Reformpädagogik 2.0

Kommentieren 13. February 2014

Während der Offline-Phase dieses Blogs im vergangenen Jahr hat sich ein Themenschwerpunkt verstärkt in meinen Fokus gerückt. Und mit diesem Beitrag möchte ich gewissermaßen eine Art “Claim” abstecken. Es geht um “die” Reformpädagogik und ihre Übertragbarkeit ins 21. Jahrhundert. Ich bezeichne dies als “Reformpädagogik 2.0”.

Ich bin mir bewusst, dass in dieser kurzen Beschreibung mehr als eine Unschärfe steckt:

  • Was ist Reformpädagogik?
  • Gibt es “die” Reformpädagogik?
  • Wie unterscheidet sich 2.0 von 1.0?
  • Gab/gibt es überhaupt eine 1.0-Version oder womöglich mehrere 1.x-Versionen?

Ich möchte diesen Blog auch in den zukünftigen Beiträgen immer wieder dazu nutzen, diesen Begriff zu schärfen als auch weiter zu etablieren. Letzteres zunächst für mich selber, wobei ich auf meine bisherigen Blogerfahrungen bauend hoffe, dass dies ein erfolgreicher Work-in-Progress-Prozess werden kann. Ich erhoffe mir für mich selber zunehmende Klarheit aber auch Anregungen von außen.

Ein wichtiger Aspekt wird die aktuelle bzw. jüngste Entwicklung in der Reformpädagogik sein  (müssen). Hierzu zählt unzweifelhaft die Verfehlungen, derer sich einzelne im Namen oder unter dem Deckmantel aus meiner Sicht weiterhin grundsätzlich positiv zu betrachtender reformpädagogischer Ideale schuldig gemacht haben. Dieses Feld soll aber nicht Schwerpunkt der Blogarbeit werden, unter anderem auch deshalb, da dies für mich mehr  (Mit-)Auslöser für meine Überlegungen war als Ziel und zukünftige Entwicklung. Ich möchte hierzu exemplarisch auf Christian Füllers Buch verweisen.

Ich arbeite bewusst an einer Schule reformpädagogischer Prägung, die verschiedene Ideen und Ideale aufgegriffen hat, und von Enja Riegel in ein neues Gelingensmodell von Schule vereinigt und arrangiert wurden. Wichtige Elemente stammen dabei von Maria Montessori, Celestin Freinet und den Jenaplan-Ansätzen zu einer ritualisierten, demokratischen Schule. Unter dem Ziel einer Pädagogik mit “Kopf, Herz und Hand” (Pestalozzi) bilden diese Konzepte ein nicht unwichtiges Grundgerüst meiner pädagogischen Arbeit mit und für Schüler.

In der zunehmenden Auseinandersetzung mit neuen Medien sowie ihrer Rolle und Integration in den alltäglichen Unterricht – oder vielmehr das Lernen als solches – sind mir zwei Aspekte deutlich geworden:

  • Neue oder digitale Medien bedeuten nicht nur eine Integration in den Unterricht sondern mit ihnen geht ein neues Konzept von lernen aber vielmehr der Rolle des Lerners und des Lehrenden einher. Dies führt zu großen Herausforderungen für das bestehende Schulsystem/-modell bis hin zum einzelnen Lehrer, welcher jeden Tag hunderten Schülern begegnet, deren Lebenswelten ein digitales Ausmaß angenommen haben, welches von der unterrichtlichen Sozialform bis hin zur Prüfungssituation die schulische Lernwelt an ihre (Überzeugungs-)Grenzen führt. Ob Wikipedia-als-Quelle-Streit, Handyverbot oder aktuellste BYOD-Strategien (“bring your own device”) – Schule muss sich und ihre didaktischen Konzepte zunehmend und grundlegend überdenken. Ein sehr spannender Prozess!
  • Digitale Welten in Form von Sozialen Netzwerken, Blogs, Wikis usw. – also grob gesprochen das Web 2.0 – scheinen regelrecht auf reformpädagogischen Ideen zu fußen. Groß gesprochen, ich weiß. Aber die Verbindungen, Parallelen oder Anknüpfungspunkte (hier stecke ich mitten in eigenen Klärungsversuchen) werden für mich zunehmend deutlicher und unübersehbar.

Diese beiden Aspekte miteinander in Einklang zu bringen, aufzuzeigen, wie schulische Web2.0-Ansätze von bewährten, reformpädagogischen “Offline-Ideen” profitieren können, und andersherum Reformpädagogik in den technischen, praktischen Möglichkeiten der digitalen Medien neu aufblühen oder sich gar weiterentwickeln kann, soll immer wieder – aber nicht ausschließlich – Bestandteil der zukünftigen Blogarbeit in der Lernwolke sein. Und dies geschieht unter dem Schlagwort und Blog-Tag

Reformpädagogik 2.0

Einen ersten, verschriftlichten Schritt habe ich für eine Festschrift zum Ausscheiden meiner ehemaligen Schulleiterin in den Ruhestand verfasst:

© René Scheppler, 2014

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