Google Docs ist das bessere Etherpad – Schreibkonferenz die Vierte
Google hatte vor kurzer zeit Etherpad gekauft. Dass einige Funktionen davon ihren Weg in Google Docs finden werden, war eine berechtigte Hoffnung. Denn gestern hat das Online-Office-Paket nun einige elementare Neuerungen erhalten. Diese sind besonders für den Schulsektor nicht uninteressant, da sie die Nutzbarkeit nun endgültig ermöglichen.
Die wichtigsten Neuerungen zeigt dieses Video aus der offiziellen Ankündigung:
Für den Einsatz in schulischen Lehr-/Lernsituationen sind vor allem drei Neuerungen von Bedeutung, von denen aber nur zwei direkt im Video angesprochen werden:
- Kommentarfunktion: Die kommentare gab es in Google Docs bereits länger. Problematisch für Ihre Nutzung in z.B. Schreibkonferenzsettings war aber ihre Einbettung unmittelbar in den Text. Dies hat diesen schnell unübersichtlich werden lassen und auch das Entfernen der Kommentare war nicht sehr intuitiv. In der neuen Version werden diese nun an den rechten Rand gesetzt, dennoch unmittelbar mit einer Texstelle verknüpft. Dies ist in meinen Augen eine deutliche Verbesserung.
- Simultane Kollaboration: Das ist wohl die wesentliche Übernahme aus Etherpad, welche es erlaubt, mit bis zu 50 Teilnehmer zeitgleich an einem Dokument zu arbeiten und dabei live die Änderungen der Kollaborateure mitverfolgen zu können. Wer dies aus Etherpad kennt, wird beeindruckt sein. meine Schüler haben stets gestaunt, wenn wir auf diese Art und Weise in Tabellen gearbeitet haben und wie von Geisterhand die Einträge der Anderen auftauchten. Dass dies nun nicht nur in Tabellen möglich ist, sondern mit einer großen Nutzerzahl auch in Textdokumenten, wird nicht nur – aber besonders – die Deutschkollegen freuen.
Die für mich entscheidende Neuerung, die im Video gar nicht explizit angesprochen wird, ist aber eine Dritte, welche für den schulischen Einsatz den Durchbruch oder zumindest eine sehr deutliche Vereinfachung bedeutet:
- Anmeldefreiheit: Neben der Simultanität war für mich stets ein wesentlicher Faktor nur die Google Docs Tabellen zu nutzen derjenige, das diese derart freigegeben werden konnten, dass Dritte an der Tabelle mitarbeiten konnten, ohne sich eigens dafür bei Google mit einem eigenen Account registrieren zu müssen. Dies ist nun auch bei den Dokumenten möglich. Ich kann also eine Dokumentadresse wie für dieses zum Ausprobieren offene Testdokument für die Lernwolke mit TinyURL oder einen ähnlichen Dienst Tafelanschriebfreundlich kürzen und die Schüler direkt ins Dokument einladen. Und natürlich ist es auch sehr praktisch, solche Dokumente direkt in Moodle oder in meinem Fall eine WordpressMU-Plattform einzubetten, was die Schüler quasi unmittelbar in ihrer digitalen Lernumgebung kollaborieren lässt.
Mit diesen drei Verbesserungen besteht neben Bedenken des Datenschutzes und der Dokumenteigentümerschaft keinerlei Hinderungsgrund mehr, die Google Applikationen im schulischen Kontext zu verwenden. Gerade bei Texterstellungen, die weitestgehend personendatenunabhängig erstellt werden, sehe ich kaum noch ernsthafte Argumente, die einer Verwendung im Wege stehen.
Anzumerken ist allerdings ein kleiner Manko gegenüber dem Etherpad-Pendant. Und zwar werden bei Editieroffenheit nach außen die hinzutretenden Kollaborateure zwar angezeigt und mit rechten ausgestattet, sie tauchen aber anonym auf und auch Ihre vveränderungen werden als Anonymer mit fortlaufender Nummerierung dokumentiert. Im schulischen Einsatz wird es daher notwendig sein, die Schüler, die ihren Nutzernamen nicht wie bei Etherpad einfach ändern können, aufzufordern, ihre Änderungen zu markieren und in einem Kommentar mit ihrem Namen oder Nickname zu versehen.
