Brauchen wir neue Regeln?

Kommentieren 14. August 2009

Auch in Vorbereitung des neuen Schuljahres (womit Klassenmanagement etc. einhergehen – ich sammele derzeit in einem Drop für Klassenlehrer) stolpere ich seit einigen Tagen an den verschiedensten Stellen immer wieder über die “New Classrom Rules” von Rob Jacobs:

Durch das immer erneute Auffinden, habe ich die Regeln nun ein paar Mal gelesen. Und jedes Mal frage ich mich, wie die Klassenräume aussehen, in denen diese Regeln befolgt werden. Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht so richtig vorstellen. Liegt das daran, dass es derzeit noch ziemlich utopisch klingt (z.B. Regel 1 und 4)? Oder daran, dass so strikt zwischen mündlicher/direkter und schriftlicher/virtueller Kommunikation getrennt wird? Ich glaube, was mir Schwierigkeiten bereitet, ist die Koppelung von Verhalten an Medien bzw. Technik. Es hat den Anschein, dass manches hier gilt, dort aber wieder nicht und andersherum. Wie eine Ausnahme steht da Regel 10: Be polite, courteous, and respectful at all times in both physical and virtual space.

Würde nicht diese eine Regel eigentlich schon ausreichen? Was auffällt ist zum Einen die starke Koppelung von Verhaltensweisen ans Medium. D.h. es wird ein Art Kodex eingefordert, der eng oder ausschließlich an einen virtuellen Raum geknüpft ist. Und zum Anderen wird immer von der gewohnten Sichtweise ausgegangen, um dem dann “das Neue” entgegen zu setzen. Damit wird dem Medium und dem virtuellen Raum eine besondere Rolle zugewiesen, die sie ab- und heraushebt.

Ich finde diese Regeln sehr beachtenswert, da sie im Hintergrund vielmehr auf bestehende, noch nicht endgültig gelöste Probleme hindeuten und weniger auf wünschenswerte, zukünftige Szenarien. Wir werden diese neuen Klassenraumregeln also in meinen Augen nicht brauchen, wenn wir die neuen Medien als reguläre, alltägliche Arbeitsinstrumente integrieren können und sie nicht mehr die Ausnahme bilden. Die formulierten Regeln zeigen uns aber deutlich, an welchen Stellen wir noch arbeiten müssen, wir also noch nicht beim Angestrebten angekommen sind:

  • Ausstattung (Regeln 1 und 2)
  • Verfügbarkeit (Regel 4)
  • Integration in Lern- und Lehrszenarien (Regeln 3, 5, 6, 11 und 14)
  • Rollen von Lerner und Lehrer (Regeln 3, 9, 13 und 14)

Ich bin mir sicher, dass dieser Regelkatalog vor 5 Jahren noch ganz anders – viel rudimentärer – ausgesehen hätte.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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