Microsoft goes Moodle

Kommentieren 31. January 2010

Die Initiative D21 und speziell unser Projekt “Die besten Lehrkräfte für Deutschlands Schulen der Zukunft” freuen sich über die weitere Unterstützung durch einen neuen Partner: Microsoft mit seiner Plattform Live@Edu.

Mit Live@Edu stellt Microsoft eine auf den Bildungssektor abgestimmte Plattform für Dateiverwaltungs- und Kommunikationslösungen zur Verfügung. Es entsteht im Rahmen dieser Plattform die Möglichkeit für den Lerner, sich eine eigene PLE (personal learning environment) aufzubauen. Und nachdem ich mir diesen Service auch aufgrund unserer Partnerschaft etwas genauer angesehen habe, freut es mich besonders, meinen favorisierten Ansatz hier realisiert zu sehen, dass eine PLE an ein LMS (learning management system) andockt – in diesem Fall Moodle.

Denn Microsoft stellt über seine Education Labs Webseite ein Moodle-Plugin (genauer einen Block) zur Verfügung, das es nicht nur erlaubt, sich mit seiner Live@Edu-ID in einem Moodle-Lernraum anzumelden. Darüber hinaus werden noch weitere Schnittstellen eröffnet, die Moodle um wichtige, intuitive Funktionen erweitert (Video lädt evtl. etwas länger – Direktlink):

Mit dieser Erweiterung des weltweit etablierten und beliebten LMS Moodle durch die Kollaborationsfunktionen der Live@Edu-Plattform wird ein MashUp möglich, das beide Dienste so harmonisch miteinander verknüpft, dass das Beste aus beiden Welten nahtlos genutzt werden kann:

  • Moodle hat zwar ein internes Nachrichtensystem, bekommt damit aber eine vollwertige E-Mail-Applikation an die Seite gestellt.
  • Moodle hat zwar interne Chat-Möglichkeiten, wird damit aber um einen echten Instant Messaging Service bereichert.
  • Der Moodle-Administrator behält die Kontrolle über den Umfang und die Verfügbarkeit dieser Zusatzdienste innerhalb seines Moodle (wo diese potentielle “Ablenkung” vermieden werden soll, kann diese deaktiviert werden – z.B. in einem Moodle-Raum, in dem Klassenarbeiten online geschrieben werden).

Für mich zeigt sich hier einmal mehr die aktuelle Führungsposition von Moodle als schulische Lernplattform, da diese es als mir einzig bekannte versteht, offen genug zu sein, den Lernern und Lehrenden Räume und Schnittstellen zu anderen Diensten zu ermöglichen, die kein anderes Lernmanagement System derzeit gestattet. Die ansonsten hermetisch abgeriegelten, virtuellen Lernräume erfahren eine Öffnung, die es ermöglicht, digitale Lern- und Lebensräume der Schulgemeinschaftsmitglieder miteinander in Einklang zu bringen. Vergleichbares Potential hat Moodle bereits hinsichtlich der Verfügbarkeit von Schnittstellen zu den beliebten Google-Apps bewiesen.

Nach einem bisher nur kurzem Ausprobieren in einer Moodle-Testumgebung macht die Erweiterung auf mich einen recht stabilen Eindruck. Zu beachten ist natürlich, dass damit eine externe Registrierungsoptions ins eigene Moodle ermöglicht wird und nicht mehr die moodleeigene Verwaltung genutzt wird. Wer weiter in geschützten Räumen arbeiten will, sollte also auf Raum-/Kursebene im Moodlesystem für eine weitere Einwahlsicherheit (z.B. durch kennwortgeschätzte Räume) sorgen. Wer aber gewohnt ist, mit einem selbstregistrierenden Moodle an der Schule zu arbeiten (im Gegensatz zu meinem Moodle, das die Anmeldemöglichkeiten gezielt einschränkt) ist daran wahrscheinlich gedanklich gewöhnt.

