Lesetipps zum Wochenende

Kommentieren 22. February 2014

Im Laufe dieser Woche bin ich auf drei Lektüren ganz unterschiedlicher Art gestoßen, die ich an dieser Stelle kurz weitergeben möchte. Sie befassen sich mal mehr und mal weniger mit Schule und mal mehr und mal weniger mit Technik. Zusammen passen sie aber aus meiner Sicht gut in die Lernwolke und jeder picke sich heraus, was gerade am besten zu ihm/ihr passe…

1) Wie wir Schule machen – Lernen wie es uns gefällt

Wie wir Schule machen von Alma ZarateDie Evangelische Schule Berlin Zentrum ist eine Reformschule unter der Leitung von Margret Rasfeld. Doch nach ihrem eigenen Verständnis auf der Homepage-Startseite nicht irgendeine Reformschule sondern:

Die Evangelische Schule Berlin Zentrum gründete sich mit dem Anspruch einer Reform-Schule mit radikalem Wandel der Lernkultur.

Aus der Sicht dreier Schülerinnen bekommt man Einblick hinter diesen kernigen Anspruch. Mit Schüleraugen wird beschrieben, wie Schule anders funktionieren kann. Und da ich einiges von dem wiedererkannt habe, was auch “meine” Schule auszeichnet, glaube ich – ohne mich vor Ort in Berlin davon überzeugt zuhaben -, dass da einiges dran sein kann. Zumindest die 8 Forderungen der drei Schülerautorinnen (aber es kommen auch in gesonderten Kapitelabschnitten “Die Erwachsenen” zu Wort) haben mein Interesse geweckt:

  1. Schluss mit dem Frontalunterricht
  2. Raus aus den Klassenräumen
  3. Rollentausch
  4. Verzicht auf Noten
  5. Klassenrat einrichten
  6. Vollversammlung nutzen
  7. “Herausforderungen” als Klassenfach (Das ist wahrscheinlich etwas das Alleinstellungsmerkmal der Schule und von Fr. Rasfeld in der Bildungsdebatte)
  8. Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit als Ziel

2) Computer und Unterricht Nr. 93 – OER Offene Bildungsressourcen

450CF835BC305BD1C8C8A07A6E2FCE48.0Wie der Titel schon eindeutig verrät, beschäftigt sich die 93. Ausgabe der Zeitschrift des Friedrich Verlags mit dem Thema OER. Aus meiner Sicht wird dieses eines der virulentesten Themen der nächsten Jahre im Schulbereich sein. Im Moment verhält es sich noch recht ruhig rund um das Thema. Mal abgesehen von Barcamp-Veranstaltungen und einigen Leuchtturminitiativen bewegen wir uns derzeit noch in der verhaltenen Phase – gesteuert und beherrscht von den Schulbuchverlagen. So recht kommen wir über die rein digitale 1:1-Kopie bestehender Schulbücher noch nicht hinaus. Dieses natürlich stets unter der Fuchtel von Copyright, Kopierschutz und Drohgebärden aller Art. Mal abgesehen von den technischen Hürden, die nicht selten bewusst eingezogen werden und die praktische Nutzbarkeit von digitalen Materialien nahezu untergräbt.

Besonders interessant sind daher aus meiner Sicht der Basisartikel von Alexander König sowie das Gespräch der Autoren mit David Klett und Jörn Muuß-Merholz. Während in einem die Grundlagen aufgeblättert und erläutert werden, wagen die anderen den Blick auf mittelfristige Perspektiven für Schule, Unterricht und digitale Medien. Die Kurzzusammenfassungen der einzelnen Artikel gibt es über die Homepage.

3) Kooperative Unterrichtsvorbereitung mit Social-Media-Elementen für den Präsenzunterricht in der Berufsschule

Werner Prüher hat seine Masterarbeit vorgestellt und veröffentlicht. Dies ist nach dem recht allgemeinen und danach thematischeren Lesetipp wohl der speziellste der drei.

Diese Arbeit befasst sich mit den Rahmenbedingungen für Lehrkräftekooperation beim Austausch von Unterrichtsvorbereitungen über Internet. Basierend auf einer Analyse von Kooperation in Gruppen und den Funktionalitäten von Social-Media wird ein Modell für Social Software zum Austausch von Unterrichtsvorbereitungen aus bildungswissenschaftlicher Sicht skizziert. Anhand von Ergebnissen einer Online-Umfrage unter Lehrkräften von Berufsschulen werden die derzeitigen Gegebenheiten bei der Erstellung und dem Austausch von Unterrichtsvorbereitungen und die Nutzung von Social-Media analysiert.

Die Arbeit ist natürlich deutlich theoretischer gehalten als die beiden vorherigen Lesetipps. Was hierbei aber interessant ist, ist die Übertragbarkeit auf bereits bestehende Soziale Netzwerke und die Überprüfung ihrer Nutzbarkeit für die Unterrichtsvorbereitung. Und Angesicht des eigenen Anspruchs des Autors ist diese Arbeit auch nur der erste Schritt hin zur Entwicklung eines Sozialen Netzwerks (speziell für Unterricht und Unterrichtsvorbereitung?).

Ich fand es spannend vor allem durch die  Kapitel 3 und 4 zu blättern, da einem hier die Funktionen und Mehrwerte dieser Netzwerke für Unterricht nochmals bewusst zusammengetragen werden.

Und nun viel Spaß beim Schmökern.

© René Scheppler, 2014

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