Die ersten Wochen – aus digitaler Sicht

Kommentieren 20. September 2009

Die ersten Schulwochen sind bekanntlich immer mit diversen Zusatzaufgaben vor allem im koordinativen und strukturellem Bereich belastet. An einer neuen Schule und erstmals in der Verantwortung als Klassenlehrer nimmt diese Herausforderung nochmal ganz spezielle Formen an. Nun habe ich hier im Blog bereits auf vielfältige Weise darauf hingewiesen, dass in solchen Situationen die neuen, digitalen Medien eine Hilfe bzw. Unterstützung darstellen können.

Im Folgenden möchte ich daher einen kleinen Überblick – zugegeben auch etwas reflexiv für mich selber – geben, bei dem ich besonders auf die eingesetzten Tools schauen möchte:

  1. Schulfix: Schulfix ist zugegeben kein kostenfreies Werkzeug, hat sich aber bereits über meine Referendariatszeit mehr als bewährt und nun auch zu Schuljahresbeginn direkt wieder sehr treue und zuverlässige Dienste erwiesen. Schnell und unkompliziert konnte ich die Schüler mit allen wichtigen Daten einpflegen, die ich dann gezielt wieder ausgeben kann: Telefonlisten, Serienbriefe an die Eltern, Geburtstagskalender, Einzelaufstellungen für die Fachlehrer usw. Darüber hinaus werden die immensen Einsammelaktionen von Rückläufen mit Elternunterschriften über die Checklistenfunktion von Schulfix bestens handhabbar – schnell abgehakt, welcher Schüler welchen Schnipsel wieder zurückgebracht hat. Die Sitzordnung ist mit dem internen Sitzplangestalter übersichtlich gestaltbar und inkl. der Schülerporträts auch für die Fachlehrer eine Hilfe, die evtl. nur einige Stunden in der klasse sind und bei der anfangs öfteren Änderung der Sitzordnung (zum Kennenlernen).
  2. Moodle für Schüler: Dieses Web 2.0-Tool sollte wohl dem regelmäßigen Blogleser inzwischen ein Begriff sein. Natürlich kann man die Schüler nicht vom ersten Tag an auf die Plattform loslassen, da diese bedarfsorientiert und schülergerecht zugeschnitten werden sollte. Welche Tools innerhalb von Moodle oder welche Struktur für die jeweilige Lerngruppe die richtige ist, bedarf eines gegenseitigen Kennenlernens – insbesondere des Arbeitsverhalten der Lerngruppe. Erst danach ist man als Lehrer in der Lage, den Lernern eine Plattform zur Verfügung zu stellen, die unterstützt, fördert und auch fordert. Hier ist Moodle einzigartig, da es in meinen Augen die derzeit einzige Plattform für den schulischen einsatz ist, die sowohl eine ausreichende Vielzahl an Werkzeugen bereithält, in sich aber dennoch flexibel genug ist, sie an die Lerner anzupassen. Viele statische Lernplattformen, die mit einem statischen Layout und einer nur vereinzelt austauschbaren Struktur daherkommen, vernachlässigen in meinen Augen den Aspekt der Schülerorientierung, indem sie in gewisser Weise einfordern, dass sich die Schüler der Lernplattform anpassen. man könnte fast behaupten, die Schüler müssten die Plattform erlernen. Richtiger wäre es jedoch, wenn die Plattform lernfähig wäre und sich den Schülerbedürfnissen anpasst. Im Rahmen des PC-Trainer-Projekts, bei dem 9.-Klässler ausgebildet werden, eigenständig die 5.-Klässler zu unterrichten, wie sie effektiv mit dem Rechner umgehen (einzelne Software wie Textverarbeitung, Präsentationen, Datenbanken usw.) und sich um Web sicher bewegen, versuche ich derzeit, diese Anpassung an die Schüler möglichst genau zu gestalten und freue mich darüber, wie weit ich in den Aufbau von Moodle eingreifen und gestalterisch aktiv werden kann.
