Lernen 2.0-Serie in der TAZ
Die TAZ hat vor kurzem ein neues Interview mit Olaf Kleinschmidt, der auch als “IT-fittester Lehrer Deutschlands” bekannt ist, veröffentlicht (“Schule und Computer sind sich fremd”). Ob allerdings 250,- € mehr im Monat Lehrer dazu bringen, IT im Unterricht einzusetzen und ob der Staat das finanzieren wird, lasse ich mal dahingestellt (Kommentare willkommen
.
Übrigens ist das Interview der letzte Beitrag einer ganzen Reihe zum Thema, die man sich bei Gelegenheit mal zu Gemüte führen kann:
“Zuletzt zeigte Oliver Pohlisch Lernen 2.0 als Hilfsmittel für Risikoschüler. (tiny.cc/starthilfe), Timo Hoffmann schrieb über elektronische Tafeln (tiny.cc/whiteboard). Seminarräume, Klassenzimmer und Hörsäle haben bald ausgedient (tiny.cc/marinic). Der erste Beitrag der Reihe, über die gesellschaftlichen Auswirkungen des Web 2.0 (tiny.cc/fxo3x), stammte von Ulrich Klotz. Danach schrieb Meike Laaff, wie Blogs zur Zukunft des Lernens werden (tiny.cc/N5Iqp). Lisa Rosa entwickelte eine Theorie des neuen Lernens (tiny.cc/lisarosa). Es folgen weitere Stücke über das neue Lernen.”
Das mit Malus verbundene Belohnungs-Prinzip für IT-nutzende Lehrkräfte könnte m.E. durchaus ein Renner werden – wenn es Geld dafür gäbe. Primär müsste das Geld in die Entwicklung prototypischer Unterrichstarrangements fließen, die für Non-Geeks leicht anpassbar sind. Mit ein bisschen Fantasie lassen sich diese beiden Ideen sicher systemisch verbinden?!
Die IT-Prämie hätte nur dann wirklich einen Sinn, wenn sie dafür gezahlt würde, dass die Lehrer, die innovators für modernen Unterricht sind, ihre Erfahrungen damit publizieren und zur Diskussion stellen. Aber im Ernst: Viel mehr Sinn würde es machen, den Lehrern, die IT einsetzen, Stundenermäßigung zu gewähren, weil sie Neuland betreten, wo sich noch keine Routinen entwickelt haben können, und die darum Zeit brauchen, um eine neue Praxis zu entwerfen, zu erproben und auszuwerten.
Ja, mit dem Vorschlag Lehrkräften ZEIT zu geben, kann ich mich auch besser anfreunden. Hier machen uns andere Ländern (mal wieder) etwas vor, wenn zB in niederländischen Schulen die Arbeitszeit von Lehrkräften zunächst nur zu 60-Prozent für Unterricht und Vorbereitung verplant ist. Der Rest steht dem Schulleiter zur Disposition zur Verfügung. Er kann damit seine Leute so einsetzen, wie es die Schule braucht und wie es für die Leute interessant ist. Das kann dann zu 100% Unterricht führen oder zu großen Anteilen Unterrichtsentwicklung, interne Fortbildung, (Medien-)Konzeptarbeit. Also:
Zeit für die Lehrkräfte und
Freiheit für die Schulleitung
Ich dachte kürzlich schon mal darüber nach, was passiert wenn man Lehrern mehr Zeit gibt. Welche Veränderung ergibt sich daraus? Und welche Veränderung ergibt sich aus wie viel mehr Zeit man gibt?
Ich spekuliere mal:
Statt 25 Stunden Unterricht der Lehrer nur 20 Stunden.
Vermutete Folge: 80% der Lehrer sagen, jetzt reduziere ich meine Überstunden. Ok, verständlich. Der Unterricht verändert sich aber noch nicht.
Was passiert bei 18 Wochenstunden Unterricht?
Was passiert bei 15 Wochenstunden Unterricht?
Zeit ist m.E. nur ein Faktor. Der zweite ist Einstellung und Haltung.
“Wir sind hier am Gymnasium und da wird so gelernt.” hörte ich erst kürzlich.
“Die Mäuschen von der Grundschule” Sek II -Lehrer über junge Kolleginnen aus der Grundschule in ernst gemeintem, despektierlichem Ton. Viele pädagogisch-didaktische Innovationen sind erfolgreich in der Primarstufe umgesetzt worden. Leider gehen sie in der Sekundarstufe häufig verloren. In den berufsbildenden Bildungsstrukturen werden selbstgesteuertes und gruppenbasiertes Lernen aber wieder gefordert. Das trainert der Unterricht in der Sekundarstufe häufig – natürlich verbietet sich jede Verallgemeinerung – wieder entlernt.
Natürlich sind 25 U-Std. zu viel. Natürlich sind Klassengrößen oberhalb von 25 zu groß.
Nur machen es sich Schulsysteme auch extrem schwer, wenn sie jeden Lehrer als Einzelkämpfer bis zum burnout ‘rotieren’ lässt und nicht mit fachbezogenen und fachübergreifenden Teams arbeitet.
Danke
Ich staune immer wieder, wie konkret und präzise manche Außenblicke auf Schule sein können. Solche Beiträge sollten wir uns als Lehrer, die wir zu oft mit der internen Sichtweise herumlaufen, öfters mal gefallen lassen.