Blogs im Unterricht – erste Erfahrungen

Kommentieren 26. March 2010

In dieser Woche habe ich in meiner Klasse die ersten Schritte in Richtung Medienkompetenz unternommen. Und zwar habe ich zwei Blogprojekte gestartet, die mit unterschiedlichem Hintegrund laufen, aber im Grunde recht ähnlich sind.

Da die Projekte erst sehr kurz laufen, kann es sich in diesem Beitrag lediglich um einen ersten Eindruck handeln, der zu weiten Teilen wohl auch noch sehr subjektiv und noch nicht “wissenschaftlich” oder belegt daher kommt. Dennoch denke ich, ist dies auch nicht uninteressant, um zur Hälfte und zum Ende des Projekts nochmals einen Vergleich ziehen zu können.

Zeitpunkt

Die Projekte starten beide nicht zu Schuljahresbeginn aber nur auf den ersten Blick relativ unvermittelt im zweiten Halbjahr. Beides ist bewusst gewählt und ergibt sich im ersten Fall aus der Tatsache, dass es sich um eine 5. Klasse handelt, die ich selber erst zum Schuljahresbeginn kennen gelernt habe.

Daher war es notwendig, die Lerngruppe kennen zu lernen und ihre Interessen aber auch Selbst- und Sozialkompetenz kennen zu lernen. Ersteres ist nachvollziehbar, da es nicht darum gehen kann/soll/darf, Medienkompetenz losgelöst vom Inhalt bzw. Unterrichtsthema vermitteln zu wollen. Meine Abwehr gegenüber reinen PC-Schulungen oder Klick-Klick-Kursen habe ich im Blog bereits mehrfach zum Ausdruck gebracht. Somit habe ich den Einstieg auch vom Zeitpunkt so abgepasst, dass eine thematische Verknüpfung herstellbar ist und der Medienkompetenzanteil “harmonisch” in das Projekt integriert werden kann – ein Teil davon wird.

Warum aber die Notwendigkeit der Sozial- und Selbstkompetenz? Das Web 2.0 ist mit seiner Anlage ein stark auf (Selbst-)Präsentation, Partizipation und Feedbackkultur angelegtes Medium. In meiner Examensarbeit habe ich anhand von Moodle untersucht, ob und wie Moodle im Unterrichtseinsatz in der Lage ist, eher passiven Schülern die Gelegenheit gibt, sich stärker am Lerngeschehen zu beteiligen. Die Ergebnisse waren diese, dass vor allem die Chancen der Findung des eigenen Lerntempos und der Gestaltung der eigenen Lernumgebung diesen Schülern sehr zu Gute kommt. Weniger im Rahmen meiner Arbeit aber in diversen Beiträgen über CyberMobbing ist immer wieder deutlich geworden, dass vor allem Lerner mit geringerer Selbstkompetenz Gefahr laufen, in allzu offenen, virtuellen Communities verloren zu gehen oder womöglich sogar zu Opfern werden.

In Kennenlernspielen, Gruppenfindungsübungen aber auch dem regulären Unterricht mit seinem bei uns hohem Projektanteil ist mir dann bewusst geworden, dass die starke Klassengemeinschaft und das faire sowie harmonische Miteinander in dieser Lerngruppe einen größeren Einsatz trotz des jungen Alters relativ bedenkenlos zulässt. Sich diese Zeit zu nehmen, zu beobachten und abzuwägen halte ich für sehr wichtig. Denn wie bei jeder anderen Unterrichtsmethode auch, gilt für den Einsatz digitaler Medien, dass dies keine Selbstläufer sind. Sie müssen Passung sowohl zu Inhalt als auch zur Lerngruppe aufweisen – zumal es ja auch nicht “das” digitale Medium gibt, sondern über die unterschiedlichen Tools nochmals eine enorme Differenzierung möglich wird (so hat ein Wiki eine andere Anlage als ein Blog – und beides differenziert sich weiter über den Grad der Öffnung und Teilhabemöglichkeit usw.). Ich habe mich für ein Blogsystem mit CommunityBildung entschieden, wobei das technische Setting später erläutert wird.

Inhaltlich ist der Zeitpunkt an den Beginn einer Projekts gelegt, welches somit von Beginn an mit dieser digitalen Komponente verknüpft ist – sowohl für mich als Lehrer als auch für die Schüler. Dadurch soll versucht werden, dem Computereinsatz zu einem gewissen Teil eine Stellung der Einmaligkeit, Belohnung oder des Versuchs zu nehmen, was sich häufig in der Form auswirkt, dass der begeisterte Start rasch abklingt und bei einem nicht langfristig durchdachten Vorgehen womöglich sogar in Ablehnung umschlägt. In unserem Fall startet gerade das Urzeit-Projekt, an dem mehrere Fächer beteiligt sind – unter anderem neben meinen Gesellschaftslehrestunden auch das von mir unterrichtete Fach Deutsch.

