Aus dem Alltag: Fronter – erste Eindrücke
Wer diese Woche auch Beiträge im Blog gewartet hat, wird es erahnt oder über Twitter erfahren haben – es waren wieder 5 volle tage. Aber auch diesmal fällt wieder etwas in Sachen neue Medien ab. Denn seit nun einer Woche ist an meiner Schule Fronter einsatzfähig und mit administrativen Rechten ausgestattet erkunde ich die Plattform und versuche sie mir selber zu erschließen sowie Ideen zu entwickeln, sie den Kollegen möglichst einfach und effektiv zugänglich zu machen.
Ich möchte daher diesen Beitrag nutzen, die Plattform selber in den Blick zu nehmen und meine allerersten Eindrücke zu schildern. Da ich nun mehrjährig mit Moodle gearbeitet habe und ich den Eindruck habe, dass dies vielen Bloglesern als Referenzgröße bekannt ist, ergibt sich fast automatisch, dass ich bei einem solchen Switch auf eine neue Umgebung die alte auch für mich selber als gewissen Maßstab im Kopf habe. Das dies zu einer Voreingenommenheit führen kann, hat bereits die vor einigen Tagen geführte Diskussion gezeigt, ist in meinen Augen aber auch sinnvoll, um im sich eh schon prinzipiell langsamer entwickelnden Schulbereich nicht immer wieder von vorne anzufangen.
Ich möchte meine Eindrücke in folgende Bereiche unterteilen:
- Lehrerzentrierung und didaktisches Konzept: Dies ist für mich auch zugleich der auffälligste Bereich, denn hinter Fronter scheint eine grundlegend andere Mentalität zu stecken als ich sie von Moodle gewohnt bin. Fronter basiert primär auf einem Up- und Download-Konzept, stellt diese Funktion für den Erstnutzer bzw. Erstkontakt deutlich in den Vordergrund. Dies bezieht sich sowohl auf die Dateiablage aber auch auf die Gestaltungsmöglichkeiten einzelner Räume. Das Hochladen von Material, das dann im nächsten Schritt von den Nutzern konsumiert werden kann, führt dann aber auch zu einer Art Lehrerzentrierung, da er ja in den meisten Fällen derjenige ist, der diese Materialien bereitstellt. Da ich im Moment Fronter noch hauptsächlich für den Austausch mit kollegen (bald aber wohl auch Eltern) nutze, ist dies noch kein schwerwiegendes Handicap. Im Umgang mit Lernern stelle ich mir dies aber problematisch vor, nicht den Eindruck des Nürnberger Trichters zu erwecken, sondern Schüler aktiv in die Mitgestaltung des virtuellen Lernraumes einzubinden. Um damit zum nächsten Punkt überzuleiten, sehe ich bei Fronter in deutlich geringerem Maß eine Zuschneidung bzw. eine Fokussierung auf Unterricht, wie er in Zeiten des Web 2.0 möglich wird und sein sollte.
- Unterrichtseinsatz: Hier meine ich weniger das angesprochene didaktische Konzept, sondern in den letzten tagen habe ich immer wieder versucht, mir konkrete Unterrichtssituationen mit dem Einsatz von Fronter bereitzulegen. Aus der Moodle-Schule kommend schätze ich besonders die Möglichkeiten, Unterricht und vor allem Lernprozesse aktiv und zeitnah zu lenken und mitzugestalten. In Moodle ist dies sehr gut möglich, da ich in der Vorbereitung des Unterrichts verschiedene Blöcke aber in diesen auch verschiedene Tools und Materialien anlegen kann, sie aber zunächst noch ausblende. Im Unterricht selber empfinde ich es als sehr angenehm, an meinem Lehrerrechner mit administrativen Rechten eingeloggt zu sein und dann mit einem Klick zu sehen, ob mein Vorhaben aufgeht oder ich z.B. einen anderen Block vorschalte bzw. einzelne Elemente übergehe, indem ich sie mit einem Klick freigebe/sichbar schalte oder aber auch per Drag und Drop im laufenden Unterricht verschieben kann. Dies ist in Fronter nicht möglich, da die Raumbearbeitung weitaus aufwendiger und kaum im laufenden Unterricht zu bewältigen ist. Was ich hier einstelle, wird sichtbar und wenig editierbar – was sich übrigens auch auf die Schüler bezieht.