Wer also auf der Suche nach weiteren Kommunikations- und Kollaborationschancen für sein Moodle ist, sollte sich diese neue Schnittstelle einmal genauer ansehen. Nicht zu verachten sind dabei natürlich die Speicherplatzangebote seitens Microsoft und die einheitlichen E-Mails für eine Bildungseinrichtung.

© René Scheppler, 2010

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  1. 31. January 2010 um 09:00 | #1

    Fantastisch – Microsoft “ergänzt” Moodle ohne der “Moodle experience in the way” zu kommen – der “Mehrwert” ist im Vergleich zur GoogleApps-Anbindung mit verbessertem (eben nicht neuem) Chat- und Mail-Komfort m.E. jedoch recht dürftig, auf die kommerzialisierende Bing-Suche lässt sich im schulischen Bereich m.E. auch gut verzichten. Kosar Jassaf betont zwar wiederholt, dass man Moodle nicht infiltrieren wolle, de facto geschieht aber doch etwas, was dem nicht unähnlich ist: Lernende sollen ins Live-Dickicht eingefädelt, zumindest zur Silverlight-Installation genötigt werden (ohne die “Live@edu” recht leer erscheint). Auch im Vergleich zwischen den Live-Services und den GoogleApps gibt es m.E. Vorteile für Google, v.a. hinsichtlich Kollaboration und Dokumentenformat. – Schade, dass Dein Bericht nicht kritischer ausfällt/ausfallen darf!-)

  2. 31. January 2010 um 10:40 | #2

    Ich sehe das Ganze auch etwas differenzierter. Im Prinzip wird Moodle um ein weiteres Authentifizierungsplugin ergänzt. Richtig nützlich wird dies aber erst, wenn das Schülerverwaltungssystem auch an die Live-ID-Infrastruktur angebunden ist. Möchte man das?
    Gegenüber der technischen Wartung eines Moodlesystems ist die Nutzerverwaltung nämlich die weitaus langweiligere und mühevollere Arbeit.

  3. 31. January 2010 um 11:37 | #3
    Scheppler

    Für mich resultierte dieser Beitrag aus einer anderen Sichtweise als derjenigen, die Euren Kommentaren zugrunde liegt – natürlich berechtigt. Ich arbeite derzeit immer mehr mit Fronter und parallel mit einer Lerngruppe in Moodle, wodurch sich mein Blick auf Moodle weiter verändert.
    Mein Hauptaugenmerk lag bei diesem Post auch keineswegs auf Live@Edu oder womöglich einem Werbegedanken gegenüber diesem Silverlight-Zwangssystem, @Matthias). Daher habe ich auch bewusst erneut auf die Google-Apps-Alternative hingewiesen. Mir geht es eher darum, den Blick zu schärfen, dass wir mit Moodle derzeit das einzige LMS besitzen, welches es erlaubt, externe bzw. private Webwelten einzubinden. Ich sehe natürlich nicht, dass eine Schule hergeht und einen Live@Edu- oder Google-Zwang aufbaut und alle Schüler à priori einpflegt.
    Ich denke aber, dass es für einzelne Moodle-Räume, einzelne Lerngruppen und einzelne Schüler und Lehrer interessant sein kann, wenn die schulische LMS so offen ist, dass ich mich entscheiden kann, mit meinen eh genutzten Diensten und vorhandenen Web-Lebensräumen verknüpfen kann.
    Und mal ehrlich: Ob es nun Google, Microsoft, AOL, 1&1 (mit web.de) oder wer auch immer aus dem Bereich kommerziell operierender Internetdienstleister ist, dass diese Anbieter stets auch ein gewisses Eigeninteresse an den Tag legen, ist wohl nicht verwunderlich und für mich auch nicht verwerflich. Die Frage ist hier erneut, wie wir damit umgehen. Fronter und die meisten anderen LMS sagen hier klar: aussperren. Moodle – und damit ist es weit näher an meinem Verständnis von verantwortungsbewusster Medienpädagogik (siehe verlinkten Beitrag) – öffnet sich und ermöglicht Nutzung und Einbeziehung von derartigen, weit verbreiteten und alltäglich genutzten Diensten über API, ohne dem Moodle-Administrator und letztlich den Pädagogen sämtliche Rechte aus der Hand zu nehmen. Wie jede einzelne Schule damit umgeht, ob sie nur einzelne Dienste einbindet, mehrere den Schülern zur Auswahl stellt, erst ab bestimmten Alterstufen diese parallele/zusätzliche Öffnung mitgeht, überlässt Moodle immer dem LMS-Betreiber – was die Gangart über optionale PlugIns so sinnvoll macht.
    Wenn die schulische LMS wirklich ein Hafen werden soll, der neben der oft geforderten Hochsicherheit für den Schüler auch die Möglichkeit der Öffnung zum Weltmeer Internet erlauben soll, dann wäre es fragwürdig, “fremden” Schiffen die Einfahrt zu verwähren, solange sie sich an die eigenen/moodleinternen Spielregeln halten und sich vom Administrator als Hafenmeister lotsen lassen.

