Orientierung im App-Dschungel

Kommentieren 03. April 2014

Apps werden immer populärer und auch vielfältiger. Gleichzeitig geht die Schere zwischen den “Guten” und den “Schlechten” immer weiter auseinander. Soweit, dass es inzwischen schon regelrecht problematische Apps gibt, die versuchen, einen auszuspionieren oder finanziell auszunutzen. Darauf deutet auch eine eigens von Apple verschickte Mail vom 01.04. hin, in der es heißt:

We’ve heard from some customers that it was too easy for their kids to make in-app purchases. As a result, we’ve improved controls for parents so they can better manage their children’s purchases, or restrict them entirely.

Einen guten Beitrag zur Problematik der Psychologisierung und Monetarisierung von Apps vor allem über In-App-Käufe gab es auch vor kurzem bei Mac-TV unter dem Titel “Wie die Spiele-Industrie uns betrügt, ohne dass wir es merken“.

Dadurch ergibt sich offensichtlich der Bedarf, Hilfe im Dschungel des immer größer werdenden Angebots zu bekommen. In Form von Datenbanken sind mir in der letzten Woche gleich zwei Webseiten begegnet, die eben dieses versuchen. Für mich waren ein paar Funde dabei, wobei die Hauptzielgruppe in beiden Fällen wohl eher der Altersbereich bis ca. 12 Jahre zu sein scheint – also eher jüngere Schüler. Ein Versuch des Vergleichs:

Datenbank: Apps für Kinder

Hierbei handelt es sich um das offiziellere der beiden Angebote. Es ist Teil des DJI-Projektes “Digitale Medien in der Lebenswelt von Klein- und Vorschulkindern”, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Am besten, man stöbert bei Bedarf selber mal durch. Hierzu empfehle ich die jeweils vorhandenen Möglichkeiten der Detail-Suche, die das getestete Angebot dann aber auch schnell zusammenschrumpfen lässt. Beim Aufbau der Datenbank kooperieren Medienpädagogen mit “Blickwechsel e.V., Verein für Medien- und Kulturpädagogik” und “Klick-Tipps-Net“, einem Service von Jugendschutz.net und der “Stiftung Lesen“. Das Projekt lehnt sich an die ehemalige “Datenbank: Webseiten für Kinder ” an, die aktuell in “Bildung, Erziehung, Beratung” (Biber) aufgegangen ist.

Die “Datenbank: Apps für Kinder” zielt darauf, Erzieher/-innen sowie anderen interessierten Pädagogen, aber auch Eltern einen Ein- und Überblick in die Struktur des App-Angebots für Kinder zu geben. Deshalb sind in der Datenbank nicht nur “pädagogisch wertvolle” Apps zu finden, sondern auch solche, die unter Kindern verbreitet sind, aber von Erwachsenen möglicherweise nicht vorbehaltlos akzeptiert werden. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf deutschsprachigen Programmen für die Zielgruppe Klein-, Kindergarten- und Vorschulkinder. Berücksichtigung finden auch Apps für Grundschulkinder, soweit diese für den außerschulischen Gebrauch gedacht sind.

http://www.dji.de/index.php?id=43390

Die Bewertung erfolgt in folgenden Oberkategorien, die in sich noch ausdifferenziert werden:

  • Zielgruppenorientierung und Altersgerechtheit
  • Attraktivität und Konsistenz der Inhalte
  • Gestaltung von Text, Audio und Grafik
  • Werbung und Kommerz
  • Kinder- und Datenschutz
  • Weitere formale Kriterien

Die Empfehlung erfolgt dann in 5 Abstufungen von sehr empfehlenswert bis “Bewertung entfällt”.

Aktuell sind 134 Titel aufgenommen worden.

schule-apps.de

Schule-Apps kommt weniger offiziell daher. Das Team besteht laut Webseite aus Jürgen Dorsch (Sonderschullehrer und vom Landesmedienzentrum Baden-Württermberg als medienpädagogischer Berater ans Kreismedienzentrum Heilbronn abgeordnet) und Ricarda Schmid (Studentin der Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg).

Die Kriterien sind ebenso “übersichtlicher” gehalten – aber erklärt:

  • Dokumentation des Lernfortschrittes
  • Benutzerverwaltung
  • Lernhilfen
  • Mehrkanaligkeit
  • Lernzielkontrolle
  • Schüleraktivität

Mir ist besonders positiv die Anknüpfung ans “Kopf, Herz und Hand”-Prinzip fürs kindliche Lernen aufgefallen. Ansonsten muss man eine etwas geringere Transparenz als bei der ersten Datenbank feststellen, was die Kriterien aber dann auch die ebenfalls gestufte Bewertung angeht.

Bei der Beschreibung der einzelnen Apps fällt bei dieser Datenbank auf, dass öfters praktischer bzw. unterrichtsnäher beschrieben und kritisiert wird. Bei der ersten Datenbank bleibt es häufig auf einer Beschreibenden Ebene und das Urteil ist dann in der Empfehlung verpackt. Bei Schule-Apps findet sich auch mal ein Hinweis auf evtl. Unterrichtsanbindung.

Aktuell sind knapp 140 Apps bewertet worden

Fazit:

Beide Datenbanken werden ihrem Ansatz gerecht, Schüler-/kindergerechte Apps zu bündeln und aus dem unüberschaubaren Angebot herauszufiltern. Die jeweiligen Kriterien sind jeweils nachvollziehbar, was aber natürlich in beiden Fällen keinen Anspruch auf Vollständigkeit ableitbar macht. Das Angebot für Sekundarstufe I und II ist in beiden fällen begrenzt und eher an jüngeren Schülern orientiert.

Letztlich wird einem auch eine solche Datenbank maximal eine Vorauswahl bieten können. Die abschließende Bewertung und Tauglichkeit für die eigenen Kinder oder Schüler können sie einem letztlich nicht abnehmen.

Das Stöbern lohnt sich aber.

© René Scheppler, 2014

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