Denn in Moodle ist es ja bekanntlich sehr schnell einzurichten, einzelne Blöcke oder Tools in Gruppenbearbeitung zu geben, Schüler also nicht zentral sondern nach eigenen Interessen und Lerntempi arbeiten zu lassen. Hier können zu den Aufgaben dann nicht nur unterschiedliche Ergebnisse entstehen, sondern diese entwickeln sich auch in eigenen, flexiblen Unterräumen. Da letztere aber stets Bestandteil des Kursraumes sind und gezielt gruppiert werden können, bleibt die Lerneinheit “Klasse” aber stets bestehen. In Fronter müsste ich dazu wohl mehrere Räume einrichten, die dann zusammenzuführen bzw. übersichtlich zu halten, sehr schwer werden wird.
ein letzter Unterpunkt ist dazu die Anwendung von Tools. In Fronter sind diese recht rar gesät. Dies mag angesicht von Werbebroschüren und der auch plattforminternen Auflistung etwas verwundern. In meinen Augen resultiert diese Behauptung aber darauf, dass viele Funktionen, die als unterschiedliche Tools angepriesen werden, im Kern oft sehr ähnlich sind oder nur geringe Unterschiede aufweisen. Auch hier kommt die grundsätzliche Mentalität des Einpflegens zu Konsumierungszwecken wieder zum Tragen, da mir alleine zum Einstellen von unterschiedlichen Materialarten unterschiedliche Tools angeboten werden.
Noch bemerkenswerter ist für mich aber das Spektrum der Einsatzszenarien für die einzelnen Tools. Dadurch, dass diese oft stark fokussieren, scheint ihr Einsatzfeld klar abgesteckt bzw. seitens der Entwickler durchdacht zu sein. Dies mag aus der Sicht letzterer sehr sinnvoll sein, da damit eine gewisse Stabilität gewährt werden kann. Für mich als Lehrer ist dies aber eher einschränkend. Ich merke es nach den ersten Tagen und Versuchen daran, dass ich mich ertappe, mir grundsätzlich andere Fragen zu stellen als in Unterrichtsvorbereitungen mit Moodle: In Fronter klingt das gedanklich so
Ah, dieses Tool kann also dies. Wie setze ich das jetzt geschickt im Unterricht mit seiner gezielten Funktionalität ein?
In Moodle ist meine Denkweise eher diese:
Ah, ich würde gerne eine kollaborative Sammlung von Begriffserklärungen erstellen lassen. Nutze ich dazu jetzt lieber ein Glossar oder das Wiki? Oder kommen die Schüler besser in einem Forum zurecht?
Ich denke in Fronter – bzw. habe das Gefühl, dazu geführt zu werden – viel eher vom Tool aus und nehme die möglichen Unterrichtsszenarien in den Blick. In Moodle hingegen stehen mir unterschiedlichste Tools für gleiche Szenarien bereit – und ich kann sie aus dem reichen Fundus der Community erweitern – die mich eher den Unterrichtsgegenstand zum Ausgangspunkt nehmen lassen. Ein weiterer Aspekt in Sachen Tools ist dann, dass Fronter sehr eigene Werkzeuge anbietet, die einem in der Web 2.0-Landschaft so nicht begegnen. Am auffälligsten ist dies sicher – aber nicht nur – beim Fronter-Wiki, welches kaum Ähnlichkeit in aussehen und Handhabung mit den verbreiteten Wikis im Internet hat, sondern vielmehr eine minimalistische Form eines Google Docs-Dokuments ist – also eine Datei, die gemeinsam (aber nicht simultan) bearbeitet und gespeichert werden kann (allerdings mit Versions-History, ohne farbliche Hervorhebung). Die Werkzeuge in Fronter werden einem in der Form kaum anderswo begegnen, so dass ich meinem derzeitigen Orientierungsprozess schon den Eindruck habe, Fronter selber zu “lernen”. Ich bin gespannt, ob sich dies mit zunehmender Vertrautheit mit Fronter ändern wird. Wenn ich mich an meinen Erstkontakt mit Moodle zurück erinnere, meine ich allerdings nicht vor diesem Phänomen gestanden zu haben.