  4. 31. January 2010 um 11:57 | #4
    Hannes

    Der Mehrwert, den ein integriertes Live@edu bringt, steht für mich als Administrator (ich weiß, die sind eh böse) eines schulischen IT-Umfeldes in keinem Verhältnis zum Aufwand, Silverlight nur deswegen zu installieren. Ich muss bei uns Wert darauf legen, dass alle PC-Images möglichst schlank bleiben (liegt u.a. natürlich auch an der etwas älteren Hardware, die wir nutzen dürfen/müssen) und werde einen Teufel tun, nur dafür Silverlight aufzuspielen und zu warten. Im übrigen schließe ich mich den weiteren Ausführungen von Matthias Heil an.

  5. 31. January 2010 um 12:20 | #5

    Der Ansatz, moodle für Web 2.o Anbindungen zu öffnen, ist der richtige Weg, egal ob das nun Microsoft oder Google ist – da muss man abwägen, was am einfachsten und brauchbartsen in der jeweiligen Situation. Da mit Moodle 2.0 diese Anbindung ja bewusst gewollt wird- der erste Schritt war ja bereits mit der Anbindung der ePortfolio Softeware MAHARA gemacht, sollten wir uns darüber freuen, dass das Arbeiten und der Austausch für Lerngruppen immer einfacher wird. Warum brauchen Schulen eigentlich immer noch komplizierte Verwaltungssysteme für Schülerdatenverzeichnisse, wenn Onlinedienste wie Google Docs o.ä. die Zusammenarbeit viel leichter machen und vor allem auch ausserhalb der Schule verfügbar sind. Die Akzeptanz für den relativ geschlossenen Moodleraum wird bei den Schüler steigen, wenn sie die Möglichkeit haben, auf ihre PLE direkt aus moodle zuzugreifen. Sie tun dies sowieso, das werden wir nicht verhindern, aber für das Lernen sollten wir versuchen, einen Nutzen daraus zu ziehen. Die Diskussion ähnelt der Diskussion über das Handyverbot in Schulen.

  6. 31. January 2010 um 12:56 | #6
    dowel

    Die Silverlightfunktionalitäten laufen nicht unter Linux. Und unter MacOS?

    Bei all diesen Ideen zur Öffnung von Moodle hin zu anderen Webservices: Wer schreibt dann einer Schule noch das Verfahrensverzeichnis für den Landesdatenschutzbeauftragten? Sind alle diese Services HTTPS verschlüsselt? Wer garantiert, dass mit den Daten außerhalb der schulischen Plattform kein Blödsinn gemacht wird … lauter Fragen, die aber mit den Schülern (und wenn diese Minderjährige sind auch mit den Eltern) zuerst abgesprochen werden müssen.

  7. 31. January 2010 um 14:54 | #7

    @dowel: Mit Moonlight gibt es eine Linux-Adaption: http://www.mono-project.com/Moonlight – außerdem soll es für Moblin ein genuines Silverlight geben: http://www.theregister.co.uk/2009/09/24/silverlight_to_linux/

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