Wiki-Projekt – die Technik

Kommentieren 24. February 2014

Heute habe ich in meiner 9. Klasse ein neues Projekt gestartet, das hauptsächlich über ein Wiki gestaltet und begleitet wird. Ich möchte die Lernwolke nutzen, dies für mich selber aber auch nach außen etwas zu begleiten/dokumentieren. Um hier bei zum einen den Prozess etwas zu begleiten, aber auch nicht einen überlangen Beitrag am Ende zu erstellen, werde ich versuchen, thematische Beiträge zu schreiben. Zusammengeführt werden diese über den Tag “Wiki-Projekt“. Der heutige Beitrag soll sich mit der Grundlage bzw. Raum des Ganzen beschäftigen:

Die Technik

Software

Die Software, die zum Einsatz kommt, ist ein DokuWiki. Hierbei handelt es sich um eine kostenlose, OpenSource Software. Es verwendet eine einfache Syntax und kommt ohne Datenbankanbindung aus. Letzteres ist besonders interessant, da ein DokuWiki dadurch sehr portabel und überschaubar bleibt. Auch die Datensicherung wird dadurch immens vereinfacht. Letztlich handelt es sich lediglich um einen Ordner auf dem Webspace z.B. der Schule. Diesen Ordner kann man einfach nehmen und in einen zip-Ordner packen. Dieser lässt sich dann problemlos wieder in einem anderen Webspace-Ordner entpacken und schon hat man ein funktionsbereites Wiki. Gerade, wenn man einmal ein leeres Wiki mit allen Plugins, Formatierungen und Seiten angelegt hat, muss man beim nächsten Projekt also nicht bei Null wieder anfangen. Wenn sich mein Wiki übers Projekt bewährt, werde ich meine Version auch hier im Blog veröffentlichen können.

Ein weiterer – nicht zu unterschätzender – Faktor ist die Tatsache, dass sich das gesamte Wiki per Klick auf Deutsch umschalten lässt. Und die Lokalisierung ist tatsächlich gut gelungen, so dass man sich darauf verlassen kann. Es gibt sogar eine “Sie”- und eine “Du”-Version – für den Unterricht sehr nett.

Die Homepage der Software preist die Vorteile wie folgt – aus meiner Sicht zu Recht:

DokuWiki is a popular choice when choosing a Wiki software and has many advantages over similar software.

  • Easy to install and use
  • Low system requirements
  • Built-in Access Control Lists
  • Large variety of extensions
  • Over 50 languages supported
  • Device independent
  • Open Source

Die weiteren Vorraussetzungen und Features lassen sich ebenfalls schnell über die Homepage finden.

Zwischenfazit: DokuWiki ist eine schlanke Wiki-Lösung mit minimalen Anforderungen an Webspace, Server aber auch Kenntnissen seitens des betreibenden, administrierenden Lehrers.

 

Installation

Die Installation ist recht einfach – kann aber sogar nicht vereinfacht werden: Das Grundprinzip folgt folgenden Schritten

  1. Download der aktuellsten Version über die DokuWiki-Homepage (man erhält einen gepackte Datei im tar-Format)
  2. Upload & Entpacken
    1. entweder entpackt man die Datei auf dem eigenen Rechner und lädt dann die enthaltenen Dateien in das Verzeichnis auf dem Webserver oder
    2. man lädt die gepackte Datei hoch und entpackt sie dann auf dem Server selber (dies dürfte der zeitlich effektivere Weg sein)
  3. Über den Webbrowswer suft man in das Verzeichnis und ruft die install.php, indem man im Browser www.domein-meiner-seite.de/name-des-wiki-ordners/install.php eingibt.

Ein Screencast für Windows gibt es hier.

Danach hat man ein funktionsfähiges Wiki. Noch einfacher geht es mit dem automatischen Installer. Wenn man diese php-Datei in das gewünschte Zielverzeichnis lädt und dann über den Webbrowser startet, erledigt das Skript für einen den Rest. Während des Installationsprozess kann auch gewählt werden, welchen Grad der Öffentlichkeit das Wiki erhalten soll. Ich habe unser Wiki zunächst so eingerichtet, dass lediglich registrierte Nutzer Zugang erhalten (siehe unten). Hierüber gibt es tatsächlich eine breite Diskussion. In meiner Klasse haben wir schon diverse Erfahrungen mit Blogs gesammelt. Bei diesen Projekten haben die Schüler es geschätzt, in einem geschützten Raum arbeiten zu können, dort Fehler machen zu können und in einem sozial gesicherten Umfeld zu agieren. Besonders auch aufgrund der Anfälligkeit von Wikis gegenüber Blogs und der weiter unten ausgeführten Kommentarfunktion habe ich mich für ein zunächst nach außen gesichertes Wiki entschieden. Inzwischen sind wir in Klasse 9 und vielleicht sind die Schüler hinterher so stolz auf ihr Produkt, dass eine Veröffentlichung noch nachträglich erfolgt. Zumindest wird dies am Ende des Projekts Bestandteil der Reflexion werden.

