Moodle meets Google Apps

Kommentieren 29. June 2009

Ich gebe zu, dies ist kein Post für den Neuling auf dem Gebiet der neuen Medien im Unterricht. Und ich gebe zu, dass dieser Beitrag auch zu großem Teil meinem eigenen, aktuellen Interesse entspringt. Allerdings halte ich es durchaus für erwähnenswert.

Das Schuljahr geht langsam zu Ende. Dies war mein erstes Jahr (angesichts meines beendeten Referendariats auch nicht verwunderlich), welches ich komplett mit Moodle bestritten habe. Ich bin damit sehr zufrieden, gebe aber auch offen zu, dass es da einige Dinge gab, die mich etwas gefuchst haben. Vor allem im Bereich der Kollaboration über die Plattform stand ich öfters vor dem Problem, dass das Moodle-Wiki nicht so wollte wie ich und im Unterricht immer wieder Klagen der Schüler laut wurden. In den letzten Wochen bin ich dann zunehmend – auch um diese etwas genauer auszuprobieren – auf andere Dienste ausgewichen, die die zeitgleiche (Zusammen-)Arbeit an Texten und Dateien erlauben. Moodle war dann nur noch Ausgangsbasis, von der aus verlinkt wurde. Das ist unbefriedigend, da neue Accounts notwendig werden oder die Schüler durch das Hin- und Herspringen zwischen mehreren Diensten von der eigentlichen Aufgabe abgelenkt werden. Zumal, wenn etwas nicht reibungslos funktioniert, geht viel Zeit verloren, was sich bei mehreren Diensten natürlich potenziert. Dass man Moodle und WordPress miteinander verbinden kann, habe ich bereits in einem anderen Beitrag gezeigt:

Moodle und WordPress from R. Scheppler on Vimeo.

Für die kommenden Sommerferien habe ich mir nun vorgenommen, die Plattform komplett neu aufzusetzen, wobei natürlich sofort die Frage auftaucht, ob es überhaupt sinnvoll ist, bei Moodle zu bleiben. Immer wieder schiele ich etwas neidisch auf Installationen von Google Apps for Education. Das Feedback von befreundeten Kollegen ist zu sehr großen Teilen positiv – nicht zuletzt aufgrund der Stabilität des Dienstes und der einfachen, verständlichen Handhabung. Umso erfreulicher ist für mich, dass ich nun eine Möglichkeit entdeckt habe, Google Apps in Moodle zu integrieren. Mit folgenden Features:

1. Moodle users are automatically created in Google Apps (Google Docs, Calendar, and Gmail).

2. When you log in to Moodle, you are automatically logged in to Google Apps.

3. A Gmail block in Moodle displays your latest Gmail messages when you login to the Moodle Front Page.

4. A Google Apps block on the Moodle Front Page displays links to your Google Start Page, Google Docs, Google Calendar and Gmail.

5. A Google Widget shows a link to Moodle on the Google side.

http://code.google.com/p/moodle-google/

Ich hatte bisher noch keine Möglichkeit, es mit Schüler auszuprobieren, da ich selber noch keine eigene Google Apps Installation besitze. Die Integration konnte ich aber in einer Testumgebung ausprobieren und bin nach den ersten – zugegeben oberflächlichen – Herumklickereien sehr beeindruckt. Die Installation ist mit etwas Moodle-Kenntnis verbunden und bedarf verschiedener Schritte und Rechte. Wer sich aber einigermaßen sicher fühlt, sollte mit der guten Anleitung von MoodleRooms zurecht kommen. Detailliert wird das Ganze auch bei learningischange.com beschrieben.

Aber über die technischen Finessen hinaus zeigt sich darin zum Einen der klare Vorteil des OpenSource-Konzepts von Moodle und zum Anderen “die Zukunft” der Lernplattform. In meinen Augen wird es für einen Anbieter kaum möglich sein, sämtliche Funktionen und gewünschten Bestandteile in einer eigenen Umgebung zu realisieren. Dafür gehen die Ansprüche zu sehr auseinander und dafür ist auch der “Markt” zu schnelllebig. Das Mashup, das es erlaubt, sich harmonisch mit anderen Diensten zu integrieren, wird die größten Überlebenschancen haben und Lernen im virtuellen/digitalen Raum auch wieder näher an seinen ursprünglichen Gedanken zurückführen. Denn im Moment ist die Gefahr, dass wir als Lehrer den Vorgaben und Einschränkungen des Tools folgen, einfach zu groß. Lernen aber bewegt sich nicht in vorgefertigten und abgegrenzten Räumen sondern wird erst da spannend, wo diese Grenzen gesprengt werden. Schon in paar Mal habe ich im Klassenraum oder besser Computerraum gestanden und mich geärgert, wenn ein Schüler kommentierte in dem Sinne: “Herr Scheppler, cool wäre es jetzt, wenn man in Moodle (…) könnte”. Zum Glück passierte es nicht zu oft, dass ich dann mit den technischen Einschränkungen antworten musste, aber es sollte und dürfte gar nicht auftauchen. (Einen ausführlicheren Erfahrungsbericht zu Moodle hat Matthias Heil geschrieben). Mit Google und Moodle ließen sich so die derzeit wohl mächtigsten und verbreitesten Anwendungen für schulisches eLearning verbinden und das ohne besonderen Mehraufwand.

Ich bin also selber sehr gespannt, diese Hochzeit von Moodle und Google Apps in den Sommerferien zu feiern und werde sicher berichten. Und nun auch ein wenig der Hintergedanke dieses Post: Wenn jemand schneller ist als ich und früher Zeit hat, die vorgestellte Idee zu realisieren, würde ich mich über Erfahrungsberichte sehr freuen. Angesichts der ersten versuche und Berichte in Foren und Blogs dazu bin ich aber sehr zuversichtlich, dass dies eine große Bereicherung für jedes Moodle darstellen kann. Und vielleicht kommen wir damit der Idee des “Goomoodleikiog” etwas harmonischer näher:

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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