  3. Moodle mit Kollegen: In meinem Team wurde ich für die wöchentlichen Teamsitzungen zum Protokollanten erkoren. Nach den ersten handschriftlichen Mitschriften, die ich dann in digitale Form brachte, ausdruckte und per Mail verteilte, gehe ich nun dazu über, die Protokolle direkt in ein Wiki innerhalb eines Teamraumes in Moodle zu tippen. So erhält jede Sitzung eine eigene Wiki-Seite und ist zudem für Verbesserungen und Ergänzungen durch die anderen Kollegen zugänglich. Und die Mitschrift ist sofort nach Sitzungsende verfügbar. Ein Export für den (Sicherheits-)Ausdruck ist problemlos. Ebenso lassen sich in diesem kollegialen Moodle-Raum Dateien ablegen, deren Größe für einen Mailversand zu unhandlich sind und die Postfächer unnötig belasten würden.
  4. Moodle für Eltern: Dies ist eine Idee, die ich am ersten Elternabend aus Zeitgründen nur kurz angedeutet habe, beim nächsten aber wohl nochmals genauer erläutern werde. Eingerichtet ist der Raum aber bereits und bekam seine erste Funktion zur Bereitstellung von Elternbriefen und Fotos vom Sportfest in einem Fotoalbum. Ich bin selber gespannt, wie und ob ein solches Angebot von den Eltern angenommen wird. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Diskussionen übers Forum, Abstimmungen zu Meinungsbildern, immer aktuelle Kontaktdaten über die Profile, Kalender zu wichtigen Terminen und Bekanntmachungen usw. Ich werde berichten, wie dieses Projekt weiter verläuft.
  5. Dropbox: Dieses Synchronisationswerkzeug ist eine wunderbare Arbeitserleichterung. Über das Internet werden somit alle Dateien nicht nur zugänglich, sondern auch im Hintergrund über mehrere Rechner ausgetauscht. Damit hat man überall Zugriff auf seine Materialien. Und ohne mir weitere Gedanken zu machen, kann ich daheim arbeiten und weiß genau, dass ich sofort alles synchron habe, wenn ich in der Schule das schultaschenfreundliche NetBook aufklappe (also auch über die Betriebssystemgrenzen hinweg problemlos einsetzbar). Und spätestens, wenn man mit zwei Klicks einzelne Dateien (z.B. Arbeitsblätter) öffentlich zugänglich machen kann und den Kollegen nur noch rasch die entsprechende URL reichen muss, statt ganze Dateien zu transferieren, zeigt sich die Effektivität des Tools.
  6. Kalender: Ein Kalender ist wohl für jeden Lehrer neben dem Schulschlüssel das wichtigste, alltägliche Werkzeug. Am bekanntesten und manchem traumatisch im Gedächtnis verhaftet sind wahrscheinlich diese kleinen, roten Büchlein – gesponsort von einer Kreditinstitut-Kette. Digital geführt, ergeben sich bei einem Kalender aber Zusatzfunktionen, die nicht zu unterschätzen sind. So führe ich am Mac über BusyCal (kostenpflichtig) und unter Windows über Calgoo (auch für alle anderen Betriebssysteme kostenfrei erhältlich) mehrere Kalender parallel (z.B. privat, für schulbezogenes, für einzelne Klassen, für Eltern relevantes usw.), die – und deswegen sind die genannten Tools sehr praktisch – automatisch über Google Kalender synchron gehalten werden (ein z.B. in Calgoo oder am Handy getätigter Eintrag ist sofort online, mobil und an allen anderen Rechnern vorhanden). Die Synchronisation über eine Online-Plattform wie Google hat dann weiter den Vorteil, dass ich gezielt einzelne dieser Kalender freigeben kann und dem jeweils betreffenden Personenkreis per Link zugänglich mache. Auftretende Änderungen werden sofort sichtbar und jeder ist immer auf dem aktuellen Stand. Dies war sehr effektiv bei der Koordinierung der Kennenlerngespräche mit unseren Eltern der neuen 5. Klasse, die so einfach Termine schieben konnten und die anderen direkt diese Änderung verfolgen konnten.
