Schreibkonferenz 2.0 – die Zweite

Kommentieren 12. October 2009

Wer mit virtuellen Lernplattformen arbeitet, kennt das Problem, dass diese von zeit zu Zeit upgedated, erweitert oder neu strukturiert werden sollten/müssen. Im schulischen Umfeld ist dies recht einfach handhabbar, da in regelmäßigen Abständen Schulferien sind und die Zugriffszahlen in diesem Zeitraum deutlich zurückgehen und dem Administrator erlauben, die Plattform für einen gewissen Zeitraum in den Wartungsmodus zu setzen.

In mein Moodle erhielt am Wochenende ein Tool Einzug, mit dem ich schon länger liebäugel und welches ich mit mir selber über verschiedene Testzugänge auf seine Tauglichkeit getestet habe. Ich denke, es ist eine Erwähnung hier wert, da es auch indirekt aus einem vorherigen Post zu Schreibkonferenzen hervorgeht. Die dort präsentierten Gedanken und Tools haben mehr auf ein Problem hingewiesen als dass unterrichtstaugliche Lösungen präsentiert wurden. Und dies hat mir keine Ruhe gelassen:

  1. Ein Schüler erstellt einen Text
  2. Alle oder ausgewählte Mitschüler können den Text lesen (entweder begleitend im Entstehungsprozess oder erst nach Fertigstellung.
  3. Alle oder ausgewählte Mitschüler können Korrekturen einfügen (je nach Autorenfreigabe direkt in den Text oder als Kommentar möglichst an der betreffenden Stelle und nicht als Standardkommentar unten drunter).
  4. Der Autor hat die Möglichkeit, seinen Text anhand der Kommentare zu überarbeiten.

Ein Werkzeug, welches genau diese Optionen anbietet, ist Mediabird: in deutscher Sprache, übersichtlich gestaltet und sogar in Moodle integrierbar:

Besonders gelungen finde ich dabei die Freigabeoption für den Eigentümer einer Mappe, wobei entschieden werden kann, ob die anderen Schüler nur lesen und kommentieren dürfen oder in weiteren Abstufungen auch Schreibrechte erhalten:

Die Kommentare, die die Mitschüler oder auch der Autor machen, können darüber hinaus auch noch in unterschiedliche Kategorien sortiert werden, wobei es einfache Anmerkungen aber auch Fragen oder Probleme gibt, wobei letztere in den gemeinsamen Karteikasten gelegt werden und so alle Mitschüler sofort sehen, ob irgendwo noch zu Klärendes offen ist:

Diese Frage, Anmerkung, Problem usw. wird direkt neben der Zeile symbolisch abgelegt und der Text, auf den es sich bezieht hervorgehoben. Dadurch muss nicht im Kommentar wie bei einem Blog auf Zeilen verwiesen werden oder Absätze. Über die Frage-Funktion kann somit auch vom Autor gezielt eine Diskussion angeregt werden zu einer bestimmten Textstelle, bei der er sich evtl. unsicher ist. Außerdem ist sehr schön, dass diese unterschiedlichen Anfügungen als erledigt entfernt werden können, wenn der Ausgangstext entsprechend korrigiert oder die Anmerkung anderweitig geklärt wurde.

Damit wird kollaboratives und problemlösendes Arbeiten ermöglicht und der Autor behält Kontrolle über seinen eigenen Text. Die Integration in eine eigene Lernumgebung ist natürlich besonders attraktiv, da dadurch externe Registrierungen und Anmeldungen wegfallen und für die Freigaben sofort die Mitschüler aus dem Moodle-Raum angeboten werden oder eben die selber bzw. vom Lehrer angelegten Arbeitsgruppen. Nichts desto trotz ist Mediabird auch über die oben genannte Webseite unabhängig von der Lernplattform einsetzbar.

In meiner Moodle-Testumgebung mit 5 Test-Usern hat das prima funktioniert. Ich gedenke, dieses Tool nach den Ferien bei meinen 10ern einzusetzen und das bisher weitestgehend nur für solche kooperativen Schreibszenarien genutzte Exabis-ePortfolio zu ersetzen. Weiteres Feedback aus der Praxis folgt von mir und vielleicht auch anderen Bloglesern, die das nicht unbedingt marktneue Tool nutzen.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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