Schule wird digital

Kommentieren 17. February 2014

Bereits in der ersten Jahreshälfte 2013 hat der Stifterverband eine Reihe von Interview veröffentlicht. Unter dem Reihentitel “Unterwegs in die digitale Gesellschaft” ist auch folgendes Gespräch mit Felix Schaumburg (auf Twitter) erschienen:

Felix zeigt in seinem Video wichtige Herausforderungen für Schule und Unterricht auf. Er zeigt die wachsenden Herausforderungen, die sich die Institution Schule stellen muss gut auf und benennt in der Zertifizierung und der Digitalisierung der Lebenswelten der Schüler die entscheidenden Wendepunkte, an denen Schule den Anschluss zu verlieren droht (sowohl gesellschaftlich als auch im Bezug auf den einzelnen Lerner). Richtig finde ich seinen Ansatz, dass dieser Entwicklung weniger effektiv “top down” begegnet werden kann/sollte. Es ist vielmehr die Aufgabe jedes einzelnen Lehrers, von unten im Lehr-Lern-Setting auf diese Entwicklungen zu reagieren. Und dies gelingt eben nicht im Einzelkämpfertum sondern in der Vernetzung, dem Austausch und der Kollaboration.

Hierbei darf der einzelne Lehrer aber natürlich nicht alleine gelassen werden. Wenn Schule zur Teamschule wird – für die Lehrer… Wenn Unterricht keine One-Man-Show eines einzelnen Lehrers bleibt… Wenn Schüler nicht mehr isoliert sondern vernetzt lernen… Wenn Lehrer mit und von Schülern zu lernen bereit sind… Nur dann kann diese Entwicklung kompensiert und im Idealfall für die gesellschaftliche Integration der heranwachsenden Generation fruchtbar werden.

Diese Strukturen bilden reformpädagogisch arbeitende Schulen bereits seit Jahren erfolgreich aus – beispielsweise:

  • Rituale, die Verlässlichkeit und Sicherheit geben. Rituale gilt es aus meiner Sicht auch für den digitalen Raum – oder zumindest für den digitalen Lernraum (im Digitalen selber aber auch innerhalb des Schullebens, in dem das Digitale seinen Raum finden muss) – zu schaffen. Denn Rituale geben Halt und Orientierung. Schulen, die reformpädagogisch bereits im Analogen mit Ritualen gute Erfahrungen gemacht haben, werden sich nicht schwer tun, diese auf das Digitale zu übertragen.
  • Ämter und Aufgaben, die Schüler im Sinne der Reformpädagogik für ihre Lerngemeinschaft übernehmen: Es müssen nicht immer die Lehrer sein, die den Schülern überlegen sind, wenn es um die Arbeit mit digitalen Medien geht. Verantwortung zu teilen und dies z.B. in Form von Ämtern zu strukturieren ist Grundlage jeder demokratisch denkenden, arbeitenden Schule und Lehrerschaft. Der Schritt aufs Digitale zu ist auch hier bereits sehr geebnet. So könnte doch ein Schüler die Aufgabe des Wiki-Administrators übernehmen. Oder der Klassenrat wird zum kritischen Gremium für problematische Kommentare in Blogs.
  • Räume schaffen und als dritten Pädagogen verstehen. “Nicht das Kind soll sich der Umgebung anpassen, sondern wir sollten die Umgebung dem Kind anpassen”, nannte dies Maria Montessori. Wer dies als grundlegende Aufgabe des Lehrers bereits im Analogen verfolgt, wird auch dies ins Digitale überführen können. Bedeutet es doch eben nicht, den Raum (hier also “das Internet”) für den Schüler quasi vorab zu erschließen und unter festen Vorgaben dem Schüler zu offerieren. Die Aufgabe des Lehrers ist vielmehr, den Raum zu arrangieren: “Die Aufgabe der Umgebung (in diesem Fall übertragen “das Internet” als digitaler Raum) ist nicht, zu formen, sondern zu erlauben, sich zu offenbaren.” (Maria Montessori)

Besonders spannend – und damit will ich die guten Äußerungen von Felix auch wirken lassen – finde ich daher auch seine Sichtweisen bezüglich der Reformpädagogik:

Und trotzdem gibt es aber auch gute Gedanken – vor allem pädagogische Gedanken -, die eben im Nicht-Digitalen schon entstanden sind. Also die ganzen Reformschulen, die ganze Reformpädagogik ist eine Entwicklung, die dem Digitalen gang, ganz nahe ist. Die aber komplett vor hundert Jahren analog gedacht worden ist. Und diese Prozesse kann man eigentlich versuchen jetzt zusammenzuführen.

© René Scheppler, 2014

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