Erweiterungen: PlugIns & Themes

Ein wichtiges Feature von DokuWiki ist die Erweiterbarkeit durch so genannte PlugIns. Diese lassen sich über eine zentrale Sammlung herunterladen und über den Admin-Bereich des jeweiligen Wikis einfach nachinstallieren. Gleiches gilt für Themes, die einen das Wiki optisch anders erscheinen lässt. Auch hierfür gibt es eine inzwischen umfangreiche Sammlung. In meinem Wiki sind folgende PluIns zum Einsatz gekommen (Themes habe ich nicht verwendet, da das Standard-Erscheinungsbild ausreichend ist):

  • fckg: Dieses PlugIn erweitert den Standard-Editor um eine WYSIWYG-Funktionalität. Das bedeutet letztlich, dass den Schülern das Schreiben des reinen Codes abgenommen wird. Die Formatierung des Textes wird ähnlich zu einer Textverarbeitung über Buttons erledigt. Ist in meinem Projekt nicht Bestandteil des didaktischen Konzepts. Das Schöne dieses PlugIns ist allerdings, dass es unter jedem Editor-Feld einen Button integriert, welcher einen zwischen dem Standardeditor und dem erweiterten WYSIWYG-Editor hin- und herschauten lässt. Dies funktioniert für jeden User unabhängig, so dass ich dies als Möglichkeit der Differenzierung zu nutzen gedenke, wenn Schüler zusätzliche Herausforderungen brauchen oder technisches Interesse mitbringen.
  • userhistory: Dieses PlugIn fügt eine weitere Funktionalität in den Adminbereich hinzu. Hierüber wird es möglich, alle Aktivitäten eines Users im Wiki zu bündeln. Wie bei jedem Wiki ist es natürlich möglich, eine History zu jedem Beitrag mit der jeweiligen Beteiligung zu bekommen. Wenn ein Schüler sich aber an mehreren Wiki-Seiten aktiv beteiligt und ich als Lehrer hierüber einen Überblick behalten will (z.B. zur Betreuung oder auch zur Bewertung – zu letzterem in einem späteren Blogbeitrag mehr), ist dies eine hilfreiche Erweiterung.
  • preregister: Dieses PlugIn erweitert den Registrierungsprozess neuer User. Es wird ein Bestätigungslink generiert, über den die E-Mail-Adresse des Schülers bestätigt wird.
  • discussion: Mittels dieses PlugIns lässt sich automatisch ein Diskussionsfeld unterhalb jeder Seite generieren. Darüber können Kommentare abgegeben werden. Ich bin gespannt, wie sich diese Kommentarmöglichkeit, die meine Schüler schon gut aus unserer Arbeit mit Blogs kennen, in Wiki bewähren wird. Meinen Schülern wird es besonders schwer fallen, die Autorität und Verantwortung für ihren eigenen Text teilweise aufzugeben. Ich möchte diese Kommentarfunktion also dazu bereitstellen, dass zunächst gegenseitige Tipps und Feedback darüber läuft, bevor ein Schüler aktiv in die Wiki-Seite eingreift (hierzu in einem späteren Beitrag mehr).

Registrierung der Schüler

Die Registrierung der Nutzer – also Schüler – im Wiki kann grundsätzlich auf drei Wegen erfolgen:

  • der Lehrer legt jeden Schüler einzeln an (über die Nutzerverwaltung im Admin-Bereich).
  • der Lehrer legt die Schüler über eine csv-Datei an, welche sich aus einer Excel-Tabelle generieren lässt. Dadurch können alle Schüler auf einmal angelegt werden (über die Nutzerverwaltung im Admin-Bereich).
  • die Selbstregistrierung wird freigeschaltet. Hierzu ruft man im Admin-Bereich die Konfiguration auf. Unter dem Punkt “Deaktiviere DokuWiki’s Zugriffe” entfernt man den Haken bei “Registrieren”.

Ich habe mich für letzte Variante entschieden. Ich habe damit auch in allen bisher benutzen Plattformen gute Erfahrungen gemacht. Die Schüler übermitteln dadurch die Daten selber ins System. Entweder erfolgt dies im Unterricht selber oder per Hausaufgabe. Sind alle Schüler registriert, schalte ich diese Funktion meist wieder ab. Bei diesem Verfahren ist es wichtig, die Schüler bei der Wahl des Nutzernamens zu unterstützen. Im geschützten Raum arbeite ich meist mit den Vornamen der Schüler. Dadurch erkennen sie sich und ich sie auch innerhalb der Plattform schnell wieder. Die ersten beiden Varianten geben dem Lehrer in der Hinsicht einen gewissen Vorsprung, als dass er Schnipsel mit selber festgelegten LogIn-Daten an die Schüler ausgeben kann. Dies empfiehlt sich evtl. beim erstmaligen Einsatz einer digitalen Plattform oder bei Lerngruppen, die sich evtl. schwer tun bzw. für die Selbstregistrierung zu viel Zeit brauchen würden. Dann empfiehlt es sich, diese Hürde nicht schon vor die eigentliche Arbeit zu setzen, um evtl. Motivationseinbrüche zu vermeiden, wenn die Schüler bereits an der Registrierung scheitern und schon gar keine Lust mehr zu arbeiten haben, weil “alle anderen schon drin sind” und man selber es nicht hinbekommt oder Hilfe vom Lehrer braucht.