Didaktik und Methodik

Der Deutschunterricht beteiligt sich in Form einer Ganzschrift des Jugendbuchs “Die Sonne bleibt nicht stehen” am Gesamtprojekt. Hierzu haben die Schüler den Auftrag, ein Lesetagebuch zu führen, um den Leseprozess zu begleiten. Ich habe etwas Ähnliches bereits im Referendariat in einer 11 Klasse zu “Kabale und Liebe” versucht, habe damals aber ein Wiki innerhalb von Moodle eingesetzt und einzelnen Gruppen nur Teilbereiche in Form von Akten und Szenen zur Zusammenfassung im Wiki aufgetragen. Diesmal ist jeder Schüler gehalten, das gesamte Werk in dieser Form aufzuarbeiten. Dabei bietet sich die Struktur des Buches mit seinen 10 Kapiteln an, so dass der Auftrag auch dies aufgreift:

Wie geht das?
Zu jedem der 10 Kapitel fasst Du den Inhalt (1-3 Textseiten) zusammen.
Eine Frage oder einen Punkt in dem Kapitel greifst Du genauer auf und untersuchst ihn gründlicher.

  • Du kannst ein schönes Bild dazu malen.
  • Du kannst weitere Informationen suchen und sie darstellen (z.B. Jagdtechniken, Hausbau, Kleidung, Waffen, Nahrung usw.) Am Ende des Buches gibt es auch Informationen dazu.
  • Versuche auch Deine Gedanken zu den Kapiteln aufzuschreiben.

Auszug aus einem Erklärungs-/Willkommensposting auf der Projektstartseite

Somit schreibt jeder Schüler mindestens 10 Beiträge (wobei auch mehrere entstehen können, wenn die Schüler die obligatorische Inhaltsangabe vom kreativen Teil trennen). Die Schüler waren zu Beginn frei, zu entscheiden, ob sie das Angebot, dieses Lesetagebuch online in einem eigenen Blog oder lieber in einem speziellen Schreibheft führen wollen (die Wahl viel bis auf ein paar wenige, anders pädagogisch auch vertretbare Fälle auf das Blogsystem). Dadurch, das immer ein Kapitel gelesen wird, darauf der Tagebucheintrag folgt und dann weiter gelesen wird, wird nicht nur der Leseprozess der Schüler bewusst verlangsamt und strukturiert. Auch für den Lehrer entsteht die Möglichkeit, noch prozessbegleitender aktiv zu werden, indem z.B. bereits über die Kommentarfunktion zum ersten Beitrag auf Stärken und Schwächen verwiesen wird, die vom Schüler aufgegriffen und im weiteren Schreiben umgesetzt werden können. Es ist somit nicht Ziel, einen perfekten Beitrag nach dem anderen zu generieren, sondern von Post zu Post sollte eine Verbesserung erkennbar werden, die in zunehmend gelungenere Beiträge münden.

Jeder Blogger kennt die Angst vor dem weißen Editorfeld. Von daher versucht die Zweiteilung der Aufgabe den jeweiligen Einstieg über die Inhaltszusammenfassung zu erleichtern. Erst im kreativen Teil wird es dann wohl auch notwendig sein, Bilder einzufügen, eigene Zeichnungen einzuscannen und auf andere Seiten zu verweisen – also neben der Sachkompetenz auch die Medienkompetenz zu schulen.

Von weiterer Bedeutung ist dann natürlich, dass die Schüler sich über die Kommentare gegenseitig Feedback geben und dass dies eben nicht nur der Lehrer mit seiner oft als “richtig” wahrgenommenen Einschätzung rückmeldet. Das Gesamtsystem muss also so angelegt sein, das die Schüler unmittelbar auf neue Einträge ihrer Mitschüler aufmerksam gemacht werden und ohne großen Aufwand auch direkt zum Beitrag mit der Option des Kommentierens gelangen. Gerade bei “den Kleinen” wäre eine verstreute Lösung zu gefährlich. Der drohende Effekt wäre der, dass lediglich befreundete Schüler untereinander ihre Blogs lesen, andere Schüler aber nicht wahrgenommen und gewürdigt werden. Vor allem letzteres – die Würdigung – ist mir ein besonderes Anliegen, welches aber auch außerhalb des Projekts große Bedeutung hat. Die Arbeit der Anderen wahrzunehmen und in mit seiner Leistung zu respektieren, verleiht nicht nur dem Gewürdigten ein positives Gefühl. Die ersten Beobachtungen nach den aufkommenden “Testpostings” oder auch ersten Inhaltsangaben zeit allerdings, dass das unten beschriebene Setting offenbar trägt. Dennoch behalte ich im Hinterkopf, in gewissen Abständen evtl. den Auftrag in die Gruppe zu geben, eine Bestimmte Anzahl von Kommentaren zu schreiben. Dies sollte aber hoffentlich nicht notwendig werden.

