Digitaler Marshallplan – Laptop für jedes Kind!?
Seit einigen Tagen – konkret dem 22. April – geistert eine Meldung durch die Zeitungen und Online-Berichterstattung, die für vorsichtige Zustimmung und grobe Ablehnung sorgt. Von einem digitalen Marshallplan ist die Rede, davon, dass jedes Kind einen Laptop bekommen soll. Offen bleibt, was genau gefordert wird, wer was gesagt hat und der Klassiker, wie es bezahlt werden soll.
Am 22. April veröffentlicht das Magazin Cicero ein Interview mit der Bundesministerin Schavan, in dem diese zuerst sagt:
Es reicht nicht aus, dass wir uns alle darüber aufregen. Wir sollten das Wissen und die Erfahrungen von Jugendlichen besser nutzen, Schülermentoren ernennen, die als Assistenten der Lehrer eine Mittlerrolle wahrnehmen können. Darüber hinaus sollte der Bildschirm mehr zum Lernen, als wirkliches Arbeitsinstrument, eingesetzt werden.
Zu beachten ist hier, dass das Interview zu diesem Zeitpunkt vom Amoklauf in Winnenden ausgeht und die Ministerin gefragt wurde, was sie konkret meine, wenn Sie verstehen wolle, was Heranwachsende an Killerspielen mit möglichst realistischen Lebensweltbezügen fasziniere.
Die Nachfrage von Christiane Goetz-Weimer und Cathrin Wilhelm ist dann erstaunlich konkret und die Antwort von Schavan lässt fragen, ob sie damit gerechnet hat oder ihre Antwort eine klassische Plattitüde ist:
Für jeden Schüler einen Laptop?
Ja, hierfür müssen wir Finanzierungsmodelle finden, sodass die Schüler in die Lage versetzt werden, damit verantwortungsbewusst umzugehen. Die jugendlichen müssen lernen, dass im Internet die gleichen Regeln gelten, wie im wirklichen Leben. Wir müssen besser verstehen lernen, was die Jugendlichen wirklich bewegt, und wir dürfen sie nicht in Isolation abgleiten lassen.
Die offenbar auch in Journalistenkreisen überraschende Aussage wurde dann von einer Ministeriumssprecherin bestätigt (stern.de), so dass derzeit davon ausgegangen werden kann, dass die Ministerin tatsächlich ein staatlich finanziertes Projekt im Kopf hat, mit dem Schüler technisch ausgestattet werden sollen. Das erinnert stark an den digitalen Marshallplan der International Telecommunication Union (ITU) in dessen Rahmen der portugiesische Gastgeber am 4. World Telecom Policy Forum (WPTF) in Lissabon am 24. April vorshlug, jedes Kind ab 4 jahren mit einem Laptop auszustatten (heise.de).
Wie so oft gehen in der Diskussion mehrere Aspekte durcheinander. Am markantesten ist die Durchmischung von Ausstattung und notwendiger Medienkompetenz. Braucht es eine Schulung und wenn ja hinsichtlich welcher Kompetenzen BEVOR ich einem Jugendlichen einen Laptop gebe? Oder lernen wir erst durch die konkrete Anwendung, in der direkten Auseinandersetzung mit der Technik deren Umgang. Schaut man sich die aktuelle Entwicklung an, in der technische Geräte schon gar nicht mehr mit einer Bedienungsanleitung ausgeliefert werden, Web 2.0-Dienste sich auf oft abgespeckte FAQ mit allgemeinen Aussagen oder Hinweisen beschränken, macht es den Eindruck, als ob wir in einer Zeit angekommen sind, in der es nicht mehr darum geht, Computerführerscheine auszuteilen, die nach mehrstündigen Kursen eine Befähigung bescheinigen.
Wenn ich sehe, wie intuitiv Schüler sich im Internet bewegen, wie eigenständig sie sich Lernplattformen erobern und wie gering ihre Hemmschwelle ist, sich auf diese virtuellen Räume einzulassen (siehe meinen Blogbeitrag dazu), wäre es wohl kontraproduktiv, zuerst eine theoretische Schulung vorzuschalten, in der mit dem erhobenen Zeigefinger auf gefahren und Risiken verwiesen wird. Dass dies nicht ausbleiben sollte, ist klar – aber ich denke, dies gehört integriert und eingebettet in realistische und nachvollziehbare Situationen, die sich doch am Besten aus der eigenen Arbeit im und mit dem Internet ergeben.
