Wir brauchen keine Evolution – sondern Revolution

Kommentieren 24. May 2010


Vor einigen Wochen hat Sir Ken Robinson einen TED-Vortrag gehalten, der nun online verfügbar ist. Das Problem mit seinen Vorträgen ist, dass man sie nahezu komplett zitieren könnte, so dass ich es lieber lasse und das Video oben empfehle.

Ich nutze gerade die Wege von und zur Schule, sein Buch zu hören. Und das Erstaunliche ist die Grundsätzlichkeit, mit der er Fragen an das Bildungssystem stellt. Und wie richtig dieser Ansatz ist, von der Motivation des Lerners auszugehen, zeigt sich für mich täglich in der Schule aber auch bei meinen eigenen Referaten vor Kollegen. Wenn ich Modelle und Szenarien vorstelle, wie mit neuen Medien gelernt und gelehrt werden kann, kommt immer wieder die Frage nach der Motivation der Schüler – jüngst am Donnerstag auf der iMedia.

Aber erstaunlich ist – und das habe ich anfangs gar nicht so wahrgenommen -, dass dies meistens mit der Intention gefragt wird, die impliziert, das bekannte Lehrsystem mit einer Art Motivationsspritze in Form von neuen Medien zu erhalten. Es geht – so meine Wahrnehmung – noch zu selten um die Motivation selbst, den Schüler, den Lerner. Es geht noch zu häufig um den Lehrer, sein “Wohlbefinden” in der Lehr- (nicht Lern-!)situation – also um seine (des Lehrers) Motivation. Und je länger ich darüber nachdenke, ging es auch im referendariat zu sehr (zu) großen Teilen um den Lehrer, seine Rolle, sein Befinden.

Und ich glaube, dass daraus die häufige Skepsis resultiert, die mir begegnet, wenn ich postuliere, man müsse sich als Lehrer selber mit den Medien beschäftigen, sich mit ihnen auseinandersetzen oder mehr noch… sie nutzen im eigenen Alltag und/oder Arbeitsprozess. Ist das womöglich gar nicht der richtige Ansatz? Ist es etwa ein Missverständnis, beim Lehrer ansetzen zu wollen anstatt beim Lerner? Wie müssen solche Vorträge aussehen? Ist das überhaupt mit Vorträgen möglich? Oder geht das eigentlich nur noch im innerkollegialen Kreis mit kollegialer Unterrichtshospitation?

Brauchen wir nicht nur eine Revolution im Bildungssystem – sondern auch oder zuerst im Lehrerausbildungssystem?

© René Scheppler, 2010

Share