- Support: Dies scheint mir ja in der Werbestrategie von Fronter ein wesentlicher Aspekt zu sein. Denn tatsächlich ist die Plattform kostenpflichtig und der Anbieter garantiert einem die Abnahme sämtlicher Hosting-Bereiche. Man bekommt als Schule also eine fertige, lauffähige Plattform bereitgestellt. Das klingt natürlich verlockend, da Lehrer im Alltag ja eh kaum Zeit für weitere Aktivitäten haben (ob dies nun an der prinzipiellen Arbeitsbelastung oder der Art und Weise, wie Lehrern (un-)flexible Arbeits- und Denkstrukturen in der Ausbildung vermittelt werden, ist eine andere Diskussion). Und tatsächlich läuft Fronter vom ersten Tag recht zuverlässig und bedarf als Plattform kaum administrativer Eingriffe durch die schuleigenen Lehrkräfte. Doch damit ist es ja keineswegs einsatzfähig. Denn die Arbeit des Einpflegens von Schülern und Lehrern (LogIns), das Anlegen und Ausgestalten von Räumen bleibt auch hier bei der Schule und den betreuenden Lehrern – wir sind es also selber diejenigen, die Räume anlegen, gestalten, Rechte vergeben, Nutzer einpflegen und zuweisen usw. Im Grunde ist die Einrichtung eines Fronterraums für meine Kollegen, Eltern und Schüler genauso aufwendig wie in Moodle. Nur mit dem Zusatz, dass ich in Moodle viel ausgefeiltere Optionen habe, bereits fertige Räume in unterschiedlichen Stufen zu übernehmen (mit oder ohne Nutzer, mit oder ohne einzelne Materialien, mit oder ohne einzelne Tools usw.), was in Fronter nur sehr eingeschränkt bis gar nicht möglich ist. Was dann aber eher fortgeschrittene Nutzer betrifft: Ein Zugriff auf den Webspace ist in Fronter nicht möglich, sondern auch als Administrator operiere ich ausschließlich über die Nutzeroberfläche.
Und zu guter letzt: die Community. Wer einmal in moodle vor einem Problem stand, das entweder technischer oder auch didaktischer Natur war und das hohe Tempo und die beeindruckende Bereitschaft der Community über moodle.org erlebt hat, wird sich im Klaren sein, dass so etwas einzigartig und für ein kommerzielles Anbieter kaum nachahmbar ist.
Ich möchte noch einmal hervorheben, dass es sich bei den geschilderten Problemen, die ich derzeit mit Fronter habe um Erfahrungswerte nach der gut einwöchigen Nutzung (dabei aber täglich) handelt. Wenn man daraus ableitend aber die derzeit attraktivsten oder meistgenutzten e-Learning-Plattformen im schulischen bereich in den Blick nimmt, wird für mich eines überdeutlich: Man merkt als Lehrer sehr schnell, mit welchem Fokus bzw. mit welchem Blick eine Plattform entwickelt wurde. man registriert unmittelbar, ob dahinter t´techniker mit ihrem Sinn für die Realisierungsmöglichkieten und der Strategie der Stabilität stecken. oder ob hier Didaktiker und Pädagogen (mit-)entwickeln und in welchem Umfang. Und ich glaube, dass dieses Maß an Zusammenarbeit zwischen technischem Anbieter und alltäglichem Nutzer (hier: Lehrer und Schüler) eine maßgebliche Rolle nicht nur für die Akzeptanz aber auch die erfolgreiche Nutzbarkeit in Lernszenarien beeinflusst. Letztendlich ist es die Neuausrichtung und Neuaufstellung im Zuge des Wechsels vom Web 1.0 zum Web 2.0 der manchen Plattformanbietern noch tiefer in den Knochen steckt als anderen. Aber auch seitens der Lehrer wird sich die Akzeptanz einer Plattform wesentlich an dem Grad messen lassen, in welcher Form er Unterricht denkt und wird dabei evtl. auch zu einem anderen Bild kommen als ich mit meiner eigenen Vorstellung von schülerzentriertem und kolaborativ gestalteten Unterricht.
