
Seit einigen Tagen – konkret dem 22. April – geistert eine Meldung durch die Zeitungen und Online-Berichterstattung, die für vorsichtige Zustimmung und grobe Ablehnung sorgt. Von einem digitalen Marshallplan ist die Rede, davon, dass jedes Kind einen Laptop bekommen soll. Offen bleibt, was genau gefordert wird, wer was gesagt hat und der Klassiker, wie es bezahlt werden soll.
Am 22. April veröffentlicht das Magazin Cicero ein Interview mit der Bundesministerin Schavan, in dem diese zuerst sagt:
Es reicht nicht aus, dass wir uns alle darüber aufregen. Wir sollten das Wissen und die Erfahrungen von Jugendlichen besser nutzen, Schülermentoren ernennen, die als Assistenten der Lehrer eine Mittlerrolle wahrnehmen können. Darüber hinaus sollte der Bildschirm mehr zum Lernen, als wirkliches Arbeitsinstrument, eingesetzt werden.
Cicero vom 22. April 2004, S. 54
Zu beachten ist hier, dass das Interview zu diesem Zeitpunkt vom Amoklauf in Winnenden ausgeht und die Ministerin gefragt wurde, was sie konkret meine, wenn Sie verstehen wolle, was Heranwachsende an Killerspielen mit möglichst realistischen Lebensweltbezügen fasziniere.
Die Nachfrage von Christiane Goetz-Weimer und Cathrin Wilhelm ist dann erstaunlich konkret und die Antwort von Schavan lässt fragen, ob sie damit gerechnet hat oder ihre Antwort eine klassische Plattitüde ist:
Für jeden Schüler einen Laptop?
Ja, hierfür müssen wir Finanzierungsmodelle finden, sodass die Schüler in die Lage versetzt werden, damit verantwortungsbewusst umzugehen. Die jugendlichen müssen lernen, dass im Internet die gleichen Regeln gelten, wie im wirklichen Leben. Wir müssen besser verstehen lernen, was die Jugendlichen wirklich bewegt, und wir dürfen sie nicht in Isolation abgleiten lassen.
Cicero vom 22. April 2004, S. 54
Die offenbar auch in Journalistenkreisen überraschende Aussage wurde dann von einer Ministeriumssprecherin bestätigt (stern.de), so dass derzeit davon ausgegangen werden kann, dass die Ministerin tatsächlich ein staatlich finanziertes Projekt im Kopf hat, mit dem Schüler technisch ausgestattet werden sollen. Das erinnert stark an den digitalen Marshallplan der International Telecommunication Union (ITU) in dessen Rahmen der portugiesische Gastgeber am 4. World Telecom Policy Forum (WPTF) in Lissabon am 24. April vorshlug, jedes Kind ab 4 jahren mit einem Laptop auszustatten (heise.de).
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