Karte für Karte – online lernen

Kommentieren 11. April 2010

Das Web 2.0 ist im ständigen Wandel. Ich habe dies eben wieder gemerkt, als ich auf der Suche nach einem Tool auf einen Anbieter gestoßen bin und beim Registrierungsprozess mitgeteilt bekam, das mein Benutzername bereits existiert. Und tatsächlich, der LogIn klappte ohne erneute Registrierung. In solchen Fällen starte ich stets eine Suchabfrage in der Lernwolke und die Tatsache, das sich kein Eintrag finden lässt, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass ich mir den Dienst in seiner Entstehungsphase bereits angesehen habe und er sich so weiterentwickelt hat, dass er nun eine Empfehlung hier wert ist.

Von daher ist er wahrscheinlich einigen auch gar nicht neu. Und ebenso wenig neu dürfte das sein, was geboten wird: Lernen mit Karteikarte – halt online. Derzeit habe ich dazu stets auf CoboCards verwiesen – ein von einem findigen und sehr bemühten Entwicklerteam geführtes Tool, welches viele Grundfunktionen zum Online-Karteikartenlernen bereit hält. Auch hier hat sich einiges getan: Verbesserter Editor, iPhone-App, kostenpflichtige Version und einige Feinheiten mehr.

Ediscio bietet sehr ähnliches: Anlegen von Karteikarten, lernen der Karten, kollaboratives Bearbeiten in der Gruppe, CommunityFunktionen (Freunde, Einladungen, Foren usw.). Zu CoboCards sind mir allerdings einige Unterschiede aufgefallen, die mir besonders für den Einsatz in der Schule sinnvoll erscheinen:

  • Ediscio fordert mich nicht auf, bei der Registrierung meine E-Mail-Adresse anzugeben. Zwar kann man bei CoboCards auch eine Quatsch-Adresse verwenden (eine Bestätigungsmail ist nicht notwendig). Allerdings ist dies bei Ediscio direkt optional gekennzeichnet und es reicht ein Nutzername (auch Nickname für Schüler möglich) und ein Kennwort und schon ist man drin und kann loslegen.
  • Ediscio erlaubt mir als Lehrer, eine Klasse anzulegen. Ich bekomme dann einen Code und ein Kennwort, welches ich an die Tafel schreibe, auf einem Arbeitsblatt/Infozettel vermerke oder in der Lernplattform poste. Mit diesen Daten können die Schüler direkt der Klasse beitreten und es entfällt das langwierige Verbinden über Freundschaftsanfragen und ähnliches – zumal, wenn die Schüler lustige Nicknames verwenden und man erst herausfinden muss, wer den  wer ist. In der Klasse hat man sie gleich beisammen und behält als Lehrer über das Backend auch stets eine Übersicht über angelegte und gelernte Karten (z.B. “schwierigste Karten in der Klasse”).
  • Ediscio ist für mein Verständnis nah an der Schülersprache, was für die Akzeptanz nicht unentscheidend sein kann. So logged man sich z.B. nicht aus, sondern die Schaltfläche heißt “und tschüss!” Bei den Statistiken für den einzelnen Lerner wird mit der Anzahl der gewussten Versuche operiert, werden übersichtliche Grafiken angeboten.
  • Ediscio bietet eine kostenfreie, mobile Version, die über den Handybrowser aufrufbar ist. Damit wird das Lernen auch unterwegs sehr einfach, da es mit jedem internetfähigen Handy möglich sein sollte, diese minimalisierte Seite aufzurufen, auf der man nur lernen kann (also Karteikarten abrufen und beantworten) aber keine neuen Karten erstellen kann.
  • Bei Ediscio sind alle Funktionen kostenfrei. Es gibt also keine Aufforderungen/Anreize für die (vor allem kleineren) Schüler, Geld zu bezahlen.

Ich halte Ediscio für den schulischen Einsatz durchaus für beachtenswert. Im Vergleich mit CoboCards ist die Übersichtlichkeit etwas schwächer – man muss sich etwas länger gewöhnen, ehe man einige Dinge findet – aber im Rahmen dessen, was ein “digital native” zu bewältigen vermag. Ebenso ist bei CoboCards der bereits vorhandene Pool an Kartensätzen ausgereifter, wobei diese nicht immer unbedingt schultauglich sind. Ediscio überzeugt mit den Klassenfunktionen, die es vor allem für den lehrer etwas einfacher und übersichtlicher werden lässt.

Ich denke, hier lässt sich kaum eine eindeutige Empfehlung aussprechen. Vielmehr werden unterschiedliche Ansätze deutlich: CoboCards stellt noch deutlicher als Ediscio die Lernerautonomie in den Mittelpunkt. Um den einzelnen Lerner oder den erstellten Kartensatz kreist das Tool. Der Lerner selber entscheidet über Gruppenzugehörigkeit, Mitarbeit an Karten usw. Bei Ediscio ist es grundsätzlich auch möglich, so an die Arbeit heranzugehen – der Klasse, dem Schüler also diese Autonmie zu geben. Wer aber weiß, wie nützlich es manchmal sein kann, in der eh knappen Unterrichtszeit einen schnellen Einstieg zu finden, wird über das Anlegen von Klassen froh sein. Ein letzter wünschenswerter Schritt wäre nun – bei beiden Tools – eine Funktion, die mir auf Knopfdruck ermöglicht, eine bestimmte Anzahl von Schülern innerhalb meiner Klasse/Gruppe anzulegen, ein PDF generiert zu bekommen, welches ich ausdrucke und die dortigen LogIn-Zettelchen nur noch an die Schüler verteilen muss (siehe z.B. diese Funktion bei Glogster).

Hier noch eine Präsentation und ein Einführungsvideo zu Ediscio:

© René Scheppler, 2010

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