Ich selber werde daher die in meinen Lerngruppen bereits eingeführten Moodleinstanzen nicht sofort aufgeben und mich weiter versuchen, mit Fronter als schulweite Plattform anzufreunden und ab und an hier zu berichten. Vielleicht habe ich es in ein paar Wochen oder Monaten soweit durchschaut, dass ich meine Kritikpunkte zurücknehme und mein “Fronter-Lernprozess” erfolgreich war. Mit Blick auf die aktuelle Landschaft der Lernmanagementsysteme (LMS) stellt sich mit aber einmal mehr die Frage
Quo vadis, e-learning?
Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler

In den meisten Punkten völlige Zustimmung. Wir durften Fronter im Entscheidungsprozess für eine zu findende Landes-Lösung in Augenschein nehmen und testen. Der erste Eindruck war durchaus positiv – was auch mit dem im Vergleich zu einer Moodle-Standard-Installation eleganteren Äußeren zusammenhängt. Bei genauerem Hinschauen bleibt Moodle vorn – die von Dir beschriebenen Lern- und Lehrauffassungen treffen den Punkt.
Darüber hinaus würde ich mich gegen eine weitere Grundsatzentscheidung sträuben: Mit Fronter begäbe man sich in eine “geschlossene Gesellschaft” – viel mehr als bei einer klugen Öffnung von Moodle.
Bin sehr gespannt auf weitere Fronter-Erfahrungen von Dir hier im Blog!
Uwe
Rene, da hast du wieder gründliche Analysearbeit betrieben! Du vermisst genau die Punkte, die für uns in Moodle so wichtig geworden sind, nämlich die Flexibilität, wie man bestimmte Aufgaben oder Aktivitäten auf unterschiedliche Weise in Moodle lösen kann. Der Ansatzpunkt darf nämlich nicht das Tool sein, das mir vorgibt, was ich zu machen habe, sondern muss die Sache sein – das Tool stellt mir dafür die Möglichkeiten zur Verfügung- Schüleraktivitäten wie du auch schon sagst- entweder im Forum, im Glossary, im Wiki oder aber auch in der Datenbank, von Gruppenaktivitäten ganz zu schweigen.
Das Problem ist nur, dass bei den ersten Kontakten mit Lernplattformen in der Regel diese didaktischen Er-Kenntnisse bei den Entscheidern (noch) nicht vorhanden sind und daher die Verlockung, ein Organisationstool für Datenup- und Download an die Hand zu bekommen, sehr verlockend und überzeugend wirken. Beurteilen können das meiner Meinung nach aber nur Leute wie du z.B., die schon eine Weile mit LMS gearbeitet haben und es eben nicht nur als Datadump sodern fürs aktive Schülerlernen eingesetzt haben. Diese werden aber leider in der Regel nicht zu Rate gezogen
(
Insgesamt ein schönes Plädoyer für schülerzentriertes Lernen mit Moodle – das freut uns Moodler dann doch sehr
Sigi
Hallo,
wir stehen ebenfalls vor der Entscheidung eine Lernplattform in unserem Schulamt einzuführen und ich habe genau den selben Eindruck wie meine Vorredner. Viele Kollegen sagten spontan, dass Moodle dichter am Unterricht ist. Wir haben Moodle jetzt ein Jahr erfolgreich an unserer Schule eingesetzt und ich bereue es nicht. Ich werde zwar offen für alle Lösungen sein, aber wenn ich gefragt werde, empfehle ich Moodle!