Ähliches Verbesserungspotential, dass in der Etherpad-Übernahme aber prinzipiell angelegt ist, ist die Form der Dokumenthistorie. Zwar speichert Google Docs Veränderungen am Dokument automatisch ab, so dass es möglich wird, zu vorherigen Versionen zurückzukehren (bei Fehlern oder Vandalismus – letzteres habe ich in eigener Erfahrung mit Google Docs und Etherpad in der Schule kaum erlebt, zumal die PeerGroup einen “Störer” sehr schnell zur Räson ruft, wenn er das gemeinsame Ergebnis sabotiert). Mir ist noch nicht ganz klar, in welchen Abständen Google da speichert. Und auch das Zurückgehen im Bearbeitungsprozess war bei Etherpad nicht nur in abgespeicherten Versionsschritten möglich (ähnlich einem Wiki) sondern tatsächlich Buchstabe für Buchstabe, was sehr hilfreich ist, wenn mehrere Nutzer gleichzeitig also parallel Änderungen vornehmen und man zu einem Zwischenstand zurück möchte.
Insgesamt sind diese Neuerungen für mich aber eine große Bereicherung und ich werde diese Kollaborationsmöglichkeit sicher des Öfteren in Zukunft als schnelle und wie von Google gewohnt zuverlässig stabile Alternative für den oft überdimensionierten Wiki-Einsatz bei kurze Szenarien einsetzen. Zusammen mit der Importierfähigkeit diverser Formate wird es auch möglich sein, bereit fertige oder von den Schülern offline erstellte Produkte so einer schnellen Peer-Review zuzuführen und das gemeinsame Verbessern und Ausfeilen einfach zu fördern.
Zum Schluss noch eine technische Anmerkung: bei mir war es notwendig, über die Settimngs im Reiter Editing die neuen Funktionen separat freizuschalten, so dass die im nächsten, neuen Dokument auftauchten.

© René Scheppler, 2010
Das Problem mit dem anonymen Editieren kann man natürlich auch umgehen, wenn alle Schüler einen Google Account haben. Bei Schulen, die Google Docs regulär nutzen, ist das in der Regel so. Vorteil für die Schüler ist, dass sie ihre Dokumente direkt online speichern können.
warum aber überhaupt GoogleDocs statt Etherpad nehmen? IMHO ist Etherpad in den allermeisten fällen viel besser für live-kollaboration, gerade weil es einfacher ist und nicht dokument-zentriert.
ausnahmen sind nur da, wo es von vornherein um “dokumente” geht, also etwas, das “publiziert” wird. aber das ist ja eigentlich das wenigste.
@martin
Ich finde bei Google Docs die Kombination aus Live-Dokument, Kommentar und Chat gelungen. Besonders die Heraushebung der Kommentare aus dem Dokument gefällt mir gut, da dadurch eine deutlichere Trennung von Inhalt und Diskussion/Feedback möglich wird. Ich betrachte mir diese Tools aber stets hier im Blog mit einem schulisches Fokus. Während erwachsene das “herumfuschen” im gemeinsamen Dokument viel einfacher überblicken und auch akzeptieren, erachte ich die Feedbackmöglichkeiten über die rechts neben dem text – aber an der entsprechenden Stelle – stehenden Kommentare für eine hilfreiche Funktion zum Einüben von Kritik und Rückmeldungen.
Summa summarum: Ich halte bei Google Docs die Möglichkeiten der Texterstellung für ausgreifter als bei Etherpad (mal abgesehen von Layout- und vor allem gestalterischen Möglichkeiten wie Bildern).
sage ich ja: GoogleDocs ist für texte, die “dokumente” sind.
(was auch formale autorität einschließt: interessant.)
Etherpad ist für kollaborative text- und denkprozesse.
Ich finde auch, dass sich beides sehr gut nebeneinander verwenden lässt,
aber wenn es um kollaboration geht, ist meistens Etherpad das bessere GoogleDocs
Etherpad ist einfacher, das stimmt schon. Wenn es um nicht wirklich übersichtliche Themen geht, vermisse ich dabei aber schon schnell bessere Übersichtlichkeit herstellende Formatierungsmöglichkeiten, Einrücken etc. – Die Dokumente/Prozesse-Differenzierung halte ich für sehr theoretisch, prinzipiell kann man GoogleDocs doch genauso verwenden wie Etherpad? Viele Kollaborations-Webtools bieten m.E. ein zügig wachsendes Funktionsvolumen, dass sich nur noch temporär und unter Vorbehalt sagen lässt: “A ist ‘das richtige’ Tool dafür, B dafür…”
Ich teste die aktualisierte Version von Google Docs jetzt für die Erstellung der Abschlusszeitung. Dazu habe ich einen Ordner erstellt, der freigegeben ist und darin gebe ich Dokumente vor, in welche die Schüler Inhalte einstellen können. Schüler und Kollegen können direkt im Dokument, auch von zu Hause aus Korrekturen einarbeiten. Das sollte so klappen.
