Audio-Feedback in Google Drive

Kommentieren 06. March 2014

Es scheint eine etwas Google-affine Woche zu werden in der Lernwolke. Diesmal geht es um Google Drive (formaly known as Google Docs) und die Möglichkeit, Schülern Feedback auf ihre Texte zu geben. Vorab sei darauf hingewiesen, dass dies nicht der erste Beitrag zum Thema ist, so dass man die Ideen zur Schreibkonferenz mit Google Docs in einem vorherigen Post nachlesen kann.

Heute geht es um die Möglichkeit, Feedback zu geben. Und dies nicht nur auf die klassische Art und Weise eines Kommentars innerhalb von Google Drive. Mit Kaizena existiert ein Service, welcher unmittelbar an Google Drive andockt und den Dienst erweitert. Damit wird es möglich, Rückmeldungen als Sprachnachricht direkt in den Text einzufügen. Eine Übersicht und Anleitung gibt folgendes Video:

Ich halte dies für eine sehr spannende Möglichkeit. Ich sehe darin weniger eine Arbeitserleichterung oder gar Zeitersparnis für den Lehrer beim Korrigieren. Wer einigermaßen flüssig tippt, sollte mit diesem Tool nicht unbedingt schneller sein. Es ist aber eine persönlichere Form der Rückmeldung. Ich habe schon oft erlebt, dass Schüler sich mit schriftliche Rückmeldungen schwer tun. Schon das gemeinsame Lesen des Lehrerfeedbacks schafft in solchen Fällen schon mehr Verständnis und Akzeptanz. Vor allem für Schüler bis ungefähr Klasse 7 sollte es aus meiner Sicht einen deutlichen Unterschied machen, ob sie den Lehrer lesen oder hören.

Ein weiterer Aspekt sind die Kommentare von Schülern für Schüler. In meinen Blog– und Wiki-Projekten erlebe ich immer wieder, dass das Kommentieren in Schriftform eine gewisse Hürde darstellt. Dies hat natürlich verschiedene Gründe, einer davon dürfte aber durchaus die Schriftform sein. Dem Mitschüler einen Audio-Kommentar einzusprechen, ist sicherlich spannender.

Besonderen Mehrwert könnte die auditive Rückmeldung aber wohl im Fremdsprachenunterricht bekommen. Wenn der Lehrer hier nicht nur schriftlich einen Text bewertet sondern noch einen Kommentar einspricht, wird das Sprachverstehen noch gestärkt. Denn das, was der Lehrer zur eigenen Arbeit/Text sagt, will man als Schüler doch bestimmt eher verstehen wollen als einen erfundenen Hörverstehenstext von der Schulbuch-CD. Und auch hier können die Schüler selber ins Geschehen eingreifen, indem sie Kommentare einsprechen. Das Schöne an Kaizena ist zudem, dass sich auch auf Kommentare antworten lässt und so kleine Dialoge entstehen könn(t)en. Das ähnelt dann ein wenig dem bereits vorgestellten Tool Voxopop.

Problematisch ist natürlich immer der Umgang mit Google und seinen Tools in der Schule. Für Kaizena bedarf es keines eigenen Accounts, wohl aber einen Google-Account – auf den Kaizena dann zugreift -, um auf die Dokumente zugreifen zu können. Wer also bereits mit Google in der Klasse arbeitet (siehe z.B. meinen Beitrag zu “Google in der Schule“) und die Akzeptanz seitens der Schüler und Eltern hat, findet in Kaizena eine tolle Ergänzung. Wer dem Google-Imperium mit seinen Datenschutz- und Eigentumssonderheiten eher skeptisch gegenübersteht und die Schüler nicht dort hineinlotsen möchte, kann überlegen, die Kaizena-Funktionen nur von Lehrerseite aus aktiv zu verwenden. So wäre es denkbar, einen fingierten Schüleraccount einzurichten, den alle Schüler nutzen. Als Lehrer könnte ich dann für diesen Fake-Schüler z.B. Audio-Vokabellisten anlegen, bei denen ich die Aussprache als Kommentar hinzufüge. Denkbar wäre auch, eine Vokalübung in veränderter Form zu schreiben: Die Schüler greifen über den Fake-Account auf die dort hinterlegten Dokumente zu, in denen der Lehrer Vokabeln als Kommentar eingesprochen hat, so dass die Schüler das Wort schreiben oder eben die Übersetzung des Wortes ins Deutsche. Oder aber als Lückentext, bei dem die Lücken mit einem Audio-Kommentar verknüpft sind, mit deren Hilfe die Lücken zu füllen sind. Als offene Übungsblätter könnte man auf der 2. Seiten die Lösungen anbieten und die Schüler bitten, nach der Selbstkontrolle ihre Lösungen zu löschen, damit der nächste Schüler das digitale Audio-Arbeitsblatt nutzen kann.

Ich finde, dass sich in Kaizena einiges Potential für den Unterricht verbirgt. Leider sind die Zugriffsoptionen noch recht beschränkt. Schön wäre es, wenn es nicht der Verknüpfung eines Google-Drive-Accounts mit Kaizena bedürfe, um Dokumente mit Audio-Kommentaren auch für nicht Google-Nutzer öffentlich zu schalten (wie dies ja mit normalen Google-Dokumenten bereits möglich ist). Kaizena macht aber – was den Blog und die Entwickler angeht – einen durchaus lebendigen Eindruck:

 If you like to have a strong input on shaping new ideas, don’t hesitate to join us athttps://kaizena.com/joininsider

Und wer weiß… vielleicht fällt es auch irgendwann dem derzeitigen Einkaufswahn im Internet “zum Opfer” und wird mal regulärer Bestandteil von Google Drive. Bis dahin braucht es evtl. noch etwas Kreativität, es an seine Verhältnisse anzupassen oder den Schritt, die Google Apps im Unterricht offener zu nutzen.

© René Scheppler, 2014

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