Kollaborative Kartenarbeit

Kommentieren 09. January 2010


Karten sind wohl eines der Medien, die am meisten im Wandel sind im Zuge der zunehmenden Digitalisierung. Zugleich geschieht es dort aber auch am geräuschlosesten, ja quasi unbemerkt. Wie gerne und teilweise begeistert nutzen wir Kartentools à la Google Earth, wie selbstverständlich nutzen wir Navigationssysteme und Routenplaner. Auch in der Schule macht dieser Trend nicht halt. Denn wenn immer ich Wikis, Blogs und ähnliches für die Nutzung im Unterricht vorstelle, erhalte ich skeptische Blicke bis hin zu ablehnenden Argumenten. Stellt man aber Google Earth vor mit seinen intuitiven Möglichkeiten, sieht das erstaunlich anders (nämlich positiver) aus. Bei Karten ist der digitale Mehrwert offenbar offenkundiger und akzeptierter.

Doch wie kommt eine kollaborative Karte (mit Ergebnissicherung) nun in die Klasse?

Ich muss gestehen, dass ich viel zu blauäugig an dieses Problem herangegangen bin. in der Annahme, dass es diverse Tools geben wird, ich also nur das Beste für meinen Unterricht herauspicken muss. Und tatsächlich gibt es diverse Online-Karten-Tools, die auch die Möglichkeit bieten, diese mit Pinnnadeln, Routenlinien oder anderen Dingen zu versehen und zu individualisieren. Neben den Platzhirschen Google Maps und Bing Maps geistert derzeit StepMap durch diverse Bildungsblogs. Auch ich war begeistert und wähnte mich am Ziel. Doch allen diesen tools ist eines gemeinsam: Man braucht einen Account und muss sich mit diesem einloggen, um Änderungen an einer gemeinsamen Karte zu speichern. Da es für mich (nicht nur aus zeitlichen Gründen) nicht in Frage kommt, jeden Schüler einen Account anlegen zu lassen, dachte ich, dies damit zu umgehen, dass ich einen Account für die ganze Klasse anlege, alle Schüler also mit dem selben auf mich laufenden Account arbeiten. Doch auch diese Idee war schnell verworfen, da es zu erheblichen Problemen kommt, wenn mehrere Schüler eingeloggt sind und sich einer von ihnen ausloggt. Damit fliegen nämlich oft (tatsächlich hat es manchmal doch geklappt) zugleich auch alle anderen raus und verlieren ihre Änderungen/Ergänzungen. Dieses Risiko ist mir zu hoch und auch zu gefährlich, da dies nicht selten zu unmittelbarer Ablehnung und Frustration führt.

Die Kriterien für das gesuchte Tool sind also klar:

  • online darstellbare Karte – möglichst mit Strassen- und Satellitenansicht wie aus Google Maps bekannt)
  • Editierbarkeit mit zumindest Marker (Pinnnadel), freien Linien und Anmerkungen/Beschreibungen zu Objekten
  • Verständlichkeit (also idealerweise auf Deutsch)
  • Einfache Handhabung
  • Werbefreiheit

Und damit wurde die Lust dünner und die suche ging über mehrere Tage. Ich habe ein Tool gefunden, welches alle Kriterien erfüllt – nur, dass es nicht auf Deutsch ist: uMapper. Allerdings kann ich dabei eine leere Karte oder eine mit ein paar Ausgangspunkten anlegen und dann den Schülern den Direktlink zum Editor geben. Dieser ist zwar englischsprachig aber so eindeutig und übersichtlich, dass ich meine, dass selbst Schüler mit sehr geringen Englischkenntnissen verstehen, wie dieser Funktioniert (einer kurzen Einführung steht ja dennoch nichts im Wege – oder einem kleinen Hilfe-Zettel zur Übersicht):

Jeder kann damit ohne LogIn (sofern dies vom Kartenersteller erlaubt wurde – andere Freigabeoptionen sind ebenso verfügbar) die Karte bearbeiten. Und – dafür sollte man die Schüler sensibilisieren – es kann auch jeder alles löschen. So wäre es also möglich – und das war mein Ansatz zur Suche nach einem geeigneten Tool – Schülern oder Gruppen verschiedene Entdecker zuzuordnen und sie zu bitten, deren Stationen, Routen, Geburtsorte usw. auf einer Karte zu verorten und zusätzlich mit Bildmaterialien oder auch Audio-Erklärungen zu versehen. Ob dabei jede Gruppe eine eigene Karte erstellt und die einzelnen Gruppenmitglieder Zugang haben oder ob eine große gemeinsame Karte über alle Entdecker entsteht, hängt sicher von der Lerngruppe ab.

Sehr schön an uMapper finde ich auch, dass der Editormodus nicht nur direkt verlinkt werden kann. Sondern dass dieser auch sehr bildschirmfüllend arbeitet (keine Ablenkung) und mit großen Buttons daherkommt (ohne verzwickte Links und Schritte durch die man durch muss). Durch letzteres wir uMapper in meinen Augen mehr als alle anderen mir bekannten Tools dieser Art auch sehr gut nutzbar an einem virtuellen Whiteboard, um gemeinsam mit der ganzen Klasse eine Karte vor- oder nachzubereiten. Alternativ oder ergänzend lassen sich die Karten aber auch problemlos einbetten (z.B. in den Moodle-Klassenraum)

Zur gemeinsamen Editierbarkeit: Es ist zwar jedem Möglich Änderungen und Ergänzungen bei entsprechender Freigabe vorzunehmen, diese werden aber nicht live auf den Bildschirmen anderer Bearbeiter angezeigt. Wer also davon ausgeht, dass über eine längere zeit mehrere Schüler(-gruppen) parallel an einer Karte arbeiten werden, sollte darauf hinweisen, dass es sinnvoll ist, öfters über den Save-Button die eigenen Änderungen zu speichern und dann über den Browser-Reload/Refresh auch die neuesten Änderungen der Anderen zu bekommen.

Ebenso gelungen finde ich die Möglichkeit zwischen verschiedenen Kartenanbietern zu wählen und deren jeweiligen Stärken zu nutzen – und dabei live und jederzeit switchen kann:

Bildschirmfoto 2010-01-09 um 17.33.32

Problematisch bzw. bedenkens-/erwähnenswert ist dabei erneut die Englichsprachigkeit des Tools, was sich auch auf die Karten und die damit einhergehenden Orts- und Länderbezeichnungen einhergeht (für Deutschland kein Problem, aber aus Spanien wird dann halt Espania). Ich halte das für keinen sehr großen Hinderungsgrund für den Unterrichtseinsatz – beim Einsatz bei jüngeren Schülern sollte man aber wohl auf Nachfragen vorbereitet sein.

Ein schönes Extra, das für den Unterricht nicht uninteressant ist, ist die Möglichkeit, ein Geo-Game zu erstellen (über das Video werden auch einige Grundfunktionen deutlich):

Insgesamt halte ich uMapper derzeit für das für meine Zwecke mit dem starken Fokus auf der gemeinsamen Editierbarkeit ohne Einzel-LogIns für das geeignetste, das aber noch nicht endgültig meinen Ansprüchen entspricht. Wer es mal direkt ausprobieren möchte, ist auf meiner Testkarte herzlich willkommen:

http://www.umapper.com/maps/edit/id/44734/

© René Scheppler, 2010

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