Gruß Harald!
OMG, was für eine Quadratur von Unterrichtstechnologie! – Genau soetwas meine ich damit, wenn ich vom “Alten Lernen mit Neuen Medien” spreche.
Hallo,
ich glaube wir sollten nicht “Neues Lernen” mit “Neuen Medien” verwechseln. Offene Lernumgebungen kann man sehr gut auch mit “Alten Medien” einrichten und alternative Unterrichtskonzepte sind nicht von “Neuen Medien” abhängig. Ich denke wir müssen generell den Unterricht neu ausrichten, vielleicht kann eine Lernplattform dabei helfen aber zuerst muss das in den Köpfen passieren und dann erst im Netzwerk! Ich glaube auch nicht, dass man Unterricht technologisch planen kann, also ist das Wort “Unterrichtstechnologie” etwas unpassend!
Gruß Harald!
Hallo Harald,
ich glaube, hier können wir dir alle unisono zustimmen: die Veränderungen und Öffnung für neues Lernen muss zuerst in den Köpfen stattfinden, um eine Lernplattform sinnvoll einsetzen zu können. Nur sollte diese Lernplattform dieses neue Lernen dann fördern und nicht wieder in alte Wege leiten. Die Frage, die sich beim Einführen der Lernplattformen für uns Fortbildner immer wieder von neuem stellt – sollen wir erstmal “zulassen”, dass Lernplattformen “missbraucht” werden, um eine Akzeptanz zu bekommen und dann die Kollegen langsam an die Möglichkeiten der kooperativen und kommunikativen Lernformen ranführen, um so eine Entwicklung zum Neuen Lernen in Gang zu setzen?
Die andere Möglichkeit besteht darin, die Kollegen quasi anzufüttern mit Kursen, die schon viele handlungsorientierte und interaktive Anwendungen und Beispiel enthalten, um so die Kreativität der Teilnehmer anzusprechen. Ich denke, man muss das immer abhängig machen von den jeweiligen Teilnehmern. Anfänger werden die Sicherheit brauchen, ihren Unterichtsstil beizubehalten und erst allmählich die Vorteile erkennen, die sich durch die Einbeziehung von Web 2.0 in LMS für das Lernen ergeben können. Man sagt mir immer, ich sei zu ungeduldig
Gruß
Sigi
1. Naja, ich dachte, das wäre implizit klar, wenn ich vom “alten Lernen mit neuen Medien” schreibe, dann gibt es auch ein “altes Lernen mit alten Medien” und ein “neues Lernen mit alten Medien” und ein “neues Lernen mit neuen Medien”. logisch.
2. Das Nacheinander von “erst in den Köpfen” und “danach im Netzwerk” ist m.E. etwas mechanistisch gedacht. Würde sagen: beides gleichzeitig. Oder eines kann sich mit dem anderen entwickeln.
3. Unter “Unterrichtstechnologie” verstehe ich nicht die IKT im Unterricht, sondern die Technologie des Unterrichtens, so wie sie in der Lehrerbildung gelehrt und im Unterricht praktiziert wird. Und diese Unterrichtstechnologie wird leider immer gleichgesetzt mit Lernprozessen. Es sind aber verschiedene Dinge.
“Heranführen” klingt vielleicht ein bißchen sehr belehrend, eben so, wie “altes Lernen” geht: “Ich weiß es, und ich führe dich behutsam an die neue Denke ran”. Das merken die Lehrer und ärgern sich.