Einführung

Die Einführung ins Projekt ist gewissermaßen ein Teilbereich der Methodik. Ich greife ihn aber deshalb besonders heraus, da mir hier Fehler unterlaufen sind, auf die ich aufmerksam machen möchte.

Ich habe den Einstieg getrennt: Die erste Stunde bestand aus Vorlesen und Gespräch über die ersten Seiten des Buches sowie der Auseinandersetzung in Form eines Mal-/Zeichenauftrags. Im zweiten Schritt wurde dann das Lesetagebuch eröffnet und mit der digitalen Bearbeitsmöglichkeit verknüpft. Dies ist in meinen Augen ein gelungenes Vorgehen gewesen, um das Buch und die Lektüre ausreichend zu Würdigen und in den Fokus zu rücken.

Danach bin ich allerdings mit der ganzen Klasse in den Computerraum gegangen und habe dort die Schüler den Selbstregistrierungsprozess im Blogsystem durchlaufen lassen. Und obwohl dabei nur sehr wenige Felder auszufüllen sind, war dies mit einer großen Gruppe keine gute Idee. Zu viele Fragen, Schwierigkeiten und Irritationen sind aufgetaucht. Über diesen Fehler ärgere ich mich umso mehr, als ich bisher immer beim Einsatz von Moodle im Referendariat so vorgegangen bin, die Accounts im Vorfeld anzulegen und den Schülern Kärtchen mit den LogIn-Daten auszuhändigen. Letzteres kann ich nun uneingeschränkt empfehlen – ich habe die 5er da etwas überschätzt.

Andererseits habe ich in einem vorherigen Beitrag die Erfahrung geschildert, dass man mit zu vielen, kleinschrittigen Erklärungen, viel Entdeckergeist zerstören kann. Somit habe ich auf ausführliche Erklärungen verzichtet und statt dessen ausreichend Zeit zum Erkunden der Plattform gegeben. Diese Strategie hat sich erneut bewährt. Ich staune jetzt noch, mit welcher Schnelligkeit und Entdeckergabe viele Schüler ausprobieren und herausfinden. Auch der Mut, mich zu fragen (teilweise mit erstaunlich konkreten Wünsche ans System, die ich durch PlugIns teilweise noch nachgereicht habe) war in meinen Augen durch diese Offenheit ungebremst. Am ersten Nachmittag waren unmittelbar nach Schulschluss diverse LogIns zu verzeichnen und auch interne Nachrichten an mich mit Fragen und Hilfegesuchen, was das Sytem bestrifft. Erst zum Wochenende, nach der zweiten Stunde, in der die Schüler erneut in der Schule Gelegenheit hatten, an die Rechner zu gehen, hab ich auf der Startseite ein kurzes Anleitungsvideo eingestellt:

Technisches Setting

Das technische Setting war in der Realisierung wenig problematisch. Länger hat das Finden des richtigen Modells gedauert. An meiner Schule wird gerade Fronter eingeführt. Ich habe bereits meine ersten Erfahrungen mit Fronter gebloggt und auch nach einem zweiten und dritten Blick entschieden, das diese Plattform für das oben beschriebene Konzept in Verbindung mit meiner Lerngruppe nicht geeignet ist. Vor allem das Fehlen der kollaborativen und kommunikativen Elemente hat Fronter schnell aus dem Rennen geworfen.

Den zweiten Ansatz habe ich mit Mahara unternommen. Dieses ePortfolio-System hat deshalb mein Interesse geweckt, da es sich sehr harmonisch mit Moodle verknüpfen lässt, welches ich ja noch aus dem Referendariat und auch an meiner neuen Schule in einzelnen Lerngruppen im Einsatz habe. Mahara ist sehr vielversprechend und von meiner Seite auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Leider ist mir ein Komplettzusammenbruch gut eine Woche vor Projektbeginn geschehen, deren Fehler ich bis heute nicht genau gefunden habe. Es scheint jedoch an der Koppelung von Backend und Datenbankanbindung zu liegen, so dass die aufgebaute Seite plötzlich nicht mehr erreichbar war.

