Voxopop – Schülern eine Stimme geben

Kommentieren 22. November 2009

“Immer müssen wir so viel schreiben” – so oder ähnlich klingen immer wieder Schülerklagen über zu viele Hausaufgaben oder textlastige Materialien. Und so unrecht haben sie gar nicht: Als ich jüngst mit meinen 5ern ihre Boxen und Ordner im Klassenraum aufgeräumt habe, habe ich selber gestaunt, was die da alles an Heften, Mappen und Blöcken ansammeln. Geschrieben wird ziemlich viel in der Schule.

Dass dies aber keineswegs ein stehendes Gesetz ist, wird spätestens deutlich, wenn man sich mal mit Podcasting auseinandersetzt. Auch Theaterstücke oder Szenenspiele, in denen Schüler sich verbal äußern können, werden über nahezu alle Alterstufen immer gerne aufgegriffen. Und wenn ich unsere Morgenkreise und Klassenräte Revue passieren lasse, ist das Mitteilungsbedürfnis gerade bei jüngeren Schülern teilweise enorm.

Ein Tool, welches eine gute Möglichkeit sein kann, die Stimme und das gesprochene Wort wieder mehr ins Zentrum zu rücken ist Voxopop:

Das über das obige Bild verlinkte Beispiel gibt einen Einblick in die Funktionsweise:

Über jeden aufnahmefähige Rechner kann man sich einloggen, eine Diskussion auswählen, die Aufnahme starten und (noch?) in unbegrenzter Länge Nachrichten einsprechen. Diese werden chronologisch sortiert und sind einzeln oder hintereinander weg abhörbar. Im Gegensatz zu ähnlichen Angeboten ist bei VoxoPop angenehm, dass man die Diskussionsstränge auf unterschiedlichen Niveaus veröffentlichen oder aber auch nur für ausgewählte Nutzer freischalten kann. Etwas nachteilig ist die englische Einsprachigkeit der Tool-Oberfläche. Wer aber direkt auf eine verlinkte Diskussion gelangt, wird mit nur wenigen englischen Begriffen konfrontiert, die sich zudem über die bekannten Symboliken erklären.

Im Englischunterricht sollte dies letztlich keine Hürde sein. Und ich denke, dass das Tool sich besonders für den dortigen Einsatz eignen kann. Die Hausaufgabe mal nicht schriftlich sondern mündlich zu erledigen, hat sicher seinen Reiz und auch Mehrwert fürs Sprechtraining. Als Hausaufgabe könnte auch jeder Schüler einen Satz mit je einer neu zu lernenden Vokabel pro Nachricht einsprechen. Zurück in der Schule und hintereinander abgespielt entsteht ein selbsterstellter Vokabeltest mit Sätzen auf dem eigenen Niveau. Und spätestens, wenn beim anstehenden Schüleraustausch nicht mehr nur E-Mails sondern auch Sprachnachrichten zum Kennenlernen (z.B. Audio-Porträts der Teilnehmer) erstellt werden, bekommt das Ganze einen praxisnahen Sinn.

Aber auch in nicht-fremdsprachlichen Fächern wären Szenarien denkbar:

  • Im Musikunterricht können so schnell Aufnahmen er-/bereitstellt werden.
  • Im Deutschunterricht können die Schüler sich gegenseitig Diktattexte einsprechen und sich hinterher den eigenen oder den eines Mitschülers im Tempo fürs Selbstdiktat steuern.
  • Das Protokoll könnte im Chemieunterricht durch eine parallel zur Durchführung laufende Sprachaufnahme vorbereitet werden.
  • Im Klassenraum wäre es denkbar, dass Schüler ihr schönsten Schul-/Lernerlebnis am Ende einer Woche festhalten. Von der Klassenfahrt aus könnten abends gemeinsame Berichte eingesprochen werden, was sicher schneller und dynamischer geht als schriftlich und eine gute Grundlage für die Reflexion zurück in der Schule sein kann.

Ich denke, mit VoxoPop wird einem ein breites Fenster aufgestoßen, Mündlichkeit und Sprechübungen stärker in den Unterricht zu integrieren. Die in dem obigen Beispiel auftretenden Verkürzungen der Nachrichten scheinen temporär gewesen zu sein, da es sonst sehr gut klappt und ich in den letzten Tagen auch keine Schwierigkeiten mehr hatte. Das Tool ist noch recht jung, so dass eine Einbettungsmöglichkeit in z.B. Moodle wohl bald einfacher wird (in Vorbereitung). Über evtl. Vorhaben, auch mehrsprachig zu werden, konnte ich nichts konkretes erfahren. Besonders für Sprachlehrer ist dies sicher eine interessante Variante, die Schüler mehr zum Sprechen zu animieren. Einfach mal selber ausprobieren…

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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