  7. Terminabsprache: Leider bisher nur auf Englisch verfügbar und von mir erstmals vor 3 Wochen aktiv eingesetzt, ist ein Web 2.0-Tool, über das es möglich ist, Terminanfragen zu stellen, die dann automatisch mit dem jeweiligen Kalender synchronisiert werden: Tungle. Ich entscheide, welche Kalender mit Tungle synchronisiert werden, erhalte eine eigene Seite, die ich an Eltern, Kollegen usw. weitergeben kann und über diese sehen die Personen, wann ich z.B. für ein Elterngespräch oder Schülersprechstunden Luft hätte (bei Terminen wird nur angezeigt, dass ich “busy” bin – aber nicht womit ich beschäftigt bin). Dann kann eine Anfrage mit mehreren Terminvorschlägen generiert werden, die ich per Mail erhalte und mir einen Vorschlag aussuchen kann oder einen neuen vorschlage. Sobald beide Seiten Einverständnis signalisieren, wird automatisch der Termin bestätigt und in meinem Kalender synchronisiert. Veränderungen – egal wo ich sie vornehme – werden dem Teilnehmer automatisch signalisiert. Das Tool wird hoffentlich – so die jedenfalls angedacht – bald mehrspachig und dann sehr schultauglich. Möchte man evtl. keine Termine in bestimmten Zeiträumen – z.B. nach 18 Uhr – legt man sich einfach einen Kalender an, in dem täglich oder wöchentlich wiederholende “Leertermine” liegen, die dann in Tungle automatisch “busy” signalisieren, die man in den eigenen Kalendertools nicht einblendet.
  8. Kollaboratives Arbeiten: Google Docs bietet ein nahezu vollständiges Online-Office an (dass es zu diesem Zwecke z.B. auch Zoho gut eignet, wurde im Blog bereits erwähnt). In der ersten Sitzung mit den PC-Trainern ging es darum, die Schüler der 4 5. Klassen auf die Computerräume und Trainer zu verteilen – und das ganze noch in zwei Schichten. Über eine Google Tabelle habe ich den Schülern die Klassenlisten zur Verfügung gestellt. Und simultan über mehrere Rechner haben die Schüler dann die einzelnen Schüler so neu arrangiert, dass wir eine schöne Übersicht bekamen. Diese Tabelle ist im Moodle-Raum verlinkt und steht somit jederzeit zur Verfügung. Nachdem der eindrucksvolle Vorgang der sich wie von Geisterhand verändernden, per Beamer an die Wand geworfenen Tabelle abgeschlossenen war, habe ich die Schreibrechte geändert, so dass wir diese Tabelle nun an die 5er weitergeben können, die so sehen, wann sie in welche Gruppe eingeteilt wurden. Auch dringende Einzeltauschwünsche sind somit durch schnelles Hin- und Herschieben ohne größeren Aufwand realisierbar. Auch die jeweiligen Klassenlehrer haben bei einem solchen jahrgangsübergreifenden Projekt immer Überblick, wo sich ihre jeweiligen Schüler gerade befinden. Ähnlich verfahren wir auch via Mindmeister mit Mindmaps, in der wir Kriterien für gutes Computertraining, Bestandteile der einzelnen Sitzungen usw. sammeln. Ausgangsbasis oder Sammelpunkt hierfür ist wiederum der Moodle-Raum.
  9. Mobil: Dies ist vorerst mal der letzte Aspekt dieser Zusammenstellung, da dieser alles bündelt. Denn alle gennannten Werkzeuge haben den Vorteil, dass sie entweder über mein Mobiltelefon (Windows Mobile) sinchroniziert werden oder aber zugänglich sind und mir Zugriff erlauben. Ich kann die Checklisten in Schulfix übers Handy führen, kann Kalendereinträge machen, aufs Moodle zugreifen und bin somit nicht mehr auf den Zugang über einen Computer angewiesen.

Damit wird wohl ganz gut deutlich, wie praktisch und vielfältig die digitalen Tools inzwischen sind und wie harmonisch sie sich in den Schulalltag einbetten lassen. Die Erleichterung ist für mich kaum beschreibbar und zeigt sich erst im praktischen Einsatz mit seinem vollen Potential. Natürlich muss jeder selber schauen, welche Struktur für ihn passend ist, was eine Erleichterung bedeutet. Selbstverständlich braucht jedes Werkzeug eine kurze Eindenkphase, ich habe habe aber bewusst hier nur diejenigen Tools aus meiner alltäglichen Nutzung aufgeführt, von denen ich glaube, dass sie schnell verständlich und damit nutzbar sind.

ich würde mich freuen, wenn die Kommentarfunktion genutzt wird, weitere Tools kurz vorzustellen – ich weiß, dass einige Kollegen, die diesen Blog lesen, weitere Plattformen, Software und Web 2.0-Angebote nutzen, die ich kenne, aber noch nicht in meine Struktur integriert habe.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

Share