Online-Whiteboard-Magnete

Kommentieren 07. February 2010

Mit meinen 5. Klässlern wiederhole ich gerade einige Grammatikbausteine: Wortarten, Kasus, Pluralformen, Satzglieder usw. Also einiges, was sicher schon in der Grundschule Thema war, aber in kleinen, eingebetteten Phasen durchaus aufgefrischt werden sollte. Wo es sich nicht an Geschichten oder die Lektüre anbinden lässt, versuche ich es durch spielerische Situationen aufzulockern. Was das bedeutet, wird jedem Deutschlehrer rasch klar werden: Bastelarbeit.

Da sitze ich also am Rechner, erstelle Schnipsel mit Worten, Sätzen, Satzzeichen usw. Die gehen dann als Arbeitsblatt zum Ausschneiden an die Schüler und/oder auf festes Papier, welches wiederum auf Magnete geklebt oder “grabbelfest” laminiert wird. Eine Arbeit, die ziemliche Ressourcen verschlingt – sowohl materiell als auch zeitlich. Und vor allem letzte Ressource habe ich nun mal in die Recherche nach einer digitalen Alternative gesteckt.

Gefunden habe ich: Word Magnets 2.0

Update dank Matthias Heil: neue Webseite.

Dieses kleine, online laufende Tool macht eigentlich nicht viel:

  1. Es nimmt einen in das Eingabefeld kopierten oder getippten Text und zerlegt ihn so, dass jedes Wort ein eigenes Textfeld wird.
  2. Es bietet im zweiten Schritt eine reiche Auswahl an Hintergründen.
  3. Die Textfelder verhalten sich wie Magnete, die eingefärbt, vergrößert/verkleinert und per Drag&Drop bewegt werden können.
  4. Es können einzelne Wort- und Satzmagnete später ergänzt werden.

Das Video ist ein Screencast der mir zu teuren Bezahlversion, die im Aufbau sehr ähnlch ist aber noch die zusätzlichen Features bietet, eigene Hintergründe in Form von Bilddateien zu verwenden und erstellte Magnet-Sets abzuspeichern. Dies funktioniert beides in der kostenlosen Online-Version nicht.

Dennoch ist letztere gut nutzbar: Ich erstelle meine Magnetbausteine vorab und speichere sie in einem Textdokument. Diese  kann ich per Copy-Paste im Unterricht schnell übernehmen und die Magnetwand erstellen. Schüler können sich selber Sätze ausdenken und diese rasch eintippen. Wenn ich im Unterricht Computer für die Schüler habe, setze ich ein Google Docs-Formular auf (oder ein Moodle-Wiki), in das ich Schüler Sätze oder Magnetbausteine eingeben lasse, die sich dann online auf dem Lehrerrechner sammeln lassen und ebenfalls schnell kopiert werden können. So lassen sich auch schön Übungen von Schülern für Schüler erstellen. Diese Variante kann auch gut in die Hausaufgabe gegeben werden, so dass ich vor Unterrichtsbeginn bereits nach Schwierigkeit der eingereichten Sätze oder Beisteine sortieren kann.

Im Idealfall läuft dies natürlich auf einem interaktiven Whiteboard. Aber auch eine Beamerlösung an unseren Klassen-eMacs hängend macht den Kids Spaß, wenn sie nach vorne kommen und am Rechner die Magnete verschieben, nach Wortarten einfärben oder weitere Magnete erstellen. Das ist zwar sehr zentral, kann aber auch gut in Gruppenarbeit übertragen werden, wobei dann die Gruppen jeweils einen “Läufer” nah vorne entsenden und die Gruppe evtl. als Joker fungieren kann. Nach einigem Üben kann man da schöne Gruppen-Wettkampfszenarien kreieren, was nochmal mehr Dynamik in die Sache bringt.

Technisch nutze ich auf dem Mac dazu den Browser iCab (Shareware, kostenlos nutzbar), der einen Kiosk-Modus bietet. In diesem wird im Vollbild gearbeitet und es kann nicht durch versehentliches Klicken aus dem Tool gesprungen werden.

Ob es nun Wortarten sind, in Einzelteile zerlegte Gedichte oder Kommas, die an die richtige Stelle sortiert werden… im Deutschunterricht fallen mir diverse Szenarien ein. Aber auch für andere Fächer ist es sicher sinnvoll: Zahlen in Mathematik (hier gibt es schöne Hintergrundbilder für z.B. Schnittmengenlehre), Pro-Contra-Debatten, sortieren von Tierarten in Bio, chemische Elemente in Chemie, Wort- und Satzkonstruktionen im Englischunterricht usw. Aber auch in Klassenlehrerstunden lassen sich so gut live Argumente sammeln, die später leicht geclustert und eingefärbt werden können. Letztlich ist der Einsatz überall dort denkbar, wo man ansonsten Papierschnipsel an die Tafel gepinnt hat.

Ich halte das Tool für einfach aber dadurch wieder attraktiv. Ich bin mir sicher, dass meine Schnippel- und Klebearbeit deutlich zurück gehen wird. Zum Schluss möchte ich nocheinmal auf einen ähnlichen Beitrag hinweisen, in dem ich Dragster 3 vorgestellt habe.

© René Scheppler, 2010

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