Ich habe heute meine erste Stunde mit GoogleDocs hinter mir (und natürlich deinen wichtigen Hinweis mit dem “Editing”-Reiter erstmal überlesen. Ohne dich wäre ich nie auf diese Idee gekommen – danke.
Die SuS hat es total vom Hocker gehauen – die Stunde war durch. Es ging erstmal um das Kennenlernen des Tools an sich (so rede ich mich jetzt heraus). Es klappt auch hinter einem Proxy ganz hervorragend, aber der aktuelle Firefox sollte es schon sein: IE8 warf mit Javascript-Fehlern nur so um sich…
Seufz – man stelle sich vor, dass jede Arbeitsgruppe im Chemieunterricht über einen Laptop verfügen würde – wie schnell wären die Ergebnnisse auf dem Beamer. Bisher lasse ich sie immer zum Laptop nach vorn laufen – geht auch, muss aber nicht mehr sein.
Ende der Woche probiere ich einmal mit einer Textüberarbeitung in Gruppen herum.
Für mich ist der Damm zu Docs tatsächlich dirch die anonyme Kollaborationsmöglichkeit gebrochen. Schule, die komplett mit eigenen Schüleraccounts auf Docs arbeiten, sind mit immer etwas suspekt.
Gruß,
Maik
@Maik:
Super – solche Praxisfeedbacks sind mir immer sehr lieb. Ich habe sehr ähnliche erfahrungen in meinen lerngruppen gemacht als wir – was ja schon länger so offen geht – mit Google Spreadsheets gearbeitet haben.
Ich gebe die Hoffnung auf iPad & Co ja nicht auf, um solche Gruppenszenarien evtl. auch ohne Laptop für jeden zu lösen. Alleine, den Tablet herumzureichen wäre schon ein Fortschritt.
Genialer Beitrag, danke! Genau das, was ich gesucht habe! Ich brauche ebenfalls die Möglichkeit, dass auch UNREGISTRIERTE Google-Nutzer sofort auf Dokumente zugreifen können.
Hallo,
hat sich im dem Thema eigentlich was getan?
Durch dein Einkauf von Etherpad und dem KnowHow-Austausch hätte man nicht nur Google-Docs sondern nun auch das OpenSource-Etherpad verbessern können.
Tja, meine Schüler neigen dazu, alles zu sabotieren, wenn sie namentlich nicht zurückverfolgt werden können. Andererseits möchte ich ihnen nicht zumuten, sich bei google zu registrieren. Gibt es eine Möglichkeit, dass sie sich per Email zwar authentifizieren können, sich jedoch nicht registrieren müssen?
Ich hatte einen Share-Link per Email an meine Schüler verschickt, sie konnten das Dokument jedoch trotzdem nicht bearbeiten, ohne sich angemeldet zu haben.
Google Docs kann man inzwischen auch ohne Google-Account kollaborativ nutzen. In den Sharing-Optionen des Dokuments kann man es so freigeben, dass andere Nutzer keinen Google-Account brauchen.
und wie geht das? Email an bearbeiter? ich hatte das versucht, es hat aber nicht geklappt…
[...] der Neuerungen und Anregungen zum Einsatz von GoogleDocs für Schreibkonferenzen gibts in einem druckfrischen Beitrag in Rene Schepplers Lernwolke. [...]
[...] René Scheppler hat kürzlich entdeckt, dass sich in GoogleDocs angelegte Dokumente wie in Wave von mehreren Leuten gleichzeitig bearbeiten lassen und dass es dafür bei SuS mitnichten einen Google-Account für die SuS braucht – ein einfacher Link, abgelegt in z.B. einem Moodlekurs, reicht völlig aus. Einen Eindruck, wie so etwas aussehen könnte, kann man über dieses kleine Video (schlechte Qualität) bekommen: [...]
[...] sind vor allem drei Neuerungen von Bedeutung, zu denen Rene Scheppler in seinem Blogeintrag Google Docs ist das bessere Etherpad ausführlich Stellung [...]
[...] ist, dass es keines Anmeldeprozederes bedarf. (Lernwolke: Neue Medien im Schulunterricht "Google Docs ist das bessere Etherpad – Schreibkonferenz die Vierte") Am PiratePad kann jeder gleichzeitig arbeiten, der die genaue Webadresse in den Browser [...]
[...] ist, dass es keines Anmeldeprozederes bedarf. (Lernwolke: Neue Medien im Schulunterricht „Google Docs ist das bessere Etherpad – Schreibkonferenz die Vierte„) Am PiratePad kann jeder gleichzeitig arbeiten, der die genaue Webadresse in den Browser [...]
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