Archive: Posts Tagged ‘Ausstattung’

ICT-Entwicklung in Schulen – Taschenlampen statt Leuchttürme

8 comments June 3rd, 2010

In den letzten Wochen und Monaten werden die Anfragen immer häufiger, ob ich mal hier und mal da einen Vortrag über Integration neuer Medien in den Unterricht halten könne. Ich bin daher unterwegs, stehe vor Kollegen und erzähle, was ich mit Moodle, Google & Co so im Unterricht oder der Schule mache. Doch seit den letzten Veranstaltungen bin ich stutzig geworden, was da eigentlich passiert. Ich habe nämlich den gleichen Vortrag genommen und an verschiedenen Orten in recht ähnlicher Form präsentiert, was mir erlaubte, durch die Routine weniger auf mich zu fokussieren.

Vielmehr habe ich – was man ja als Lehrer eigentlich stets machen sollte – vielmehr auf die “Schüler” in diesem Fall also die Kollegen geachtet. “Vom Kind aus denken” wird dann zum “vom Kollegen aus denken”. Und zwei Dinge passieren mit bemerkenswerter Gewissheit und Intensität:

  • nach jedem Vortrag stehe ich gut die selbe Zeit im Nachhinein noch mit Kollegen zusammen, die – und das ist entscheident – gar keine Fragen zum Vortrag stellen sondern häufig vielmehr auf ihre ihre eigene, konkrete Situation an ihren Schulen zu sprechen kommen. Sie wollen wissen, wie sie denn nun in ihrem Setting weiter kommen.
  • nach jedem Vortrag erreichen mich etliche Mailanfragen – sogar von Kollegen, die nur vom Vortrag erzählt bekommen haben. Der Tenor dieser Mails ist auch stets recht ähnlich: Material. Es wird nach fertigen moodle-Kursen, Arbeitsblättern, Unterrichtseinheiten, konkreten Tools für geplante Vorhaben usw. gefragt.

Nicht, dass ich jetzt falsch verstanden werde: Ich helfe gerne und versuche auch die meisten Fragen zu beantworten. Ich frage mich vielmehr langsam, ob die Art des Präsentierens so sinnvoll ist, wenn es doch eigentlich nur als Aufhänger zu dienen scheint. Oder ist es gerade deshalb wichtig?

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Deutsche Schulen bei PC-Nutzung Schlusslicht

15 comments January 17th, 2010

Die Welt berichtet heute von einer repräsentativen Umfrage der Initiative D21, bei der deutlich wird, dass die Beurteilung des Einsatzes digitaler Medien in deutschen Schulen nach wie vor sehr schlecht sei:

Digitale Medien haben sich an deutschen Schulen nicht flächendeckend durchgesetzt. Einer Studie zufolge schneidet Deutschland bei der Nutzung von Computern und anderen Hilfsmitteln international schlecht ab. Nicht nur Eltern sind unzufrieden: Viele Schüler beklagen mangelndes Fachwissen der Lehrer.

http://www.welt.de

Der Artikel geht sowohl auf die mangelhafte Ausstattung vieler Schulen ein, beschreibt das parallel laufende Phänomen verbreiteter Verbote, eigene Geräte seitens der Schüler mit in die Schule zu bringen, sowie die Behinderung medienpädagogischer Arbeit durch eine zu geringe Autonomie der Schulen hinsichtlich der Reaktionsmöglichkeit auf den medialen Wandel.

Die Struktur des Bildungssystems führe zu geringer Schulautonomie, sagte D21-Präsident Schwaderer. „Dadurch sind die Möglichkeiten für Lehrkräfte, Innovationen aufzunehmen und schnell in den Unterrichtsalltag einzubinden, immer noch zu gering.“ Nur in Zusammenarbeit aller Verantwortlichen könne man es schaffen, dass der PC in allen Schulen als Lerninstrument Eingang findet, um so die heutige Schülergeneration erfolgreich auf das Berufsleben vorzubereiten.

Weitere Details dieser Studie werden sicher bald auch hier im Blog besprochen werden.