Zugriffsrechte

Die inhaltliche Vorbereitung bzw. Strukturierung des Wikis soll Thema eines weiteren Blogbeitrags sein. Diese ist notwendig, um den Schülern einen gewissen Rahmen zu geben. Sinnvoll ist es, diese vom Lehrer vorbereiteten Seiten zu schützen, so dass sie zu Projektbeginn nicht evtl. Versuchen von Schülern zum Opfer fallen und sichergestellt ist, dass der Rahmen bzw. Ausgangspunkt in Form einer Startseite vom Lehrer gewahrt bleibt. Im Admin-Bereich des Wikis kann über den Bereich der Zugangsverwaltung für Seitenbereiche aber auch Einzelseiten festgelegt werden, wer in welcher Form Zugriff darauf hat (z.B. nur lesen, schreiben, löschen usw.). Hierzu ist es in der Nutzerverwaltung sinnvoll, die Schüler alle einer Gruppe zuzuordnen, so dass die Rechte so schnell für die gesamte Gruppe festgelegt werden kann. Es ist aber auch empfehlenswert, eine weitere Gruppe anzulegen, in der technisch versierte Schüler gebündelt werden. Diesen kann man so erweiterte Rechte geben, die es ihnen erlaubt, eine Art Unteradministrator neben dem Lehrer zu bilden. Auch hierüber ergibt sich die Möglichkeit einer Differenzierung innerhalb der Lerngruppe. Ich rate allerdings davon ab, die oberste Administrationsebene zu schnell oder zu früh im Projekt vollständig abzugeben. Dies ist sicher denkbar, wenn bereits Erfahrungen mit der Plattform aus vorherigen Projekten bestehen oder Schüler eigene Wikis für ihre Gruppenarbeiten/-projekte betreiben sollen. Das selektive Freischalten von Bereichen ist aber eine schöne Möglichkeit, Ämter in der Klasse zu etablieren und somit Verantwortung mit den Schülern zu teilen – ganz im Sinne einer Reformpädagogik 2.0.

Benutzung des Wikis

Bei der heutigen Einführung des Wiki-Projekts in meiner Klasse habe ich mich wieder darauf beschränkt, nur ganz grundlegende Funktionen den Schülern per iPad & Beamer gemeinsam zu zeigen. Ich habe den Registrierungsprozess gezeigt, den Editor und die Strukturierung einer Seite durch Überschriftenebenen. Dies dauerte ca. 20 Minuten. Der erst ergibt sich in der konkreten Arbeit selber. Und vieles werden sich die Schüler selber erschließen – z.B. das Einfügen von Links und Bildern. Und sobald sich ein Schüler diese Fähigkeit erschlossen hat, wird es nicht lange brauchen, bis er dieses Wissen weitergibt oder andere Schüler dies registrieren und sich erfragen. Mit dieser Methode bin ich bei der Blogarbeit sehr gut gefahren. Ob sie sich auch hier bewährt, wird sich zeigen. meine Schüler haben sich jedenfalls darauf eingelassen. Um Redundanz zu vermeiden möchte ich an dieser stelle auf die sehr gelungene Darstellung von Andreas Kalt verweisen. Er hat die Handhabung des Wikis schön beschrieben und illustriert. Per Link ist seine Anleitung auch Bestandteil meines Wikis.

Fazit

Soweit zur technischen Realisierung. Aus meiner Sicht ist DokuWiki ein sehr lehrerfreundliches Tool, da es zunächst sehr übersichtlich daherkommt. Über die Erweiterungsmöglichkeiten hat aber jeder die Gelegenheit, das zu realisieren, was er braucht. Durch die technischen Voraussetzungen lassen sich bequem und schnell jederzeit Zwischenstände des gesamten Wikis sichern und archivieren. Das Aufsetzen hat mich ca. 2 Stunden gekostet. Natürlich bestehen bei mir Vorerfahrungen, da ich bereits mit diesem Wiki-Typ mehrere  Projekte innerhalb der Lehrerteams an unserer Schule realisiert habe. Dem erstmaligen Nutzer, der mit dem grundsätzlichen Herauf- und Runterlasen von und nach Servern vertraut ist, empfehle ich, sich ein Wochenende Zeit zu nehmen. Wer vollkommen unbedarft einsteigt, sollte sich eine Ferienwoche zur Einarbeitung gönnen.

Auch für die Schüler halte ich DokuWiki für ein gutes Werkzeug, um in die Wikiarbeit einzusteigen. Inwieweit sich diese Aussage halten lässt, wird das Projekt zeigen.

Die nächsten Beiträge werden sich mit Thema des Projekts, Pädagogik/Didaktik, Schwierigkeiten/Problemen usw. befassen. In diesen Sinne: immer mal wieder reinschauen in der Lernwolke. Sollten Fragen bestehen oder ich etwas vergessen haben, bitte die Kommentarfunktion unten nutzen.

© René Scheppler, 2014

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