Der NSA ein Schnippchen schlagen – die eigene Cloud

Kommentieren 30. March 2014

In den letzten Monaten ist wohl eines deutlich geworden: Es gilt nicht mehr nur der Spruch “Think before you post“, sondern inzwischen ist wohl kaum mehr etwas, was sich durchs Internet bewegt, sicher vor den Servern von NSA & Co. In meinem Alltag machen mir die Dienste, die teilweise ziemlich viele und auch personenbezogene Dateien verwalten schon seit längerem Sorge – allen voran Evernote und Dropbox.

Um letzteren Dienst soll in diesem Beitrag indirekt gehen. Denn hier gibt man dem Anbieter doch eine gehörige Portion Vertrauensvorschuss oder überlegt im Sinne des obigen Spruchs permanent, welche Datei man nun auf die externen Server im Irgendwo synchronisieren lässt. Ohne Zweifel ist Dropbox inzwischen massentauglich geworden, was ich immer wieder feststelle, wenn selbst Lehrerkollegen, die ich bisher für weniger technikaffin gehalten habe, beim Stichwort Dropbox ein Leuchten in die Augen bekommen und bestätigen, wie hilfreich der Dienst ist. In den weiteren Gesprächen stelle ich dann aber immer wieder fest, wie unbedarft damit umgegangen wird und was alles über die Dropbox miteinander geteilt wird. Ohne Zweifel: es ist sehr praktisch. Aber letztlich liegt jede Datei an einem Ort, auf den ich letztlich keinen Zugriff mehr habe.

Ich habe daher in der letzten Woche eine Lösung getestet, die mir sehr gut gefällt und in den nächsten Tagen meinen Dropbox-Account verdrängen wird: Transporter.

Ich höre schon die ersten Kommentare: Das geht doch auch mit OwnCloud. Tatsächlich geht es und ich habe es auch als erste Alternative zu Dropbox genauer angesehen. Allerdings ergibt sich für mich erneut das Problem, dass ich entweder einen komplett eigenen Server zum Laufen bringen und halten muss. Oder ich vertraue erneut einem externen Webhoster. Mit letzterem sind wir dann nicht weit von Dropbox selber entfernt.

Und Transporter übernimmt quasi die Arbeit des eigenen Servers. Die Installation ist narrensicher und in weniger Minuten gemacht. Ich habe mich für einen Transporter Sync entschieden (99 Euro), an den ich eine externe Festplatte von 1 TB (59 Euro) hänge und damit eine riesengroße Dropbox-Alternative habe. Der Dateitransfer erfolgt verschlüsselt und alle Dateien liegen im heimischen Wohnzimmer, wo ich jederzeit den Stecker ziehen kann.

Ebenso kann ich Dateien und Ordner freigeben – auch für Personen, die keinen eigenen Transporter besitzen. Um hierbei die Datensicherheit zu wahren, ist es notwendig, dass sich der Empfänger einmalig ein kleines Programm installiert. Eine Registrierung ist für Einzeldateien nicht notwendig, für Ordner schon. Hierdurch wird die End-to-End-Übertragung ohne Server dazwischen sichergestellt. Das ist in der Tat der einzige Haken aus meiner Sicht. In der Schule muss man die Schüler kurz aufklären und sie bitten, das Programm zu installieren (man wird innerhalb der Einladung, wenn jemand eine Datei mit einem teilen möchte, dazu aufgefordert und auch gut erklärt geleitet). Doch auch bei Dropbox ist die Registrierung und die Installation des Tools einmalig notwendig, so dass der Unterschied nicht ins Gewicht fällt:

Transporter ist betriebssystemunabhängig und bietet auch mobile Apps für iOS, Android und Kindle an. Hinzu kommt, dass seit kurzem die API verfügbar ist und in den letzten Tagen zunehmend Meldungen auftauchen, dass weitere Anbieter die Transporter-Anbindung in Ihre Applikationen integrieren.

Sehr schön finde ich auch, dass der kleine Transporter Sync seit dem kürzlich Upgrade der Software auf 2.0 auch die Library-Funktion erhalten hat. Damit ist es bei der doch begrenzten Festplatte meines MacBook Air möglich, ausgewählte Dateien ausschließlich auf dem Transporter zu speichern und übers Netz verfügbar zu haben. Dies ist ein eindeutiger Vorteil gegenüber Dropbox, bei dem ja stets eine lokale Datei synchronisiert wird. Ebenso muss ich seit der Version 2.0 nicht mehr meine bestehende Dateistruktur umstellen, sondern kann bestehende Ordner integrieren, ohne sie in den Transporter-Ordner verschieben zu müssen.

Zu beachten gilt, dass man selber zum Cloud-Betreiber wird. Das bedeutet, dass sämtlicher Datentransfer über den eigenen Netzanschluss läuft. Man sollte schon eine gute Anbindung haben. Obacht auch beim erstmaligen Anschließen der frei wählbaren, externen Festplatte: Diese wird zunächst formatiert, um sie für Transporter verfügbar zu machen. Hierbei gehen natürlich zunächst alle Daten verloren – also eine Sicherung vorher anlegen.

Für mich hat sich der Praxistest in der letzten Woche sehr bewährt. Der Sprung von meinen über Empfehlungen zusammengetragenen 3,5 GB Dropbox-Volumen zu 1 TB Transporter-Space war enorm und “befreiend”. Die Nutzbarkeit ist intuitiv und zuverlässig. Und das Gefühl, wieder ein Stück weit mehr Herr über meine Daten zu sein, beruhigt auch irgendwie. Der Preis ist im ersten Moment beachtlich, so dass ich auch eine Weile gezögert habe, es hier im Blog vorzustellen. Letztlich ist es mir die Anschaffung aber Wert gewesen, so dass ich eine Empfehlung aussprechen kann.

Nun gilt es nur noch, eine ebenso simple Alternative zu Evernote zu finden. Ich fürchte, dies wird aber besonders wegen der Texterkennungsfunktionalität etwas schwieriger. Da steckt doch mehr als reiner Dateientransfer dahinter.

© René Scheppler, 2014

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