Kollaborative Gedanken zu Fronter & Co
Letzte Woche stand an meiner Schule eine Vorstellung der Lernplattform Fronter an. Ich möchte an dieser Stelle noch nicht zu viel über den internen Findungsprozess verraten. Für mich selber habe ich allerdings am Vorabend ein Brainstorming gestartet, um mir Vor- und Nachteile verschiedener Systeme (zugegeben vor allem im Vergleich zu Moodle) zu vergegenwärtigen und wichtige Fragen zu sammeln, die es bei der Überlegung der Einführung eines Lernmanagementsystems an einer Schule zu stellen und klären gilt. Ich habe dazu ein Etherpad aufgesetzt und mich nach den ersten Punkten dazu entschieden, über Twitter befreundete Kollegen/innen einzulagden, sich zu beteiligen und mir weiterzuhelfen. Innerhalb weniger Minuten fanden sich die Ersten bereit und an einem Abend haben wir – so finde ich – eine beachtliche Ideen- und Gedankensammlung zusammengetragen. Diese möchte ich nun mit einigem zeitlichen Abstand hier zur Verfügung stellen (da im Chat der eine oder andere “private” Gedanke geäußert wurde, entscheide ich mich für diese Variante der Einbettung). Über den TimeSlider ist es möglich, die Entwicklung sowie die Mitautoren (Felix Schaumburg, Matthias Heil, Profimami, Martin Lindner) nachzuvollziehen. Vielleicht hilft das ja jemandem, der evtl. gerade mit ähnlichen Überlegungen befasst ist.
UPDATE: Da die Einbettung die Struktur von Wordpress schwer gestört hat und unter anderem Kommentare verhinderte, belasse ich es beim Verlinken:
Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

Anmerkung zur Genese: Der Prozess hat mir eine Schwäche/Herausforderung der Arbeit mit Etherpad vor Augen geführt: Ein recht lebendiger Diskussionprozess verläuft sich ohne ordnende und Doppelungen löschende Hand trotz der Möglichkeit, direkt an einer bestimmten Stelle “eingreifen” zu können. Erst die beiden letzten Fassungen bieten eine m.E. halbwegs übersichtliche Form. – Wenn es schon uns Erwachsenen so geht, wie viel schwieriger wird es dann jungen Lernenden fallen, sinnvoll und zielorientiert mit diesem Werkzeug umzugehen… – Kurzum: Etherpad ist ein faszinierendes Tool, dessen Unterrichtseinsatz jedoch sehr gut durchdacht sein will, um nicht Unübersichtlichkeit respektive Frust zu produzieren.
Nun noch ein paar inhaltliche Anmerkungen:
(1) Moodle kommt trotz dessen Grenzen und Frustrationspotenzial doch mit recht deutlichem Vorsprung ins Ziel, v.a. da es Open Source ist, es sich einer riesigen und i.d.R. hilfsbereiten Entwicklungs- und Erweiterunscommunity erfreut und sein Erhalt langfristig gesichert erscheint.
(2) Hauptproblem mit/bei Moodle: Es muss jedoch immer jemanden (oder besser: einen aus mehreren KollegInnen bestehenden Stab) mit viel Elan und Zeit geben, der sich um die Einrichtung, Adaption und Pflege des Systems kümmert – und da wird es an vielen Schulen schwierig, da das EDV-kompatible Personal häufig schon durch die Hardware-Unterhaltung völlig überlastet ist (Entlastungsstunden für dieserlei Arbeit gibt es kaum). – Deswegen sind in solchen Fällen Fronter und Lehrer-Online als technisch “fremdadministrierte” Lösungen vielleicht doch nicht die übelsten Ansätze, auch wenn sie bei Freaks zeitweise Tränen und Übelkeit hervorrufen. – Wenn mit Moodle 2.0 tatsächlich attraktive Hostingangebote kommen wie angekündigt (vergleichbar mit Wordpress.com), ist dieses Hauptproblem gelöst.
(3) Zur zweiten Moodle-Kritik: Dass es optisch noch besser wird, könnte vielleicht durch einen groß aufgezogenen Design-Wettbewerb mit vernünftigen Preisen (René, du hast doch klingende Verbindungen, frag’ doch mal, ob die so was finanziell supporten!) erreicht werden. Moodle-Skinning ist jedoch nicht gerade leicht, was z.B. die Beschränkung auf den deutschen Raum nicht sinnvoll erscheinen lässt.