Das ist eben die Krux an den “Lernplattformen”: Sie sind ein neus tool für Unterrichtstechnologie. Aber die Neuen Medien sind nicht didaktisch-methodische Medien fürs Unterrichten, sondern sie sind Kommunikationsmedien in der großen weiten Welt außerhalb des pädagogischen Zusammenhangs. Erst wenn Lehrer ihre eigenen Erfahrungen mit Web 2.0 als “Mitmachnetz” oder anders: als Produktionsmöglichkeiten für sich selbst gemacht haben, können sie diese Erfahrungen auch für ihre Schüler zugänglich machen und damit Lernprozesse in Gang setzen und begleiten. Ich glaube nicht, dass das mit “Lernplattformen” gut geht. Wir müssen die Welt nicht diaktisch-methodisch zurichten, um sie lernend begreifbar zu machen. Die Erfindung der Fibel als Leselernbuch ist vllt historisch analog vergleichbar mit der Lernplattform. Wir wissen aber längst, dass man nicht mit Fibeln lesen lernt, sondern mit dem, was andere schreiben, mit denen man schriftlich kommunizieren lernen möchte. (Vgl. z.B. der konstruktivistische Unterricht von Rolf Robischon – http://rolfrobischon.de) So gesehen sind diese Lernplattformen immer mehr oder weniger schon auf das alte Lernen im Unterrichtskontrollmodus hin konstruiert, vielleicht die eine mehr, die andere weniger. Wenn ich die Wahl habe, dann würde ich mich immer für Blog- und Wiki zur Organisation von Lernen in der Schule entscheiden (sowohl für die individuellen als auch für die organisationalen Lernprozesse),nicht für Lernplattformen (in HH haben wir schulcommsy).
“Wenn ich die Wahl habe, dann würde ich mich immer für Blog- und Wiki zur Organisation von Lernen in der Schule entscheiden”
Wieso hab ich immer so ein komisches Gefühl, wenn “immer” gesagt wird? Macht es nicht einen gewaltigen Unterschied, ob ich mit 6-Klässlern oder Abiturienten arbeite, ob es um Sprahen ode Naturwissenschaften geht, ob es um Stofferarbeitung oder Anwendung geht, ob es um individuelles oder sozialers Arbeiten geht, ob es um gemeinsames Lernen oder individualisierte Förderangebote geht?!
Es hat halt jeder nur seine Brille auf – aber wir fahren glaube ich recht gut, wenn wir Ideologisierungen und Verallgemeinerungsansprüche vermeiden. Für mich persönlich klann ich nur sagen: Ich bin auf einem langen Weg – mit damals vorläufiger Endstation Wiki – bei Moodle gelandet und gehe jetzt gelegentlich – aber nicht ungern – zu Blogs oder dezidierten Web 2.0-Anwendungen wie Plotbot, mediabird, etc etc über – manchmal eingebettet in einen Moodle-Kontext, manchmal völlig standalone, je nachdem, was Unterrichtssituation, Schülergruppe, Stoff erfordern. Nix von alledem möchte ich in meinem werkzeugkasten missen. Just my 2 cents…
Ups, sorry – der Beitrag war zu schnell draußen, sorry für die vielen Typos. Ich hab ziemliche Metzgerhände
Hallo,
ich bin ja begeistert und erschrocken zugleich welche Reaktionen in so kurzer Zeit zu sehen sind. Auf jeden Fall bin ich da guter Dinge, wenn es doch so viele Kollegen gibt, die sich im Netz austauschen!
Konkret an Frau Rosa:
Ich habe mit meinem Kurs die Berufswünsche der Schüler diskutieren lassen. Eine so rege Diskussion hätte niemals im realen Klassenraum stattgefunden. Es ging sogar so weit, dass einzelne Schüler den Rat von anderen Schülern in so wichtigen Themen wie Berufswahl angenommen haben.
Die Diskussion fand in einem Forum als Aufgabe in Moodle statt. Ich bin froh, dass ich diese Diskussion nicht öffentlich gemacht habe (BLOG, Wiki oder freies Forum). So kann ich die Privatsphäre der Schüler garantieren und sie doch mit neuen Kommunikationswerkzeugen arbeiten lassen. Moodle hat ebenfalls noch die Aktivitätsform BLOG, Wiki oder Datenbank oder einfach nur ein fertiges Selbstlernpaket.
