Digitale Lernplakate – poster yourself

Kommentieren 08. June 2009

Dieser Beitrag liegt – in verschiedenen Stadien – schon ziemlich lange in meinen Entwürfen für diesen Blog. Es geht nämlich um ein Tool, welches ein K.O.-Kriterium erfüllt, welches mit zunehmender Dauer dieses Blogs etwas zu schmelzen beginn: Es ist komplett auf Englisch.

Warum ich es dennoch poste? Ich habe es ausprobiert, auch mal auf Schüler losgelassen und gesehen, dass diese sich damit sehr rasch zurecht finden. Und schließlich greift es einen methodischen Ansatz auf, den wohl jeder Lehrer kennen wird: das Lernplakat. In nahezu jedem Klassenraum hängen diese nicht erst seit Klippertschen Methodentrainings bekannten Poster, auf denen Schüler Erarbeitetes und Gelerntes visualisieren. Bei den Lernern ist diese Methode meistens sehr beliebt, da sie Kreativität fördert und nicht nur auf den inhaltlichen Aspekt fokussiert, sondern auch stark in den Bereich der Sozial- und Methodenkompetenz greift. Hängen die gelungenen Ergebnisse dann über längeren Zeitraum aus, ist dies eine schöne Bestätigung und zugleich Lernhilfe. Das Spektrum ist ungezählt – von den Vokabeln über die grammatischen Kniffe zu künstlerisch gestalteten Gedichten in einer Fremdsprache; von Verhaltensregeln im Fachraum über Merkhilfen zu Fachbegriffen bis zu eigenen Projektrecherchen zum Regenwald im Biounterricht. Im Geschichtsunterricht könnte das digital dann so aussehen (zum Vergrößern mit der Maus über das Logo oben rechts fahren):

Im amerikanischen Raum schafft es Glogster derzeit zu einem erstaunlichen Boom und in diverse TV-Shows. Das soll kein Qualitätskriterium sein, ist aber durchaus berechtigt, da es einfach, schnell und ansehnlich ist. Besonders für Lehrer dürfte die oben verlinkte, spezielle Seite für den Bildungsbereich interessant sein. Mit einem kostenlosen Account kann man sich dort automatisch hunderte Schüleraccounts mit einem Klick anlegen, die dann PDF-fertig mit Zugangsdaten ausdruckbar sind. Zudem werden diese direkt im Lehreraccount verknüpft und untereinander verbunden, so dass schnell und ohne lästige Anmeldeprozedere für Klassen eine Glogster-Community aufgebaut werden kann.

Ebenso wurde an den zweiten wichtigen Aspekt neben der einfachen Erstellung gedacht: Die Ergebnisse lassen sich sehr einfach ins eigene Wiki, den Klassenblog oder den Moodle-Raum einbinden und erfahren dort eine Präsenz ähnlich dem im Raum ausgehängten Plakat – halt im virtuellen Klassenzimmer, das ja auch ruhig etwas Schmuck vertragen kann (die Schlichtheit von Moodle wurde ja bereits in diversen Kommentaren hier im Blog kritisiert). Aber auch im ePortfolio macht sich ein solches Plakat sicher gut.

Wie es funktioniert, zeigt dieses Video-Tutorial:

Meine Erfahrungen sind trotz der Einsprachigkeit sehr gut, da die Werkzeuge übersichtlich und schnell erlenbar sind. Die Auswahl an Gestaltungsmöglichkeiten ist reichhaltig und auch externe Inhalte (Bilder, Videos usw.) lassen sich einfach einbinden. Nach den ersten Versuchen, die sicher etwas spielerisch sein werden und besonders “bunt”, eignet sich dieses Tool aber auch gut, um – wie wir es sicher auch bei PowerPoint & Co machen – mit den Schülern zu besprechen, worauf es bei einer Visualisierung ankommt, wie Augenführung funktioniert, welche Schriftgrößen wofür sinnvoll sind und welche fremden Inhalte ich nun als Hintergrundbild nutzen darf oder nicht (Copyright).

Bei diesem Tool ist es besonders empfehlenswert, dass sich der Lehrer zuvor selber damit auseinandersetzt. Das soll nicht heißen, dass es schwierig wäre. Aber wenn Schüler bei englischen Begriffen nachfragen, sollte man schon selber wissen, womit man welchen Effekt erzielt. Zudem ist es sicher schön, wenn der Lehrer ein eigenes Beispiel-Glog erstellt oder zumindest auch auf der gestalterischen Ebene ein wenig Unterstützen leisten kann. Aber dabei kann man – so meine Erfahrung – auch sehr viele Tricks von den Schülern lernen, die das Tool sicher schnell erschließen.

Etwas schade ist, dass zwar die Vernetzung möglich ist, aber das gemeinsame Arbeiten an einem Plakat noch nicht. Hier kann jeweils nur von einem Rechner aus gearbeitet werden. Die Kommentarfunktion kann aber genutzt werden, um Verbesserungsvorschläge oder Lob loszuwerden. Am interaktiven Whiteboard oder per Beamer präsentiert kann es auch gut zur Unterstützung von Kurzvorträgen herangezogen werden.

Einfach mal ausprobieren. Es macht Spaß – versprochen. Und spätestens, wenn damit das nächste Plakat für die Theateraufführung entsteht und in der ganzen Schule aushängt, erzählt jeder stolz, wie schnell und einfach dieses professionelle Ergebnis erzielt wurde.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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