Deutsche Schulen bei PC-Nutzung Schlusslicht

Kommentieren 17. January 2010

Die Welt berichtet heute von einer repräsentativen Umfrage der Initiative D21, bei der deutlich wird, dass die Beurteilung des Einsatzes digitaler Medien in deutschen Schulen nach wie vor sehr schlecht sei:

Digitale Medien haben sich an deutschen Schulen nicht flächendeckend durchgesetzt. Einer Studie zufolge schneidet Deutschland bei der Nutzung von Computern und anderen Hilfsmitteln international schlecht ab. Nicht nur Eltern sind unzufrieden: Viele Schüler beklagen mangelndes Fachwissen der Lehrer.

http://www.welt.de

Der Artikel geht sowohl auf die mangelhafte Ausstattung vieler Schulen ein, beschreibt das parallel laufende Phänomen verbreiteter Verbote, eigene Geräte seitens der Schüler mit in die Schule zu bringen, sowie die Behinderung medienpädagogischer Arbeit durch eine zu geringe Autonomie der Schulen hinsichtlich der Reaktionsmöglichkeit auf den medialen Wandel.

Die Struktur des Bildungssystems führe zu geringer Schulautonomie, sagte D21-Präsident Schwaderer. „Dadurch sind die Möglichkeiten für Lehrkräfte, Innovationen aufzunehmen und schnell in den Unterrichtsalltag einzubinden, immer noch zu gering.“ Nur in Zusammenarbeit aller Verantwortlichen könne man es schaffen, dass der PC in allen Schulen als Lerninstrument Eingang findet, um so die heutige Schülergeneration erfolgreich auf das Berufsleben vorzubereiten.

Weitere Details dieser Studie werden sicher bald auch hier im Blog besprochen werden.

© René Scheppler, 2010

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  1. 17. January 2010 um 23:07 | #1

    Leider liegt das nicht nur an der Behinderung durch administrative Einschränkungen sondern auch an der mangelnden Unterstützung innovationsbereiter und engagierter Lehrer durch die Schulleitungen. Schulleitungen sind oft garnicht daran interessiert, sich auf den Weg ins digitale Zeitalter zu machen, das erfordert nämlich Ressourcen finanzieller und personeller Art. Und wenn man garnichts macht, ist das oft am bequemsten, Veränderungen sind da oft nur Störfaktoren im Alltagsgeschäft. Man müsste ja auch das Kollegium entsprechend motivieren bzw in die Pflicht nehmen und das ist zugegebenermassen garnicht so einfach. Wenn man jedoch die Schüler auf seiner Seite hat, kann man mit diesen Hindernissen leichter leben ;-) . Durchhaltevermögen ist angesagt, die Schulen werden sich nicht mehr lange der Realität verschliessen können – hopefully!

  2. 18. January 2010 um 07:58 | #2

    Es gibt aber auch schon Schulen die sind in der Zukunft angekommen und arbeiten auch damit. Ich hatte selber das Vergnügen in meiner Heimstadt Düsseldorf solch ein Gymnasium mit zu gestalten und zu bauen. Stichwort: Kreidetafel ist ausgestorben, Schüler und Lehrer arbeiten und lernen mit Laptops.
    Mehr Infos zum Download dazu hier: http://www.dirkkuepper.de/icreatefcg.pdf und ein kurzer Fernsehbericht hier: http://www.dirkkuepper.de/kreidetafel.mpg

  3. 18. January 2010 um 10:49 | #3
    Donald Townsend

    Was Deutschland eindeutig fehlt ist eine Regierungsinitiative des Bundes, welche die schulische Entwicklung im Bereich neue Medien mit finanziellen und personellen Ressourcen forciert. Solange dieses fehlt und man sich nur hier und da mit Projekten und Initiativen im Licht der Presse sonnt, wird sich nicht wirklich etwas an der Situation ändern.
    NRW ist für mich ein Musterbeispiel, wie man es nicht tun sollte. Man baut Kompetenzteams auf und als Parallelkonstruktion Bildungsbüros. Alte Projekte werden eingestampft und man verkündet stolz, viel Geld zu sparen. Gleichzeitig werden neue Projekte – bevorzugt Leuchtturmprojekte – aufgezogen und wieder hat sich jemand unendlich viel Ruhm und Ehre verdient. Solange Dezernate in Ministerien um Kompetenzen, Zuständigkeiten und Ressourcen rangeln, Kleinkriege und politische Grabenkämpfe ausgefochten werden, persönlichen Eitelkeiten gehuldigt wird und mehr diesen Unsinns, kommt die schulische Entwicklung nur langsam voran, und im Bereich der neuen Medien am wenigsten.