Wichtig ist doch das selbstständige handlungsorientierte Lernen und das muss ich intensiver als den Frontalunterricht vorbereiten. Dabei hat mir Moodle sehr geholfen.
…aber vielleicht sollten wir ja die Diskussion in Ihrem BLOG weiterführen. Ich bin mir nicht sicher, ob das hier die richtige stelle ist. Der Kollege hat einfach nur zwei Werkzeuge technisch (und diesmal meine ich technisch) verglichen. Wie es im Unterricht eingesetzt wird steht auf einem anderen Blatt.
Ja wunderbar. Aber der Ideologisierungsvorwurf is doch n bisschen übertrieben, und ihn am “immer” aufzuhängen, vielleicht ein bisschen kleinkariert. Ich habe so viele und vielfältige Einsatzmöglichkeiten von Blog und Wiki – in allen Schulstufen und Fächern, für alle möglichen Zwecke gesehen und selbst erprobt, dass ich einen Grund für das Immer sehe. Mit Ideologie hat das nichts zu tun.
Tolle Praxis-Erfahrungen! Ich sag ja gar nichts gegen moodle – und auch nicht gegen commsy. Gegen Fronter in Abgrenzung zu moodle gibt es aber doch offenbar von René einige kritische Einwände, die ja genau dahin zielen: nämlich dass es Lehrerzentriert ist. Und nur darauf habe ich geantwortet: Aha! Ich komme gut mit Blog und Wiki, etherpad und social bookmarking hin. Auch diese Erfahrung als eben meine Erfahrung wird man mir doch lassen können? Übrigens kann man in wordpress auch nicht öffentlich arbeiten, wenn’s denn gewünscht ist.
Ohne jetzt einen eigenen Thread daraus machen zu wollen: Das “wir” bei Ideologisieren war als “wir” gesagt und gemeint, nicht als “Du”. Das mit dem kleinkariert – I’ll shrug it off.
Lass uns die Diskussion sachlich (weiter-)führen.
Ich will Ihnen ja auch nicht Ihren BLOG schlechtreden, aber Ihr “OMG” klang doch etwas vorwurfsvoll. Die Kommunikation nur per Text hat eben doch ihre Tücken, wenn ich in ein nettes Gesicht sehe und aus dem Mund kommt ein “oh mein Gott”, dann ist das etwas anderes als das geschriebene Wort, welches sich nicht mehr so einfach aus einer sql-Datenbank entfernen lässt.
…aber vielleicht bedeutet OMG ja ganz etwas anderes und wir haben uns nur missverstanden. Dann gilt natürlich das oben genannte erst recht.
Liebe Grüße aus Templin!
huch?
mehr wollt ich nicht dazu sagen, aber:
“Your comment was a bit too short. Please go back and try again.” Und nun erst Recht “huch”?
…so ist das eben mit der Technik, aber danke für das Lächeln. Ich werde mir jetzt ein Bier öffnen und die Maschine runterfahren, nee anders herum, erst runterfahren und dann das Bier!
Gruß Harald
…oder bis morgen!
Hallo Sigi,
ich sehe das ja genau so. Ich sehe auch, dass schon sehr viel passiert ist. Es ist für mich aber sehr schwer alte Gewohnheiten in einem Lehrerkollektiv aufzubrechen. Da kann man wirklich nur sehr behutsam vorgehen.
Deswegen erhoffe ich mir ja von einer Lernplattform neue Impulse. Weiterhin hoffe ich darauf, dass Lehrer zu einer Tauschkultur kommen. Das ist auch ein wesentlicher Vorteil von Moodle – man kann Kurse tauschen. Ich werde meine Kurse auf jeden Fall auch ins Netz stellen. Wir wollen mit einer gemeinsamen Trainingsplattform zu Jahresanfang beginnen, mal sehen was daraus wird!
Gruß Harald!