Edu 2.0 – baue deine eigene Schule im Web

Kommentieren 12. December 2009

Wer meine Beiträge in Twitter verfolgt oder meinen Post hier im Blog gelesen hat, weiß, dass ich mich derzeit intensiv mit Fronter auseinandersetze. Und je tiefer ich versuche vorzustoßen, auf der Suche nach den Lösungen zu diversen Problemen, desto mehr tauchen auf. Und irgendwann kommt man dann an einen Punkt, wo man sich fragt, liegt das jetzt an meinen Ansprüchen oder am Tool, welches mich einschränkt. Dass dies in diesem Fall oft zu Ungunsten von Fronter ausfällt, liegt sicher an meinen mehrjährigen Moodle-Erfahrungen, wobei ich befürchte, dass das Urteil bei jemandem, der die Moodle-Installation scheut und mit Fronter seinen ersten eLearning-Kontakt hat auch durchaus anders ausfallen kann. Aus diesem Grund habe ich in den letzten Tagen nach weiteren Alternativen gesucht und denke nun eine gefunden zu haben, die ich gerne vorstellen möchte: Edu 2.0

Edu 2.0 ist eine Webseite, die es einem nach einer simplen Registrierung erlaubt, einzelne Lernräume oder auch ganze Schulen (der Betreiber spricht sogar von ganzen Universitäten) virtuell abzubilden. Das Prinzip ist dabei sehr ähnlich zu anderen Lernplattformen aber nicht minder durchdacht: Von einer Startseite (/man bekommt eine eigene Subdomain – ich habe z.B. http://lernlabor.edu20.org angelegt) ausgehend werden Räume erstellt, die beispielsweise Schulklassen abbilden. In diesen Räumen gibt es dann weitere Möglichkeiten wie das Bereitstellen von Materialien, Terminen und Wikis. Und angesichts der Kostenfreiheit des Tools war ich anfangs etwas skeptisch, habe dann aber nicht schlecht gestaunt angesichts des Funktionsumfangs der Tool-Palette innerhalb der Räume, die alle einzeln aktiviert und deaktiviert werden können: Wikis, Blogs, Kalender (inkl. ical-Export – ein Format, das inzwischen Standard sein sollte), Foren, Lernpläne, Materialbörsen, Rede-Duelle (ein Abstimmungs- und Meinungsfindungstool), Bewertungen, Anwesenheitskontrolle usw.

Ein Lernraum ist blitzschnell eingerichtet und es lässt sich festlegen, ob dieser öffentlich ist, für ausgewählte Teilnehmer oder über einen Zugangsschlüssel. Ähnlich zu Moodle kann man selber als Administrator Teilnehmer hinzufügen oder diese sich selber registrieren lassen, indem man in der Klasse einfach den Anmeldeschlüssel austeilt. Da letzteres in Fronter nicht möglich ist, ist die Einrichtung eines Klassenraumes ein regelrechter Akt, der bei mir erst gestern wieder Stunden verschlungen hat. Das Aushändigen eines Anmeldeschlüssels, das Abwarten, bis sich alle angemeldet haben und das abschließende Schließen des Raums (wenn man ihn wirklich nur intern nutzen möchte) ist da um Längen einfacher. Ich denke, die einzelnen, genannten Werkzeuge muss ich hier nicht alle einzelnen durchgehen. Sie funktionieren wie gewohnt. Das Wiki ist etwas weniger Umfangreich als Alternativen, die sich wie z.B. wikispaces alleinig auf dieses Tool fokussieren.

