Aus dem Alltag: Rechtschreibung mal online

Kommentieren 03. November 2009

Der Titel mag es schon ein wenig verraten… das wird nicht der Tipp schlechthin. Vielmehr ein kurzes Statement zu etwas, über das ich bei Twitter gestolpert bin, das ich mir dann entgegen manch anderer Seite mehrfach angesehen habe und nun schließlich mal bis in den Unterricht gebracht habe.

Eigentlich war ich gerade dabei, HotPotatoes-Übungen zu erstellen und im Netz zu recherchieren als ich auf orthografietrainer.de stieß. Im Grunde ist der Aufbau nicht viel anders, als das, was ich selber vor hatte, sondern bietet eine Reihe von Rechtschreib- und Grammatikübungen, die in einer Abfolge von Korrekturen von den Schülern durchlaufen werden können. Interessant wird es dann dadurch, dass ich recht schnell über Copy/Paste aus einer Tabelle komplette Klassen importieren und anlegen kann, denen ich zudem einzelne Übungen als so genannte Hausaufgaben heraus- und zusammenstellen kann. Praktisch ist auch die Ausdruckmöglichkeit kleiner Schnipsel mit LogIn-Daten für jeden Schüler, so dass deren jeweiliger Fortschritt beobachtbar bleibt. Die Übungen selber sind in verschiedene Themen- und Schwierigkeitsbereiche unterteilt, so dass ich entweder der ganzen Klasse Aufgaben zuweisen kann, aber auch einzelnen Schülern (quasi eine Art Differenzierung ist möglich innerhalb der Klasse).

Soweit die Theorie…

In der Praxis habe ich doch etwas gezweifelt, bin dann aber der schnell verfügbaren Lösung sowie meiner eigenen Neugier erlegen. Meine Klasse war tatsächlich mit wenigen Klicks komplett importiert (natürlich anonymisiert – bzw. lediglich mit Vornamen). Auch die Auswahl der Aufgaben und die Zuordnung zu meinen Schülern klappte prima – bis hin zum ebenso erfolgreichen Ausdrucken der LogIn-Schnipsel. Aber eine Stunde nach dem Motto, dass alle vor einem Rechner sitzen und sich stumpf durch die Beispiel-/Korrektursätze klicken, sollte es auch nicht werden. Ich biete die Bearbeitung der Online-Aufgaben daher in offenen Lernphasen an, in denen sich die Schüler lernen selber zu organisieren, aus mehreren Angeboten auswählen bzw. längere Projekte weiterführen. Hier lässt sich orthografietrainer.de als ein Angebot einflechten und die Schüler können selber über Intensität und Dauer der Bearbeitung entscheiden.

Das hat bei den ersten Versuchen auch recht gut geklappt. Etwas ernüchert bin ich über die Auswertungen, bei denen mir das Programm nur anzeigt, welche der von mir ausgewählten Aufgaben ein Schüler durchlaufen hat und wie viele Fehler er gemacht hat. Ich sehe aber nicht, bei welchen Sätzen die Fehler auftraten. Und auch, wenn ein Lerner sich aus der Aufgabensammlung selber einen Aufgabensatz auswählt, wird mir dieses Resultat nicht angezeigt. Hier deuten die Entwickler auf der Seite aber bereits Verbesserungen für die Zukunft an.

Gelungen finde ich allerdings, dass dem Schüler bei einer falschen Korrektur auch nach mehrfachen Fehlversuchen nicht einfach die Lösung präsentiert wird. Vielmehr wird darauf gesetzt, dass der Übende selber auf die richtige Schreibweise kommt, zu der ihm dann auch im nächsten Schritt eine Erklärung zum Nachlesen angeboten wird. Das spiegelt auch die Idee der Entwickler wieder, die ihre Überlegungen in einem ausführlichen, didaktischen Kommentar erläutern. Zusätzlich baut das Programm Wiederholungsschleifen ein, wenn Fehler gemacht werden, um das orthografische Phänomen über weitere Sätze zu üben. Dadurch macht das Ganze – und so habe ich es auch bei den Schülern wahrgenommen – weniger den Eindruck des Paukens von Regeln.

In den beschriebenen Unterrichtsphasen, in denen Schüler frei arbeiten und sich auch im eigenen Zeitmanagement trainieren, passt so etwas ganz gut rein, da nicht alle zugleich am Rechner sitzen und der Lehrer somit auch die Chance hat, die Übungen immer wieder zu begleiten und helfend, erklärend über die Schultern zu schauen. Als zusätzliches Übungsangebot für zu Hause könnte ich es mir auch noch vorstellen, wohingegen ich es als verpflichtende oder zentralisiert durchgeführte Einheit problematisch finde.

Die mangelhafte Auswertung erfordert eine gewisse Präsenz des Lehrers, nicht zu Kontrollzwecken, sondern um die Schüler sinnvoll zu unterstützen. Ähnliches lässt sich natürlich sehr gut selber mit HotPotatoes integriert in Moodle (zu Auswertungszecken) erstellen – orthografietrainer.de nimmt einem im Alltag da aber bereits einige Arbeit ab und bietet auch die Möglichkeit, eigene Übungen einpflegen zu lassen. Ich bin gespannt, wie sich das Ganze entwickelt. Nach den offen eingebauten Übungen, bin ich aber zuversichtlich, es meinen Schülern öfters mal wieder als frewillige Lern- und Übungsstation anzubieten.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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