  4. 18. January 2010 um 12:56 | #4

    Ein gruseliger Befund über den Zustand unseres Bildungswesens! Und das minimalst-Programm, das überhaupt stattfindet, findet an Gymnasien statt, und dieses wiederum ausschließlich mit einem gerätetechnischen Werkzeugverständnis anstatt mit einem Medienverständnis vom neuen Leitmedium, das in der Gesellschaft längst etabliert ist.
    Mit Lernen in der Wissensgesellschaft hat die Schule noch gar nichts zu tun. Und wenn die wunderbaren Reformschulen sowie die halbherzigen Schulstrukturreformen sich nicht verbinden mit einem Verständnis von Bildung, in dem – wie in Deinem neuesten Youtube-Schmankerl von Wesch gezeigt – ALLES NEU GEDACHT werden muss, nämlich das gesamte System mit seiner Struktur, seinem Lernverständnis, seinem Curriculum, dann wird die heute nötige Bildung unserer heutigen Schüler krass verfehlt.
    Wir diskutieren hier in einer Parallelwelt des Leitmediums, das in der Schule nicht vorkommt. Weder Bildungspolitik, noch Lehrerbildung, noch die Akteure der Schulpraxis sind in diesem Medium. Sie wissen gar nichts davon. Sie leben in einer anderen (vergangenen) Welt. Das medienpädagogische Manifest ist nur ein machtloser Hilferuf, der auf diese Situation aufmerksam machen möchte. Mein Lehrerbildungsinstitut ist beispielsweise nach wie vor so organisiert, dass Medienpädagogik ein Referat unter vielen darstellt, die sämtlich Schulfächer abbilden bzw. zusammenfassen: Deutsch, Fremdsprachen, Mathe, Nat.wiss, Gesellschaft, Kunst, Musik … und eben auch Medienpädagogik. Dass die benötigte Literacy des 21. Jahrhunderts, die an das neue Leitmedium gekoppelt ist, so noch nicht einmal strukturell abgebildet werden kann, sieht man sofort. Ebenso, wie im Politiksystem ein adäquates Verständnis von der Bedeutung und den Konsequenzen des Leitmediums Web 2.0 gar nicht entstehen kann, weil die Politiker sich gar nicht in diesem Medium aufhalten, steht es mit Bildungspolitikern, Bildungsadministration und Schulleitungen, Lehrern. Sie wissen nicht, dass sie auf dem falschen Spielfeld rennen, weil sie das zeitgemäße Spielfeld noch gar nicht betreten haben, sich aber fleißig gegenseitig bestätigen, dass sie “auf dem richtigen Weg” innerhalb ihres Feldes sind. Erst, wenn sie dort alleine sind, werden sie merken, dass der Ball schon seit langem auf dem anderen Feld rollt, das sie gar nicht kennen; auf einem Feld mit Regeln, die sie gar nicht kennen …

  5. 18. January 2010 um 13:25 | #5

    Hier noch ein schönes Zitat von George Siemens, das viel besser audrückt, was ich meine:
    “When eras change, systems don’t…at least not until they encounter a disruptive force (in education – the financial climate looks like it may serve this role) that causes individuals to question the value of the assumptions underlying the existing systems.” in: http://www.elearnspace.org/blog/2010/01/15/hybrid-education/

  6. 18. January 2010 um 23:38 | #6

    Ich denke, wir (in Bezug auf Deutsche) sind in zwei Hinsichten das Schlusslicht: 1. In der Hinsicht, dass überhaupt wenige PCs in deutschen Schulen vorhanden sind und 2. in der Hinsicht, dass Lehrer nicht wissen, wie sie diese am besten verwenden.

    Hier drüben (USA) – und das gilt auch nur beschränkt, da dieser Schulbezirk hier enorm viel Geld in der Tasche hat ($7,5 Millionen pro Jahr für etwa 30 Schulen) – existieren zwar für 2200 Schüler an meiner High School etwa 15 Räume voll mit PCs, sowie in nicht-vollausgestatteten Räumen ein bis zwei PCs (und jeder Lehrer hat natürlich seinen eigenen Laptop), trotzdem verwenden nur wenige Lehrer diese PCs sehr effektiv. Eine Lehrerin erlaubt – entgegen der Bezirksvorschriften – Handys, sofern man sie z.B. für Recherchen im Internet nutzt. (ist aber nur eine Art Praxis-Beispiel hier – ich glaube sie ist damit auch so ziemlich die einzige an unserer Schule. Also auch eine Seltenheit…)

