Twitter im Hörsaal

Kommentieren 01. May 2009

Twitter ist für mich eines der Web 2.0-Tools, das ich hinsichtlich seines potentiellen Einsatzes in Unterrichtssituationen am schwersten greifen kann. Ich sehe Vorteile in der Kürze der Nachrichten und der besonderen Stellung zwischen synchroner und asynchroner Kommunikation. Aber die hohe Geschwindigkeit, die Gefahr des Nonsens und die Notwendigkeit einer gewissen Disziplin lassen berechtigte Zweifel des Erfolgs von Twitter in institutionalisierten bzw. “traditionellen” (und diese ist wohl eine wichtige Einschränkung) Lehr-/Lernsituationen aufkommen. Der Hauptpunkt für mich ist aber im Moment, dass man eine – im Gegensatz zu vielen anderen Tools – recht hohe Eingewöhnungsphase braucht, den Mehrwert von Twitter also erst nach einer gewissen Durststrecke erfährt.

Ich halte es daher nicht für verwunderlich, dass Berichte von Twittereinsätzen in der Lehre derzeit aus Universitäten kommen. Hier im Blog habe ich das Video von Prof. Negar Mottahedeh gezeigt, die über einen experimentellen Einsatz in ihren Seminaren berichtete. Und hier hat sich bereits eine sehr interessante Diskussion zum Thema “Twitter im Unterricht” entsponnen.

Für mich sehr interessante Anregungen gab es vor einigen Tagen von Christian Spannagel, der per Videokonferenz in einer Veranstaltung von Thomas Bernhardt zu Gast war und über seine Erfahrungen mit Blogs und Twitter berichtet hat. Dieser sehr gute Beitrag ist (und wird evtl. noch) einen eigenen Blogbeitrag wert. Und das nicht nur, weil Christian durchaus auch ab Minute 21 eingesteht, dass Twitter in seiner Veranstaltung “ein Schuss in den Ofen” war und auch gleich erklärt, woran das lag. Seine eher positiven Erfahrungen in einem anderen Seminar zeigen dann aber, dass Twitter wohl eher in inoffiziellen Räumen funktioniert, da diese “Werkzeuge informellen Lernens” in den Worten von Christian viel Selbstbestimmung erfordern.

Die Sammlung von Praxiserfahrungen – und ich habe mir vorgenommen, zum Thema Twitter hier im Blog nach Möglichkeit keine zu theoretischen Beiträge mehr zu bringen, sondern real-praktische Erfahrungen – bereichert ein Video von der University of Texas in Dallas, wo History Professor Dr. Monica Rankin über ihren Twittereinsatz berichtet. Der Hinweis kommt von Basti Hirsch – vielen Dank. Es werden viele Punkte aufgegriffen, die für die Nutzung relevant sind. Und interessant sind auch die Rückmeldungen der “betroffenen” Studenten. Mir gefällt das folgende Zitat ganz besonders gut, da es verdeutlicht, dass Twitter eine kleine Revolution für existierende Unterrichtssettings bedeutet und wie sehr der lehrende selber vom Nutzen überzeugt sein muss:

It was really useful for me too, to see how this works (…). This is a very different format than your typical history discussion or history class format. And I had no idea how it is going to work. I think I remember saying: “It’s going to be messy”. (…) But messy does not necessarily mean that it’s going to be bad.

Aber schaut selber:

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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