(4) Ein ganz wesentlicher Punkt scheint mir die in Deutschland aus datenschutzrechtlichen Gründen gebotene Trennung zwischen Organisation und Inhalt zu sein: Da sollten Überschneidungen mit bestehenden Systemen vermieden werden. Das in Hessen ziemlich flächendeckend benutzte gpUntis bietet KollegInnen eine Reihe an organisatorischen Hilfsmitteln, wenn es vernünftig konfiguriert/eingesetzt wird. Da gpUntis jedoch mit dem Zentralserver (stark vereinfacht ausgedrückt) verbunden ist, auf dem auch alle Noten gespeichert sind, ist eine Moodle-Integration – aus nachvollziehbaren Gründen – ausgeschlossen. – Ein digitales Klassenbuch lässt sich m.E. besser und sinnvoller über gpUntis führen als über Moodle. – Auch systematisch ist es mir sympathischer, die beiden Bereiche getrennt zu halten (konsequenterweise nutze ich auch die Notenbuch-Funktionalität von Moodle – noch? – nicht).
(5) Last not least noch einmal zur LMS/PLE-Thematik: Mit etwas Abstand frage ich mich, ob per Moodle nicht doch beides möglich ist: Durch Kombination mit dem Exabis-Portfolio-Block oder (für die Vermögenden, da teure InnoDB-Datenbankfähigkeit erforderlich) mit Mahara wird diese Tür geöffnet, da ja zu einem frei definierbaren Personenkreis veröffentlicht werden kann.
Kurzum: Wir sollten m.E. bemüht sein, Moodle besser zu machen statt aus Bequemlichkeit auf unterlegene Systeme zu setzen – so verlockend sie auch sein mögen.
Interessant, einen Entscheidungsfindungsprozess so nachvollziehen zu können.
Wir haben Fronter vor einiger Zeit vorgestellt bekommen, als es um die Einführung einer landesweit nutzbaren Plattform ging. Sehr “sleek”, trotzdem ist Moodle in vielerlei Hinsicht vorzuziehen – da ist Matthias in Punkt 1 und 3 zuzustimmen.
Ich meine auch, dass LMS / LPE mit Moodle zu machen ist, hängt sehr an konkretem Einsatzszenarium und Kursstruktur (vgl. die zb. unter http://watueueh.wordpress.com/2009/08/18/moodle-trenne-content-und-aktivitat/#comment-54 angestellten Überlegungen zur Trennung von Content und Aktivitäten), der Nutzung z.B. der Blogfunktionalitäten und der Einbindung externer Dienste wie Mahara.
Es müssen halt noch mehr Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen didaktischen Szenarien her , in unterschiedlichen Fachzusammenhängen und Altersstufen – und das scheint im Moment ja in der Breite zu passieren.
Meister Heils Fazit ist da zuzustimmen
Danke für die Feedbacks.
Zur Verwaltung: Das geld, dass ich in Fronter stecke, kann ich auch in eine studentische Hilfskraft oder ähnliches stecken, die die Verwaltung eines Moodles zumindest unterstützt. Dass ein schulweites Lernmanegementsystem nicht von einem Kollegen mit einer Entlastungsstunde gestemmt werden kann, sollte gar nicht diskutiert werden müssen.
Der Moodle-Theme-Contest ist ne nette Idee
Zur Verbindung als PLE: Auch Exabis und Mahara sind voirgegebene Tools und stören mich bei der Definition von “personal”. Welcher Schüler wird schon Exabis (Mahara vielleicht schon eher) außerhalb der Schule intensiv nutzen? Wir sollten nicht hinter die Forderung der offenen Schnittstellen für jede externe Plattform zurücktreten.
@Matthias – Du bemängelst bei Mahara die InnoDB-Abhängigkeit. Ich versteh nicht recht, wieso das so teuer sein soll… Innodb selbst ist GNU-lizenziert, und die entsprechende Funktionalität in MySQL sollte bei den Providern (zumindest bei denen, auf deren Angeboten Dinge wie Moodle überhaupt unter Last lauffähig sind) eigtl inklusive sein.
Ich hab grad mal geschaut – bei meinem wirklich nicht teuren Hoster (all-inkl.com) ist’s dabei…
Oder versteh ich jetzt was falsch?
Bin bei HostEurope, da würde es 30-40 Euro im MOnat kosten, so die Support-Auskunft; da HostEurope in Vergleichstests eigentlich ganz gut dabei war, als es für mich um die Hostingfrage ging, habe ich – vielleicht verfrüht? – auch auf andere Anbieter geschlossen…
Was genau meinst du mit “vorgegebenes Tool” bzw. was stört dich daran? Der Exabis-Block ist durchaus offen: eigene Arbeit kann im SCORM-Format mitgenommen und in andere Portfolio-Systeme eingespielt werden…
Ist ja ganz nett für Open Source Systeme zu plädieren, aber dieser Blog macht doch die Probelmatik deutlich: Der Link zur Lernplattform-Analyse funktioniert leider nicht. Professionell betreute Systeme garantieren zumindest Auffindbarkeit von Inhalten und Wartung der Systeme.