Auch resultierend aus diesem “Vertrauensverlust” kurz vor Projektbeginn, habe ich mich entschieden auf ein mir bekanntes System zurückzugreifen: WordPress MU. Ich hatte hier im Blog bereits über meine ersten Erfahrungen damit berichtet. Die WordPress MU-Instanz war auch reibungslos und in wenigen Minuten installiert. Erweitert habe ich diese dann durch BuddyPress. Und dies ist der eigentliche Clou.

BuddyPress nimmt einem sehr viel Aministratorisches ab und ist als PlugIn mit wenigen Klicks innerhalb der WordPress MU-Umgebung installiert und lauffähig. Beide Systeme sind sind komplett auf Deutsch verfügbar, so dass auch jede Übersetzungarbeit wegfällt. BuddyPress überzieht das Blogsystem quasi mit einer Social Community-Ebene. Es wird möglich, automatisch alle Nutzer aufzulisten, alle Blogs anzuzeigen, über einen  Twitter-ähnlichen Aktivitäten Stream oder die Seitenleiste wird unmittelbar auf neue Blogbeiträge oder Ereignisse hingewisen, es könne  Gruppen gebildet und “Freundschaften” geknüpft werden und vieles mehr. Zusätzlich bekommt jeder Teilnehmer intuitiven Zugang zur Gestaltung seines Profils und zum Backend seines Blogs, um Beiträge zu schreiben (in unserem Fall eben das Lesetagebuch).

Erweitert habe ich diese Grundversion von BuddyPress um einen Chat, usereigene Fotoalbem und Dateiablagen in den Gruppen. Dies ist alles über die PlugIn-Option von WordPress auf Klick-Basis ohne jede Code-Kenntnis machbar. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Man bekommt im Grunde eine voll funktionsfähige und im Umfang ebenbürdige Social Community mit Einzelblogs für jeden Teilnehmer (die Teilnehmer könne  auch mehrere Blogs führen – z.B. neben dem Lesetagebuchblog auch einen privaten).

Die gesamte Seite habe ich dann kennwortgeschützt. Und hier höre ich bereits den Aufschrei vieler Leser. Doch zum Einen, um einen gemeinsamen Start zu gewährleisten aber besonders, um den Schüler zu Beginn ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewähren, habe ich mich zu diesem Schritt entschieden. Ich denke, dass dies auch zu Beginn eine erhöhte Akzeptanz schafft, wenn das Fehlermachen und Ausprobieren nicht sofort öffentlich geschieht. Und zugleich kann natürlich über den erkennbaren Kennwortschutz deutlich gemacht werden, dass es möglich sein  wird, die Plattform zunehmend zu öffnen. Ich halte dies für einen “gesunden” Mittelweg.

Und mit Blick auf BuddyPress ergibt sich weiterer Nebeneffekt: Nämlich der, dass es aufgrund der hohen Ähnlichkeit zu den etablierten Communities à la SchuelerVZ, Facebook & Co möglich wird, nicht nur das Bloggen in den Blick zu nehmen, sondern sich an konkreten Situationen und Fällen mit den Schülern auch über das Verhalten in und mit solchen Web 2.0-Diensten zu unterhalten. Auch dabei bleibt dann der medienpädagogische Ansatz dicht an der Wirklichkeit und wirkt nicht aufgesetzt.

Beobachtungen und Fazit

Zu beobachten gab es bereits an den ersten Projekttagen einiges. So bildet die Communityfunktion von BuddyPress einen idealen Einstieg, über die die Schüler sehr schnell entdecken und ausprobieren und auch durch die Freundschaften und Gruppen die Plattform erobern. Hier ist kaum Hilfestellung notwendig, da sobald jemand etwas Neues entdeckt, sofort Andere nachhaken, wie man dies bekommt oder einstellt. So haben z.B. bereits am ersten Tag Schüler ohne eine Erwähnung meinerseits herausgefunden, wie man das Theme des eigenen Blogs und damit dessen Aussehen verändert. Im kleinen Lauffeuer hat sich dies nun bereits auf diverse andere Blogs ausgewirkt.

Und natürlich sind nicht nur Schüler Teil dieser Community sondern auch ich als Lehrer tauche dort als Mitglied auf. Ich habe vor allem im Vorfeld überlegt, wie damit umzugehen ist und habe mich entschieden, eine eher inaktive Rolle einzunehmen. So gehen Freundschaftsanfragen und Gruppeneinladungen nicht von mir aus, sondern den ersten Schritt überlasse ich dabei dem einzelnen Schüler. Einzig die Öffnung der Lesetagebuchblogs war eine Bedingung und hier versuche ich mit Kommentaren und deren Formulierung auch als Beispiel, an dem man sich orientieren kann, aufzutreten.

