Planetarium fürs Klassenzimmer

Kommentieren 17. February 2010

Gestern war Wandertag und für unsere 5er ging es ins Planetarium in Mannheim. Gleich zu Beginn lernten wir auch den unterschied zwischen einem Planetarium und einer Sternwarte kennen – um es kurz zu machen: Ein Planetarium ist im Grunde ein riesiges Kino. Klar ist das beeindruckend, wenn an einem der Sternenhimmel vorbeizieht, man erklärt bekommt, wie und wo welche Sternbilder liegen. Aber so richtig überzeugt hat es mich nicht, was wohl auch an meiner direkt auftauchenden Frage lag: Wie kriege ich das ins Klassenzimmer?

Was mir besonders gefallen hat und was meine erste Recherche (nämlich nach Google Earth mit Sky-Funktion, welches wohl eher für Recherchen geeignet ist) schnell ernüchtern ließ, sind folgende Kriterien:

  • Die Einblendung eines Bildhorizonts, so dass man den Eindruck hat, auf einer Wiese oder in einer Stadt zu stehen.
  • Die Auswahl des Standortes, so dass ich den Sternenhimmel von Wiesbaden aber auch mal vom Nordpol aus betrachten kann.
  • Animierte Abläufe im Zeitraffer oder Zeitlupe mit eigener Tempowahl des Sternenhimmels (am besten mit Tag- und Nachtsimulation – denn die Sterne verschwinden am Tag ja nicht).
  • Erklärungsfunktion für Sternbilder (einzelne Sterne, verbinden zum Sternbild und Einblendung der Sternbildfigurern)
  • Eigene Steuerung/Navigation ähnlich einer Google Map

Und ich habe tatsächlich etwas (wieder-)gefunden (was ich in der Version 0.2 bereits auf dem Rechner, aber vergessen hatte), was ich als großartig bezeichnen möchte. Aus dem einfachen Grund, dass ich seit Wiederentdeckung wie damals kaum vom Herumspielen damit loskomme.

Eine kostenlose Software für Linux, Mac und Windows ist Stellarium. Und diese Software erfüllt tatsächlich alle oben genannten Kriterien und darüber hinaus noch einige Extras:

  • Einblendung der Gradnetze mit ihren Verschiebungen gegeneinander.
  • Auswahl verschiedener Horizontbilder mit der Möglichkeit, eigene zu erstellen.
  • Erläuterungen und Sternsagen aus verschiedenen Kulturkreisen.
  • Standortwahl nicht nur auf der Erde frei wählbar, sondern auch Sternhimmelbeobachtung von anderen Planeten und Monden aus.
  • diverse weitere Einstellungs- und Anpassungsoptionen

Ich glaube, ich muss da gar nicht mehr zu erklären. Diese Fullscreenanimation mit schöner Hintergrundmusik in einem abgedunkelten, bequem eingerichteten Klassenraum an eine große Wand- oder besser Projektionsfläche geworfen (SmartBoard halte ich für Präsentationszwecke für etwas zu klein) dürfte wohl bei sehr vielen Schülern für Eindruck sorgen. Natürlich kommt es auf eine gute “Route” mit Erklärungen des Lehrers an, die man sich im Vorfeld ordentlch über- und zurechtlegen sollte (ähnlich macht es der Vorführer im Planetarium ja auch).

Und hier kann man selber das Tempo wählen, kann auf Schülerfragen unmittelbar eingehen, kann selber Sternenbilder und anderes zu- und wegschalten und die Präsentation so ganz an die Lerngruppe anpassen. Ich möchte diesen Beitrag nicht als absolute Alternative zu jedem Planetariumsbesuch verstanden wissen, welcher mit seinem Ausflugscharakter aus dem Klassenzimmer heraus noch ganz andere Effekte mit sich bringt. Wer aber auf einer schönen Sternenhimmelbeobachtung und -präsentation mit anschließender Recherche an den Schülerrechnern sucht, wird an Stellarium wohl kaum vorbeikommen.

© René Scheppler, 2010

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