Ebenfalls sehr angetan bin ich von den Kommunikationsoptionen. Es gibt wie selbstverständlich ein internes Nachrichtensystem. Darüber hinaus – und darin überflügelt es beispielsweise schon wieder Fronter – gibt es diverse Benachrichtigungsfunktionen für die unterschiedlichen Tools: Benachrichtigung per Mail (und Weiterleitung der internen Nachrichten) sowie Abonnement über rss. Die Benachrichtigungen können individuell ein- und ausgestellt werden. Hinzu kommt ein Community-Gedanke, der es erlaubt (ähnlich zu z.B. SchuelerVZ) Gruppen anzulegen. Wie spannend wäre es wohl, hier Gruppen zu haben, in denen sich Schüler, Lehrer und Eltern (womöglich noch externe Experten) unbefangen und auf Augenhöhe austauschen können. Man staunt wirklich, wie komplett dieses kostenlose Lernraumangebot gegenüber vielen Mitbewerben daherkommt. Hinzu kommt die Möglichkeit, eigene Favoriten zu setzen – also erneut eine Form der Lernerzentrierung.

Wie durchdacht diese kostenfreie Lehr-/Lernumgebung ist, zeigt auch, dass es möglich ist, eigene Portfolios anzulegen und auch Blogs zu führen. Im Gegensatz zu Fronter wird bei Edu 2.0 sehr schnell deutlich, dass der Schritt weg von der reinen Lehrerzentrierung hin zu einer Einbindung und Aktivierung des individuellen Lerners bereits gegangen wurde. Hier ist sicher noch mehr denkbar, das gilt aber für alle mir derzeit bekannten, virtuellen Lernumgebungen. ebenfalls bereits standardmäßig verfügbar ist die mit wenigen Klicks realisierbare Integration der Eltern, denen zum einen eigene Räume gegeben werden können oder denen ähnlich wie bei Moodle (siehe Post) ein selektiver Zugang mit Bewertungseinblick zu ihren Kindern gegeben werden kann.

Ich habe in den letzten Tagen sehr gerne mit Edu 2.0 herumgespielt, habe ausprobiert und diverse Testräume angelegt. Ich bin sehr angetan und überzeugt, dass dies eine Alternative für viele Kollegen sein kann: es ist einfach und schnell eingerichtet und dadurch, dass es komplett auf Deutsch verfügbar ist, auch schnell verständlich (sehr schön sind die wegklickbaren Hilfeboxen in den Räumen und Tools, die es einem ersparen, erst mühsam in der Hilfe zu suchen). Hier und da findet man dann doch einen etwas gewöhnungsbedürftig übersetzten Satz (die deutsche Grammatik hält aber auch so ihre Tücken bereit). Ebenfalls mahnend anzumerken ist wohl die geringe Sicherheitsstufe: Alles Läuft über gewöhnliche http-Seiten. Zudem legt man alle Daten auf externe Server, wobei man sich auch überlegen sollte, wie weit man da mit sensiblen Daten gehen will/kann/darf. Gelungen ist hingegen wieder die Kopierfunktion ganzer Räume als zip-Datei (auch wieder flexibler als in Fronter handhabbar, was die Übernahme bestimmter Elemente bzw. deren Herauslösen aus dem Raum angeht) sowie das Archivieren. Ich denke, es ist kein vollwertiger Ersatz zu einem Lern-Management-System auf den eigenen Schulservern wie Moodle, welches dann doch mehr Sicherheit und Gestaltungsmöglichkeiten in Design und Layout bietet. Ebenso die Übersichtlichkeit kann etwas leiden bei Edu 2.0, wenn man anstreben sollte wirklich eine ganze Schule mit allen Klassen, Fachräumen, Elterntreffs usw. anzulegen. Für Jahrgänge oder einzelne Klassen, denen kein schulweites System zur Verfügung steht, für Projekte oder schulübergreifende Kollaborationen ist es aber allemal einen Blick wert. In der Edu 2.0-Community gibt es ähnlich wie bei Moodle schnelle und individuelle Hilfe und Unterstützung. Gegründet und betrieben wird dieses preisgekrönte Angebot seit 2006 von Graham Glass.

Wer schnell und unkompliziert eine weitestgehend komplette und ansehnliche Lehr-/Lernumgebung ohne Installations- und Serverstress sucht, ist hier sicher an der richtigen Adresse.

© René Scheppler, 2009

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