Medienkompetenz: Webrecherche in Teamarbeit

Kommentieren 02. August 2009

Medienkompetenz setzt sich aus verschiedenen Fähigkeiten zusammen – was sich nicht zuletzt aus der Mehrzahl der unterschiedlichen Medientypen ergibt. Im Grunde steckt aber sehr oft ein klassischer Dreischritt hinter der Auseinandersetzung mit medial aufbereiteten Informationen:

  • finden
  • evaluieren/bewerten
  • selektieren (also die Funde aus dem ersten Schritt mit Hilfe des zweiten sinnvoll zu begrenzen)

Erst danach ist es ergiebig bzw. sinnvoll, damit weiter zu arbeiten und in einen neuen, eigenen Kontext zu stellen. Ich habe nicht selten die Erfahrung gemacht, dass Schüler sich da überschätzen. Deshalb laufen auch (oft gut gemeinte) Arbeitsaufträge à la “recherchiert mal im Netz zu XY” schnell ins Leere. Die Schüler sammeln eine Unmenge an Informationen, Webseiten, Bildern und Videos. Ihre Fertigkeiten, etwas zu finden, ist dabei bemerkenswert. Sollen sie dann aber damit zu Ergebnissen kommen, wird es schwierig, da es ihnen nicht gelingt, den zweiten und dritten Schritt zu gehen, nämlich aus der Fundmenge ein qualitatives Extrakt zu produzieren.

Ich habe dies im vergangenen Schuljahr immer wieder versucht aufzubrechen. Dazu ist natürlich die Aufgabenstellung als solche wichtig. Aber auch das Medium, über das dies laufen kann. In meinem Fall war dies Moodle mit einer Datenbank oder später einem Glossar, in dem wir alle relevanten Internetseiten sammelten, um sie danach gegenseitig zu bewerten und zu kommentieren. Anschließend kristallisieren sich die besten Seiten zum Weiterarbeiten schnell selber heraus (häufige Nennung, positive Kommentare), oder man konnte sie mit einem Rating finden lassen. Von der grundsätzlichen Idee war dies mehrfach sehr effektiv, da die Schüler lernen, auf Urheberschaft, Aktualität, Relevanz und Verständlichkeit für die Zielgruppe usw. zu achten. Das Kopieren von URLs in eine separate Sammlung war aber recht umständlich.

Daneben gibt es bereits diverse Linksammlungen, die auch in den Browser integriert mit wenigen Klicks eine Seite zu einer Sammlung hinzufügen. Dabei steht allerdings der Sammelnde im Mittelpunkt und nicht die Seite/Information. Eine ansehnliche Möglichkeit scheint mir der schweizer Dienst Tick’n’Talk zu sein:

Mit den so genannten Ticks setzt man quasi Lesezeichen zu der Seite, die man gerade betrachtet. Mit den Talks hinterlässt man kurze Kommentare, die dann jedem anderen Nutzer angezeigt werden, der die selbe Seite aufruft. Damit sind Diskussionen über eine Seite bzw. Informationsaustausch dazu möglich, ohne das Browserfenster verlassen zu müssen. Über die Freundschaftsfunktion kann man sich untereinander verbinden, so dass man als Gemeinschaft effektiver zusammenarbeitet (Ticks und Talks von Freunden anzeigen lassen, antworten usw.). Vorstellbar wäre auch, hierzu bestimmte Beobachtungsaufträge zu geben: einzelne Schüler finden heraus, wer hinter einer Seite steckt, andere kommentieren den Informationsgehalt, weitere die Verständlichkeit usw.

Ebenso beinhaltet das Tool die Möglichkeit, Kommentare zu bewerten mit einem “Daumen hoch” oder “Daumen runter”. Damit hat man neben dem einfachen Austausch auch zugleich ein Ratingsystem, was erlaubt, qualitativ zu sortieren. Für den einzelnen Nutzer besteht noch die Favoriten-Funktion, um besonders interessante Seiten für sich selber vorzumerken. Somit ergibt sich eine potentielle zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen: Favoriten für mich selber setzen, Ticks auch für andere und schließlich kommentierende Talks mit Wertungsmöglichkeiten. Einen ersten Überblick über den Funktionsumfang liefert die Hilfe-Seite.

Technisch erfordert Tick’n’Talk den Internet Explorer oder Firefox-Browser. Eine Installation ist einmalig erforderlich. Ebenso wie die Registrierung mit Nutzernamen und E-Mail-Adresse. Danach erscheint ein Button in der Symbolleiste, welcher das Tool in der Seitenleiste lädt. Da man sich jederzeit ein- und ausloggen kann, ist es durchaus möglich, es auch auf Schulrechnern zu verwenden, die von mehreren Schülern genutzt werden. Schön ist auch, dass Tick’n’Talk komplett auf Deutsch verfügbar ist.

Somit wird es möglich, gemeinsam oder in Teams Internetrecherche zu betreiben und die Mitschüler über Funde und Bewertungen zu informieren. Die Informationen sind nicht mehr nur userzentriert wie bei Link- und Lesezeichensammlungen sondern können dem jeweiligen Content zugeordnet werden. Sehr gelungen finde ich auch, dass das Tool zwischen Einzelseite und Domain differenzieren kann. Dies ist hilfreich, wenn es Unterseiten gibt und die Kommentare so an verschiedenen Stellen landen – die Domainsparte bringt alle gemeinsam zum Vorschein (z.B. wenn Zeitungsportale verglichen werden sollen). Ebenso gefällt die direkte Antwortmöglichkeit, was keine anonyme oder willkürlichen Dialoge schafft, sondern wenn jemand auf meinen Kommentar reagiert, habe ich einen direkten Bezug und kann mich verbessern/korrigieren/verteidigen.

Ich bin von den Möglichkeiten durchaus angetan und kann mir vorstellen, dass Schülern dadurch eine intensivere Auseinandersetzung mit einzelnen Medieninhalten im Web ermöglicht werden kann – auf einfache und unkomplizierte Art und Weise. Sowohl das Sammeln von Informationen als auch das (gemeinsame) Bewerten kann geschult werden. Ich denke aber, dass dabei – wie eingangs angedeutet – der Arbeitsauftrag erneut von besonderer Bedeutung ist. Dies ist kein Freifahrtschein für “Recherchiert mal”-Aufträge. Zu Beginn wird es sicher sinnvoll sein, ausgewählte Webseiten zu präsentieren und die Schüler mit Hilfe des Tools gezielt kommentieren zu lassen. Nach meiner Erfahrung braucht es Training und Erfahrungen (gemeinsam oder zumindest in Teams), Bewertungskriterien zu finden, sie sinnvoll anzuwenden und eine gemeinsame Sprache zu finden, die keinen verletzt und dennoch Kritik ermöglicht (und das gilt genauso für die scheinbar anonyme Person, die eine Webseite erstellt hat!).

Ich werde es bei Gelegenheit (nach den Ferien) mal mit Schülern ausprobieren und in den Kommentaren berichten.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler

.

Share