 2003 haben die die Kreisstadt Unna und ihre Wirtschaftsbetriebe eine Bildungsvision zum Alltag gemacht. Von Klasse eins bis dreizehn, von Grundschulen über Sonderschulen, Real- und Gesamtschulen bis zum Gymnasium und Weiterbildungskolleg: Die IT-Infrastruktur eröffnet 10.000 Schülern und rund 620 Lehrern im Stadtgebiet Unna völlig neue Lernwelten und -kulturen. Das Projekt ist bundesweit einmalig und wird auch von der Landesregierung NRW gelobt: „Das Projekt Unit21 in Unna zeigt auf exemplarische Art und Weise, wie eine moderne Bildungsregion durch die systematische Zusammenarbeit aller beteiligten Partner ausgestaltet werden kann. Durch den Einsatz mobiler Rechner wird hier eine intelligente und zeitgemäße Form der individuellen Förderung effektiv umgesetzt. Unit 21 ist damit für viele Regionen – nicht nur in NRW – vorbildhaft“, würdigte etwa Günter Winands, Staatsekretär im Ministerium für Schule und Weiterbildung in Düsseldorf.

http://www.unna.de/unit.schule.21/

Nach diversen Anstrengungen zur Umsetzung, wird aktuell das Datennetz ausgebaut und soll alsbald mit bis zu 300 MBit/s surfen – und das drahtlos. Die Berichte erinnern mich stark an das, was wir in Finnland gesehen haben:

Bis zu 1.300 Notebook-Nutzer würden sich allein in einem Schulzentrum regelmäßig im Schulstunden-Takt in den Online-Campus einschalten. Eine Frequentation, die kaum ein Großunternehmen schaffe. Ob im Klassenraum, in der Aula, Pausenhalle, im Schulhof oder Zuhause – mit modernen Notebooks können sich Schüler jederzeit in den Campus einklinken. Ein ausgefeiltes Netzwerk-Management durch Profis und eine seit Jahren ständig weiter entwickelte Klassenraum-Steuerung sorgen dafür, dass sich Lehrer voll auf das Lehren konzentrieren können, statt zu schrauben und zu administrieren.

Die Endgeräte mit einer Rundum-Sorglos-Garantie und mit optimalem Vor-Ort-Service liefert eine gemeinnützige GmbH: Mit einer Monatsrate von 30 Euro verfügten Schüler jederzeit über ein top-modernes und robustes Gerät, erklärten die Initiatoren des Projekts. Und nicht nur gut betuchte Familien, sondern gerade auch sozial benachteiligte setzen auf die Investition in die Zukunft. Ein Leasingmodell mit dem IT-Systemhaus “mobiles lernen GmbH” samt einem Sozialfonds soll dafür sorgen sorgt, dass alle Kinder und Eltern sich diese Technik leisten können.

http://www.media.nrw.de

Eine ganz ähnliche Strategie fährt auch die von uns besuchte finnische Stadt: Auslagerung der Technikbetreuung aus der Schule. es ist utopisch, fast schon irrwitzig zu glauben, dass ein einziger IT-Beauftragter pro Schule, der im Idealfall 1-2 Stunden seines Deputats erlassen bekommt, eine komplette IT-Struktur einer Schule stemmen und am Laufen halten kann. Oft sind Schulen aber genau in dem Dilemma: Entweder erklärt sich einer dazu bereit oder es bewegt sich gar nichts. Hier sind entweder die Kommunen deutlich mehr gefragt oder aber – und dies ist wohl die realistische Vorstellung – die Schulen bekommen die Möglichkeit, sich eigenverantwortlich, verlässliche Hilfe von Außen einzukaufen:

Insgesamt 27 Notebook-Klassen gibt es bereits in Unna, über 2.000 Notebooks, davon rund 1.000 privat finanzierte, werden in den Schulen eingesetzt.

Die Liste der am Projekt beteiligten Schulen ist beeindruckend. Und wahrscheinlich funktioniert es auch nur in einem solchen Zusammenschluss, der die einzelne Schule entlastet und nicht dazu anhält, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Ich staune und hoffe, dass der eine oder andere Blogleser vielleicht schon mehr davon gehört hat.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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Norwegen legt vor: Mit Laptops zur Prüfung

4 comments May 9th, 2009

Zu Monatsbeginn bin ich über Sigi Jakob auf einen BBC-Artikel gestoßen, der zunächst (in der Überschrift) sehr vielversprechend klang, sich dann aber mit zunehmendem Lesen relativierte: Norway tests laptop exam schemes. Nach einigem Hin- und Herüberlegen möchte ich ihn dennoch hier in den Blog bringen – aber nicht ohne Kommentierung.

Every 16-19 year-old in Nord-Trondelag county in Norway has been trying out the laptop-based system.

The secondary students are given a laptop by the government when they turn 16 to help them with schoolwork.

Das klingt nach einer breit angelegten Versuchsphase, die bereits durch ihre Quantität deutlich macht, dass es sich dabei wohl durchaus um eine Initiative handelt, die bald aufzugeben, nicht angedacht scheint. Ebenso viel versprechend klingt ein paar Absätze weiter folgendes:

The laptops issued to the students are used for everyday schoolwork and come with standard software, such as word processors, spreadsheets and calculators installed, as well as subject specific applications for particular courses. (…)

Although Norway has used computers for exams before now, Ms Helland said the decision to move to laptops was taken to ensure that, in the exam hall, students used equipment with which they were familiar.

Dadurch wird neben der Quantität auch eine gewisse Qualität darin deutlich, dass es eben nicht darum geht, den Schülern einmalig das neue Medium an die Hand zu geben – zumal noch in einer besonderen Situation des Examens. Vielmehr wird der Einsatz der Geräte bereits im Unterricht und vorherigen Prüfungssituationen genutzt. Ähnlich wie beim Zentralabitur entsteht dadurch vermutlich eine gewisse Sogwirkung aus dem Wissen aller beteiligten, am Examenstag mit den Geräten zurecht kommen zu müssen.

Dies verdeutlicht einerseits die Bedeutung, die dem neuen Medium zugemessen wird, erhöht auf der anderen Seite aber auch den Druck (ja fast schon Zwang), sich mit den Geräten zu beschäftigen und sie einzusetzen. Es bleibt offen und zu hinterfragen, auf welchem Niveau die jeweiligen Lehrer im alltäglichen Unterricht in der Lage sind und unterstützt werden, die Integration der Laptops in ihrer Lehre zu berücksichtigen.

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