Der langsame Aufbruch ins digitale Klassenzimmer

Kommentieren 03. March 2010

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erscheint heute aus Anlass der CeBit in Hannover ein Artikel unter der Überschrift “Der langsame Aufbruch ins digitale Klassenzimmer“. Dieser ist leider nicht vollständig frei zugänglich sondern gegen Bezahlung oder in der Printversion (02. März 2010, S. 12).

Update: Der Artikel ist frei zugänglich.

Der Inhalt geht von einer – wie meist – bemängelten Ungleichgewichtung des Computereinsatzes in den deutschen Wirtschaftsunternehmen verglichen mit der Situation in den Klassenräumen aus. Für mich interessant wird der Artikel allerdings vor allem dadurch, das ich selber zu seinem Entstehen beigetragen habe und von der Autorin Lisa Becker im Unterricht besucht wurde. Im folgenden die mich betreffenden Passagen, deren Zitation hoffentlich gestattet ist:

So klafft in Deutschland mehr als in anderen Ländern eine große Lücke zwischen schulischer und häuslicher Nutzung der digitalen Rechenmaschinen. Zu der kleinen Gruppe der meistens jüngeren Lehrkräfte, die den Einsatz von Computern an ihren Schulen vorantreiben, gehört Rene Scheppler. An der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden unterrichtet er Deutsch und Gesellschaftslehre. Von einem Computer je Schüler kann auch der 29 Jahre alte Lehrer nur träumen. Auch gegen elektronische Wandtafeln (Whiteboards), an die die Rechner der Schüler angeschlossen werden, hätte er nichts einzuwenden. Dennoch kommt er nach eigener Auskunft mit der für eine öffentliche Schule üblichen Anzahl von Geräten zurecht, obwohl sie nicht gerade auf dem neuesten Stand der Technik sind.

Es ist Nachmittag, 14 Uhr – nicht auf der Cebit, sondern in der Helene-Lange-Schule. Die nächsten beiden Stunden wird Scheppler treppauf, treppab laufen. Zuerst wird er auf vier Etagen Computerräume aufsperren. In diesen werden sich dann jeweils zwei Kinder der fünften Jahrgangsstufe an einen Computer setzen. Sie sollen Basiskompetenzen im Umgang mit dem Rechner erlernen: Texte schreiben, Tabellen erstellen, Internetseiten gestalten, im Internet recherchieren. Doch nicht Scheppler wird sie unterrichten, sondern Schüler der neunten Klassen. Scheppler wird nur helfen, wo es nötig ist.

und als Schlussabsatz des Artikels, was mir gut gefällt und dem Artikel die richtige Note und Richtung gibt:

Sollte das “digitale Klassenzimmer” bald Wirklichkeit werden, dürfte das alle freuen: Industrie, Politiker, Lehrende, Lernende. Vor einer Vorstellung warnt der Wiesbadener Lehrer Rene Scheppler jedoch: dass der Computer den Lehrer ersetzen könne. Allerdings ändere sich dessen Rolle grundlegend. “Die Lehrkraft steht nicht mehr vorne und predigt, sondern steht dem Schüler zur Seite, wenn er Hilfe braucht”, sagt er. Die Vorbereitung des Unterrichts beanspruche zwar – zumindest in der Anfangszeit – mehr Zeit. Doch verlaufe die Unterrichtsstunde selbst dann viel entspannter. “Von den Schülern bekommt der Lehrer viel mehr mit.”

Zwar steigt der Artikel über die übliche Schiene der Bemängelung der de facto-Situation ein, bleibt dann aber nicht bei der üblichen Schelte stecken. Ich freue mich, dass mein Beitrag es in den Artikel geschafft hat, um aufzeigen zu können, dass es eben nicht darum geht, mit Argumenten und Rufen nach besserer Ausstattung stehen zu bleiben. Ausgehend von den Bedingungen, Beachtung der zunehmenden Potentiale durch private Geräte und kostenfreie Tools ist es bereits möglich, Medienbildung und -pädagogik durchaus verantwortungsbewusst zu realisieren.

Von daher ist der Aufbruch zwar langsam, aber er ist – und davon bin ich überzeugt – zu einem gewissen Grad auch stetig. Mich hat gefreut, dass wir mit unserer Arbeit an den Schulen zunehmend gesehen und gehört werden, was letztlich Mut macht, den weg weiter zu gehen. Und damit halte ich es wie bei ähnlichen Beiträgen: ich kommentiere mich nicht selber.

© René Scheppler, 2010

Share