Aus dem Alltag: Schülerstatements

Kommentieren 11. December 2009

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An einer neuen Schule gilt es – und ich denke, da geht es nicht nur mir so – sich zu akklimatisieren. Im Hinblick auf Medieneinsätze bedeutet das, herauszufinden, wie hoch die interne Akzeptanz und der Umgang damit ist. Man muss die technische Ausstattung kennen lernen, muss herausfinden, wie Computerräume reserviert werden, wie deren Belegungsintensität ist, um zu sehen, wie rechtzeitig oder spontan man damit agieren kann. Wo sind die Beamer? Gibt es Laptops?

Noch wichtiger ist aber, herauszufinden, wie die eigenen Lerngruppen arbeiten. Welche Unterstützung sie brauchen und an welchen Punkten der Medieneinsatz sinnvoll und gewinnbringend sein kann. Das braucht seine zeit, aber so langsam meine ich diese Phase ganz gut gemeistert zu haben und kann zunehmend freie und flexibler den Einsatz von Computer, Internet und bald auch weiteren Medienarten integrieren. Dabei ist für mich immer von sehr hoher Priorität nicht nur mit offenen Augen sondern vor allem mit offenen Ohren in die Lerngruppen zu hören, wenn diese arbeiten oder mir versuchen, ein Feedback zu geben. Letzteres ist manchmal etwas verzwickt, wenn die Schüler merken, dass ich viel Spaß im Umgang mit den Medien habe, sie selber aber etwas stört oder nicht gefällt. Da gilt es die Balance zu wahren zwischen der eigenen Euphorie, die sehr wichtig ist, um hinter den eigenen Unterrichtsinhalten zu stehen und vielleicht über das eigene Interesse auch “ansteckend” zu sein, und der anderen Seite, offen zu bleiben und zu wirken für Schüler, die weniger Interesse oder Spaß am Medieneinsatz haben.

Und was habe ich in den letzten beiden Wochen mit diesen offenen Ohren gehört? Bitte…

  • In den Computerräumen haben wir Windows-Rechner (PCs) während ich im 5er-Jahrgang auf Mac setze und inzwischen 8 eMacs im Teamzimmer und den 4 Klassenräumen stehen. Während des PC-Training der 9er für die 5er:

Wieso können wir nicht in der ganzen Schule Macs haben?

  • Wie bereits berichtet wird langsam aber sicher Fronter als schulweite Lernplattform etabliert. Auch meine Lerngruppen führe ich langsam heran (erst die Großen und später wohl auch die Kleinen; die PC-Trainer arbeiten weiter mit Moodle, da sie vor der Fronter-Einführung bereits damit starteten). Fronter reagierte mal wieder nicht und etliche Buttons waren funktionstot:

Das (Fronter) ist ein Schei…-System!

Das Ding ist der totale Schrott.

  • Im Computerraum und an den Rechnern versuche ich sicher zu stellen, dass das Programm und die Arbeitsaufträge so komplex sind, dass die Gefahr von Langeweile möglichst gering ist und keine Ablenkung notwendig wird (SchuelerVZ, Mails checken usw.). Ein Schüler überrascht, der aus dem Klassenraum in den PC-Raum wechselte:

Wow, hier arbeiten ja echt alle – ist ja voll ruhig hier. Das ist ja cool.

Gestern war mir voll langweilig. Da habe ich einfach diese Rechtschreibdinger gemacht. Und ich glaube, ich war richtig gut. Das hat Spaß gemacht.

  • Ein Teil zur Annäherung an das Gradnetz der Erde war eine Präsentation, die über mein MacBook (mit Beamer) lief, und die ich via meinen iPodTouch steuerte, damit ich im Raum herumgehen konnte und bei den Aufgaben helfen und über die Schultern gucken konnte, damit es nicht zu schnell oder zu langsam weiter geht.

Das ist alles voll einfach, wie Sie das machen. Ich glaube, jetzt traue ich mich auch mal, mein Referat mit PowerPoint zu machen.

  • Für ein größeres Projekt galt es, Gruppen und Themen einzuteilen. Ich habe dazu – da wir eh im Computerraum waren – eine leere Google Docs- Tabelle genutzt. Da alle ohne Account sofort mit vollen Editierrechten darauf zugreifen können, kann zwar jeder etwas hineinschreiben aber auch jeder kann verschieben und löschen, mit Hintergrundfarben die Tabelle unlesbar machen usw. Die ersten 15 Minuten ging es ziemlich drunter und drüber und das an die Wand gebeamte BIld änderte sich sekündlich recht unstrukturiert:

Das ist schon lustig. Aber da merken wir echt, wie wenig wir es schaffen, mit der ganzen Klasse zusammen zu arbeiten.

Für mich sind solche kleinen, oft unbewussten und unreflektierten Aussagen von Schülern, die nicht mal immer an mich gerichtet sind, ein wichtiger Seismograph dafür, wie weit die Akzeptanz vorhanden ist, ob die Schüler den Einsatz honorieren. Denn sie merken ganz genau den Unterschied zwischen sinnvollem Einsatz und bloßer Spielerei oder Effekthascherei. Und nicht zuletzt, um zu vermeiden, dass weniger computeraffine Schüler “abgehängt” werden, kristallisiert sich die Strategie des langsam Herantastens zunehmend als sehr richtig heraus. Es geht nicht darum, ein Feuerwerk zu zünden und möglichst breit neue Medien einzusetzen. Der Mix aus Digitalem und Analogen, das Erkennen der Technik als helfend und unterstützend sowie das Wecken der Bereitschaft, sich darauf einzulassen und es als Arbeitsgerätschaften zu nutzen, sind in meinen Augen längerfristiger und nachhaltiger.

Wie alle “Aus dem Alltag”-Posts soll auch dies einerseits meiner eigenen Reflexion dienen. Aber andererseits hoffe ich, damit Kollegen, die mit den Gedanken des Medieneinsatzes spielen und so oft zurückmelden, sich nicht zu trauen, da viel zu viel auf einmal auf sie einströme, etwas aufzuzeigen, dass weniger manchmal mehr sein kann.

erstellt von René Scheppler

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