Schreibkonferenz 2.0 – die Dritte

Kommentieren 02. March 2010

Der Titel deutet wohl bereits an, dass mich das Thema nicht los lässt. Was wohl auch nicht unwesentlich mit meiner Profession als Deutschlehrer zu tun hat. Aber wieso nun der erneute Ansatz, die erneute Toolsuche?

Ich hatte in den beiden vorherigen Beiträgen bereits Werkzeuge vorgestellt, wobei mein Favorit in Moodle ohne weitere LogIn-Schülerdaten funktioniert. Da wir an meiner Schule aber zunehmend Fronter vorantreiben (das ist ein anderes, weites Feld), brauche ich also eine neue Lösung, die mir folgendes erlaubt:

  1. Ein Schüler erstellt einen Text
  2. Alle oder ausgewählte Mitschüler können den Text lesen (entweder begleitend im Entstehungsprozess oder erst nach Fertigstellung.
  3. Alle oder ausgewählte Mitschüler können Korrekturen einfügen (je nach Autorenfreigabe direkt in den Text oder als Kommentar möglichst an der betreffenden Stelle und nicht als Standardkommentar unten drunter).
  4. Der Autor hat die Möglichkeit, seinen Text anhand der Kommentare zu überarbeiten.

Ich habe vor einigen Tagen CrocoDoc entdeckt. Dieses frei zugängliche Tool ist zwar kostenfrei in der voll funktionsfähigen Grundversion, aber leider auf nur auf Englisch verfügbar. Letzteres ist natürlich im Deutschunterricht nicht ganz so “elegant”. Hingegen sind die Bedienelemente derart intuitiv und einfach gehalten, dass ich es dennoch als Alternative vorstellen möchte.

Das Vorgehen ist im Grunde recht einfach:

  1. Der Schüler lädt ein Word- oder PDF-Dokument (wir arbeiten mit OpenOffice und exportieren nach PDF) über die CrocoDoc-Startseite hoch.
  2. Mit seiner Gruppe und/oder Korrektoren (gegebenenfalls der ganzen Klasse) teilt er die so erzeugte Adresse, die Crocodoc dankenswerterweise recht kurz hält.
  3. Optional: Die Klasse hat ein Etherpad-Dokument oder Wiki als Ausgangspunkt, wo unter den Schülernamen die CrocoDoc-URLs gesammelt werden (evtl. auch mehrere mit verschiedenen Überarbeitungszuständen).
  4. Die Mitschüler rufen das CrocoDoc auf und können dort ohne Eingriffe ins Original (was wesentlich für die Schreibkonferenz ist) Markierungen und Kommentare/Tipps unmittelbar an der betreffenden Textstelle einfügen.
  5. Damit kann der Autor seinen Text erneut überarbeiten und verbessern. Weitere Schleifen sind denkbar.

Einen Einblick in die Funktion kann man an meinem Beispiel-Dokument bekommen und ausprobieren.

Zu beachten ist unbedingt, dass CrocoDoc in der Grundversion absolut offen und frei zugänglich ist. Evtl. wäre es ratsam, einen Klassenaccount (kostenpflichtig) anzulegen, über den es dann möglich wird, die Dokumente mit Passworten zu schützen.

Ich halte CrocoDoc keineswegs für eine Mediabird-Alternative, da letzteres gerade für den dauerhaften Einsatz und mit seiner Integration in die Lernplattform diverse Funktionen mehr bereithält. Für den eher spontanen Einsatz (z.B. in Projektwerkstätten) ist Ersteres eine bemerkenswerte Lösung, die mit geringem Administrationsaufwand und einfacher Handhabung daherkommt.

Wer ähnliches für Überarbeitungen und/oder Kommentierungen von Webseiten sucht (z.B. im Rahmen von Rechercheaufträgen) sollte auch einen Blick auf das Tool aus der selben Entwicklergruppe namens WebNotes mit ganz ähnlichem Aufbau und Funktionen (im Sinne der möglichst geringen Verwirrung durch zu viele Tools) werfen.

© René Scheppler, 2010

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