© René Scheppler, 2010

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300 MBits/s für Unnas Schulen

4 comments August 13th, 2009

Ist mir da tatsächlich ein bemerkenswertes IT-Schulprojekt entgangen? Oder klingt die offizielle Version einfach größer als sie ist? Das klingt jedenfalls so, dass man sich das mal genauer ansehen sollte:

Notebooks werden Schulheft, Buch und Tafel, eine ganze Stadt wird für ihre Schülerinnen und Schüler zum drahtlos vernetzten Campus. Seit 2003 haben die die Kreisstadt Unna und ihre Wirtschaftsbetriebe eine Bildungsvision zum Alltag gemacht. Von Klasse eins bis dreizehn, von Grundschulen über Sonderschulen, Real- und Gesamtschulen bis zum Gymnasium und Weiterbildungskolleg: Die IT-Infrastruktur eröffnet 10.000 Schülern und rund 620 Lehrern im Stadtgebiet Unna völlig neue Lernwelten und -kulturen. Das Projekt ist bundesweit einmalig und wird auch von der Landesregierung NRW gelobt: „Das Projekt Unit21 in Unna zeigt auf exemplarische Art und Weise, wie eine moderne Bildungsregion durch die systematische Zusammenarbeit aller beteiligten Partner ausgestaltet werden kann. Durch den Einsatz mobiler Rechner wird hier eine intelligente und zeitgemäße Form der individuellen Förderung effektiv umgesetzt. Unit 21 ist damit für viele Regionen – nicht nur in NRW – vorbildhaft“, würdigte etwa Günter Winands, Staatsekretär im Ministerium für Schule und Weiterbildung in Düsseldorf.

http://www.unna.de/unit.schule.21/

Nach diversen Anstrengungen zur Umsetzung, wird aktuell das Datennetz ausgebaut und soll alsbald mit bis zu 300 MBit/s surfen – und das drahtlos. Die Berichte erinnern mich stark an das, was wir in Finnland gesehen haben:

Bis zu 1.300 Notebook-Nutzer würden sich allein in einem Schulzentrum regelmäßig im Schulstunden-Takt in den Online-Campus einschalten. Eine Frequentation, die kaum ein Großunternehmen schaffe. Ob im Klassenraum, in der Aula, Pausenhalle, im Schulhof oder Zuhause – mit modernen Notebooks können sich Schüler jederzeit in den Campus einklinken. Ein ausgefeiltes Netzwerk-Management durch Profis und eine seit Jahren ständig weiter entwickelte Klassenraum-Steuerung sorgen dafür, dass sich Lehrer voll auf das Lehren konzentrieren können, statt zu schrauben und zu administrieren.

Die Endgeräte mit einer Rundum-Sorglos-Garantie und mit optimalem Vor-Ort-Service liefert eine gemeinnützige GmbH: Mit einer Monatsrate von 30 Euro verfügten Schüler jederzeit über ein top-modernes und robustes Gerät, erklärten die Initiatoren des Projekts. Und nicht nur gut betuchte Familien, sondern gerade auch sozial benachteiligte setzen auf die Investition in die Zukunft. Ein Leasingmodell mit dem IT-Systemhaus “mobiles lernen GmbH” samt einem Sozialfonds soll dafür sorgen sorgt, dass alle Kinder und Eltern sich diese Technik leisten können.

http://www.media.nrw.de

Eine ganz ähnliche Strategie fährt auch die von uns besuchte finnische Stadt: Auslagerung der Technikbetreuung aus der Schule. es ist utopisch, fast schon irrwitzig zu glauben, dass ein einziger IT-Beauftragter pro Schule, der im Idealfall 1-2 Stunden seines Deputats erlassen bekommt, eine komplette IT-Struktur einer Schule stemmen und am Laufen halten kann. Oft sind Schulen aber genau in dem Dilemma: Entweder erklärt sich einer dazu bereit oder es bewegt sich gar nichts. Hier sind entweder die Kommunen deutlich mehr gefragt oder aber – und dies ist wohl die realistische Vorstellung – die Schulen bekommen die Möglichkeit, sich eigenverantwortlich, verlässliche Hilfe von Außen einzukaufen:

Insgesamt 27 Notebook-Klassen gibt es bereits in Unna, über 2.000 Notebooks, davon rund 1.000 privat finanzierte, werden in den Schulen eingesetzt.

Die Liste der am Projekt beteiligten Schulen ist beeindruckend. Und wahrscheinlich funktioniert es auch nur in einem solchen Zusammenschluss, der die einzelne Schule entlastet und nicht dazu anhält, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Ich staune und hoffe, dass der eine oder andere Blogleser vielleicht schon mehr davon gehört hat.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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