  7. 19. January 2010 um 11:12 | #7
    metalmucki

    Tja, die Schüler bewegen sich in einer Welt, die die Lehrer oftmals weder kennen noch kennen wollen.
    Ähnlich sieht es im Hinblick auf die Lehrerrolle aus: Solange wir Lehrer Angst vor einem selbstständigen und selbstverantworteten Lernen der Schüler haben, weil wir um unsere Kontrollmöglickeiten und letztenendes unsere Macht über die Schüler fürchten, solange werden wir uns auch nicht auf neue Lernformen und neue Medien einlassen können.
    Wir Lehrer sollten uns mal Gedanken machen, warum wir Lehrer werden wollten.
    Ich denke der Machtfaktor spielt auch da eine große, wenn manchmal auch unbewusste Rolle!
    Wir müssen darüber reflektieren! Dann können wir auch neue Wege gehen!

  8. 01. February 2010 um 12:28 | #8
    rip

    @LisaRosa: “die Akteure der Schulpraxis [...] leben in einer anderen (vergangenen) Welt” – das ist eben eine Frage der Wahrnehmung. Wer so mit der Informationswelt und den dazu nötigen Werkzeugen vertraut ist wie beispielsweise die Besucher dieses Blogs, für den ist deine Sichtweise vertraut. Wem sowohl dieses Blog als auch vermutlich allein schon das Wort “Blog” fremd ist, der ist durchaus noch quicklebendig und auch gar nicht in der Minderheit … Deswegen ist die Behauptung, die Welt der Internetfremdheit sei “vergangen” etwas kühn ;-)

  9. 01. February 2010 um 12:34 | #9

    @vilsrip ok. ich habe es ein bißchen eilig gehabt ;-) Also biete ich Dir das Konzept “Übergangsgesellschaft” an. Übergangsgesellschaft zur Wissensgesellschaft. Die hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und da gibt’s alles mögliche parallel. Bunt, wie in der Renaissance.

  10. 01. February 2010 um 13:12 | #10
    rip

    @LisaRosa: “Übergangsgesellschaft … bunt, wie in der Renaissance” – das gefällt mir :-)

  11. 20. February 2010 um 12:53 | #11

    Hallo,

    beim Lesen dachte ich an folgendes: Was würde eigentlich passieren wenn

    - jeder Klassenraum einen PC/Beamer/elektronische Tafel/Internetanschluß hätte oder
    - jeder Schüler mit Notebook ausgestatett wäre und die Schule mit W-Lan versorgt wäre?

    Ich bin noch nicht davon überzeugt, dass dann die Unterrichtsqualität automatisch besser wäre. Was müsste passieren, damit bei den o.g. Szenarien tatsächlich sich auch der Unterricht verändert?

  12. 28. February 2010 um 13:00 | #12
    Sigi

    @Lisa Rosa
    in dieser von dir jetzt diplomatisch “Übergangsgesellschaft” genannten Phase richten sich die meisten aber wunderbar ein und verspüren keinerlei Drang zum Aufbruch zu neuen Ufern :-( – es lebt sich ja auch so ganz gut…..

  13. 28. February 2010 um 13:06 | #13
    Sigi

    @Ralf Hilgenstock cht
    Hallo RAlf,
    ea würde sih erstmal garnichts ändern, weil sich die Konzeption von Lernen selbst ja nicht ändert. Das war ja auch der Grund, warum in den USA die Laptop Klassen wieder abgeschafft wurden, weill es angeblich nichts gebracht hatte. Das war dann wieder Wasser auf die Mühlen der Bremser hierzulande. Lisa Rosa hat schon recht, solange sich die Verantwortlichen nicht in diesem Leitmedium ganz selbstverständlcih bewegen und Social Networking ein unbekanntes Phänomen an Schulen bleibt, wird sich an der Art , wie Lernen angeboten wird, Ausstattung hin oder her- nicht viel ändern.

  14. 28. February 2010 um 13:07 | #14
    Sigi

    oops… zu schnell gepostet… jetzt sind da viele Rechtschreibfehler drin: schlechtes Beispiel … sorry!

  1. |
    19. January 2010 um 17:44 | #1

    [...] und -nutzung in Schulen ist. Die Studie wird exklusiv an „Die Welt“, Rene Scheppler nutzt den Projektblog um das Thema in die Lehrer-Blogosphäre bringen. Und da fährt die Kampagne vor die [...]

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