Interaktives Whiteboard – Gefahr der Lehrerzentrierung?

Kommentieren 30. April 2009

Ich glaube, ich muss langsam aufpassen, das Thema interaktives Whiteboard hier im Blog nicht zu dominant werden zu lassen. Für mich ist es aber gerade ein aktuelles Thema, da ich es in kleinen Dosierungen in den Unterricht bringe und ausprobiere. Auf der anderen Seite wird dieses Werkzeug oft als dasjenige angesehen, welches fast schon synonymisch für das “Klassenzimmer des 21. Jahrhunderts” steht.

Während unserer Finnlandreise hatte ich erstmals die Gelegenheit, den Einsatz von Smartboards und deren Einbettung in Unterricht zu erleben. Wie ich im entsprechenden Beitrag angedeutet habe, hat sich unsere Gruppe sehr gewundert, wie lehrerzentriert weite Strecken des Unterrichts in dieser Stunde liefen, in der man uns das SmartBoard explizit vorführen wollte. Aufgrund der kurzen Besuchsdauer aber dann in den nachfolgenden Gesprächen ist etwas klarer bzw. doch erkennbar geworden, dass dies zu einem gewissen Grad auch auf das finnische Verständnis von Unterricht und dessen Kultur zurückzuführen ist. In der deutsche Schule in Helsinki wurde meine Nachfrage ansatzweise bejaht, ob die Gefahr erkennbar sei, dass der Einsatz von interaktiven Whiteboards zu einer Steigerung des Lehreranteils in den entsprechenden Stunden beinhalte.

Nach meinen eigenen Versuchen wird dieser antizipierte Eindruck ebenfalls gefestigt. Der Lehrer droht immer wieder in die Rolle des “masters of the smartboard” zu kommen. Das wird natürlich aufgebrochen durch das Aufrufen von Schülern oder noch besser eigenverantwortliche Weitergeben des Whiteboardstiftes, auf das dann aber aber immer folgt, dass einer oder zwei Schüler vorne stehen, etwas verschieben, anzeichnen oder zuordnen und sich wieder setzen, während die restliche Klasse zuschaut. Bei solchen Szenarien wird es für mich schwer – auch unter der Berücksichtigung unserer Projektforderung, dass die Schüler mit eigenen Laptops ausgestattet sein sollen -, eine deutlichen Mehrwert gegenüber ähnlichen Szenarien an der Tafel (abgesehen von der einfachen Möglichkeit, in der nächsten Stunde, das Tafelbild identisch zur Weiterarbeit aufzurufen) aufzuzeigen. Und genau auf diese stirnrunzelnden Fragen stoße ich gerade immer öfter, wenn ich erzähle, was ich mit interaktiven Whiteboard so ausprobiere: “Kann ich das nicht auch ohne die ganze Technik machen?”

Nicht nur deshalb, sondern um die Idee, dass erst durch eine richtige Kollaborationsmöglichkeit und Neugestaltung der Partizipationsstrukturen der Einsatz neuer Medien sein volles Potential zur Bereicherung und Ergänzung des “klassischen” Unterrichts liefern kann, habe ich nach weiteren Szenarien und deren Realisierung gesucht, die es mir erlauben, den Tafeleinsatz noch weiter zu einem gemeinschaftlichen Prozess unter möglichst hoher und nahtloser Beteiligung von mehreren Schülern werden zu lassen – aber ohne dabei auf die vielen zusätzlichen Funktionen des Whiteboards verzichten zu müssen. Und ohne die einfache, intuitive Nutzbarkeit einzuschränken.

Ich gehe also von dem Szenario aus, dass die Schüler Zugriff auf einen Laptop oder Rechner haben und vorne das interaktive Whiteboard als “Tafelersatz” hängt. In unserem Computerraum, wo ich das Wii-Board bisher einsetze, ist dieses Szenario gegeben. Diese Chance gilt es zu nutzen, um an diesen Rechnern nicht das oft befürchtete “Herumdaddeln” in anderen Inhalten und Webseiten hervorzurufen, welches ich selber auch beobachtet habe. Mit Dabbleboard wird es ganz einfach möglich, die Schülerrechner mit dem Tafelbild zu verbinden:

Dabbleboard ist also das interaktiv-virtuelle Whiteboard. Dadurch, dass ich keine Registrierung brauche und den Schülern z.B. über die Lernplattform oder tinyurl nur den Link geben muss, können alle sofort am Rechner mitdenken und -arbeiten. Darüber hinaus brauche nicht nicht mehr wie bei einer auf meinem Rechner installierten Software das Tafelbild zu exportieren und andernorts wieder einzubinden, sondern ich kann sie direkt in Dabbelboard sammeln und die Schüler haben jederzeit Zugriff.

Ebenso besteht damit die schöne Möglichkeit, dass einzelne Schüler(-gruppen) so für Vorträge oder Präsentationen bereits eigenständig Tafelbilder vorbereiten, die dann einfach aufgerufen und weiter interaktiv genutzt werden können. Dies ist sicher der elegantere Weg, als alle Schülerrechner mit der jeweiligen (womöglich lizensierten) Whiteboardsoftware auszurüsten und die vorbereiteten Ergebnisse wieder über andere Kanäle zu tauschen. Die Chatfunktion könnte auch eine Hilfe sein, wenn derartige Projekte – wahrscheinlich in den oberen Klassenstufen – in die häusliche Vorbereitung ausgelagert werden und die Schüler so auch vom eigenen Rechner zusammen weiterarbeiten können.

In der kostenlosen Variante sind diese wichtigen Funktionen voll verfügbar. Die kostenpflichtige Version bringt als interessanten Zusatz die Möglichkeit Schreibrechte zu vergeben und im Gegensatzen zum kostenlosen Ansatz auch private (also nicht-öffentliche) Projekte zu führen. Es gibt zwar spezielle Preise für Schulen, aber diese bewegen sich in Regionen, die von einzelnen Lehrer wohl nicht getragen werden sollten – evtl. von der Schule. Ich denke aber – und darum auch die Vorstellung hier im Blog -, dass die kostenlose Nutzung die wichtigen Funktionen beinhaltet und bei einer vertrauensvollen Arbeit in einer Klasse auch die Gefahr der nachträglichen “Zerstörung” eines gemeinsamen Tafelbildes kein Ausschlusskriterium darstellt. Will man es wirklich “einfrieren” kann man es ja immer noch exportieren und wie beim herkömmlichen Smartboard statisch anderswo einbinden.

Somit ist Dabbleboard in meine Augen eine gelungene Bereicherung in diversen Szenarien des interaktiven Whiteboardeinsatzes, die es durchaus im Hinterkopf zu behalten lohnt.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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