Inhaltlich ist etwas von mir im Vorfeld so gar nicht unbedingt Geplantes eingetreten: die Lösung vom Umfang mit der Konzentration auf den Inhalt. Viele Schüler hängen sehr an Vorgaben für den Umfang ihrer Arbeiten und Texte. Sagt man als Lehrer, man will eine DIN-A4-Seite bekommt man auch genau diese – nicht kürzer und nicht länger. Der Inhalt wird dann eben angepasst. beim Bloggen fehlt diese Richtgröße, da man einfach hintereinander wegschreibt. Und plötzlich wird der Inhalt wichtig. Auch im Gespräch mit dem Lehrer, der ja auch keine Lösung für das Seitenproblem bieten kann, führt die Diskussion viel schneller dahin, dass geklärt wird, ob man alles wichtige geschrieben hat, oder wie man die einzelnen Absätze gesetzt und auch gewichtet hat. Wieso denn dieses nun am Anfang des Posts steht und nicht am Ende. Der Inhalt überdeckt den Umfang, bzw. lässt diesen in den Hintergrund treten. Schwieriger ist dies für Schüler, die eh ungern schreiben und dann auch sehr minimalistische Beiträge verfassen. Aber dies ist kein medienspezifisches Phänomen sondern würde auch bei der analogen Bearbeitung auftauchen.

Aus meiner Sicht ist damit – über einige Umwege und auch Zufälle, wie z.B. im technischen Setting beschrieben – ein gelungener Start vollzogen worden. Und ich bin sehr gespannt, wie sich dieses Projekt weiter entwickeln wird. Denn aus meiner bisherigen Erfahrung weiß ich, das ab dem 2./3. Blogbeitrag eine gewisse Ernüchterung einsetzen wird und er Reiz des neuen verfliegt. Dort motivierend einzugreifen, über die Plattform selber Akzente und Impulse zu bieten, wird eine Herausforderung, der ich einen weiteren Beitrag hier widmen werde.

Projekt Nummer 2

Aber wer den Anfang dieses langen Beitrags noch vor Augen hat, wird sich erinnern, dass ich von zwei Projekten Sprach – also nicht nur dem Lesetagebuch. Und tatsächlich habe ich wenige Tage vor Lesetagebuchprojektstart unserem Klassenchronikdienst das Versprechen eingelöst, dass sie unsere Chronik, in der wir wichtige Ereignisse für uns festhalten, online führen können. Die beiden Schülerinnen hatten dieses Angebot bereits bejaht und ich habe ihnen dies zu diesem Zeitpunkt auf WordPress- (nicht MU)Basis eingerichtet, auch um zu beobachten, wie sich die beiden mit dem Blogsystem schlagen. Welche fragen werden die Beiden stellen, was verwirrt sie, wo haben sie Schwierigkeiten? Dies zu beobachten war sehr hilfreich, um die Klassenblog-Instanz entsprechend zu gestalten, um gezielt Hilfen zu geben und Dinge anzusprechen. Ebenso konnten diese beiden Schülerinnen mich dann (für sie unbewusst) unterstützen, da ihnen ja bereits einiges bekannt war und sie so ihren Mitschülern Hilfe leisten konnten.

Bei diesem Projekt trat aber ein weiterer Spannender Moment auf. Denn unser Klassenchronikdienst hat sich vorgenommen, sowohl unser dickes Chronikbuch als auch den Blog zu führen. “Soetwas auf Papier zu haben und als Buch ist ja schon nochmal was Besonderes – als es nur im Computer zu machen”, so die Schülerin in ihrer Vorstellung der Online-Chronik vor der Klasse. Die Haltung und Einstellung bzw. Sichtweise des Buches, des Papiers und der Handschrift, die darin mitschwingt hat mir nicht nur gefallen sondern auch imponiert. Letztlich hat sie mich in meiner eingangs beschriebenen Haltung bekräftigt, dass die digitalen Medien im Unterricht nicht als Substitut sondern als Ergänzung und bereicherung eingesetzt werden sollten, aus denen sich schlicht neue Möglichkeiten und Ansätze ergeben können. So haben sich die Schüler in der Chronik schon sehr über die Kommentare ihres Englischlehrers und von mir gefreut. Das ist im Chronikbuch so nicht möglich.

© René Scheppler, 2010

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