Der andere Punkt ist die Frage der technischen und damit finanziellen Ausstattung. Ich stehe derartigen Plänen skeptisch gegenüber, dass der Staat, einzelne Länder oder Kommunen in die Pflicht genommen werden, die Schüler mit der notwendigen Hardware auszustatten. Die preislichen Segmente sind inzwischen in Bereichen angekommen, in denen ich für unter 200-300 Euro ein NetBook bekomme, was bei einer 2jährigen Lebensdauer einem monatlichen Betrag von ca. 12 Euro entspricht. Hinzu kommt die Erfahrung, die jeder kennt, was die Sorgsamkeit und das Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit eigenen im Gegensatz zu fremden Geräten angeht. Hinzu kommen ja die Einsparpotentiale bei Heften, Ordnern und Stiften, die zumindest die hin und wieder in der Diskussion angeführten Kosten für das Aufladen der Laptops einigermaßen aufwiegen dürften. Soll man also eine enorme bürokratische Infrastruktur mit all ihren Folgerscheinungen wie Wartung, Gerätetausch und Ersatz bei Verlust/Diebstahl in Gang setzen und womöglich die einzelne Schule damit belasten?
Ich bin der Ansicht, dass wir finanzielle schwache Familien über die etablierten Sozialsysteme (heißen sie nun Hartz IV oder Kindergeld) unterstützen können und sollten, dem großen Teil der Familien aber durchaus zumuten können, mit einer solchen Anschaffung in die Ausbildung der Schüler zu investieren. Die Aufgabe der Schule wäre dann die Bereitstellung einer Infrastruktur in Form von ausreichend Ladestellen in den Klassenräumen, der Sicherstellung eines stabilen Netzes und die Unterstützung der Lehrer beim Einsatz neuer Technologien. Doch dieser Sektor – womöglich mit einem Volks-Laptop – ist in meinen Augen für eine staatliche Regelung wenig geeignet. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass die ein-/erstmalige Anschaffung durchaus für finanzielles Stirnrunzeln sorgt. Doch es geht hier zum Einen nicht um eine rein schulische Anschaffung, wenn die Geräte ja problemlos auch privat genutzt werden können, und zum Anderen um eine Investition in Bildung, bei der manche Argumente die Ernsthaftigkeit der von Kanzlerin Merkel ausgerufenen “Bildungsrepublik” in Frage stellen.
Brauchen wir also tatsächlich einen digitalen Marshallplan? Oder reichen private Anreize mit sanften Druck seitens der Schulen, die eigenverantwortlich das Tempo und den jeweiligen Umfang des Wegs zu einer digitaleren (bewusst nicht “digitale”) Schule bestimmen (können)? Ich bin auf Ihre/Eure Meinungen zum Thema diesmal ganz besonders gespannt.
Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

Ich sehe das auch so – momentan mache ich gerade eigenständigen Medien-Unterricht an meiner Schule, komme aber immer mehr zum dem Schluss, dass wir uns die Mühe machen sollten, das WIRKLICH in die Fächer zu integrieren. Der Ansatz dazu besteht natürlich schon lange – es ist aber eben deutlich mehr Arbeit, bei der man sich auch noch zu mehreren inhaltlich und methodisch abstimmen muss.
In der Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, jedem Schüler einen Rechner zu geben, bin ich noch unentschieden. Einerseits schreitet die Computernutzung rapide voran – andererseits gibt es meines Erachtens noch zu wenige Kollegen, die fundiert medienpädagogisch wirken könnten. Das heißt, es würde darauf hinaus laufen, dass der bisherige Unterricht nun mit dem Laptop gemacht wird und dabei die media literacy nur von einigen (wenigen) Kollegen konsequent gefördert würde (werden könnte).
Ich stimme Dir ebenfalls zu, dass ein “Volks-Laptop” nicht der richtige Weg wäre – aus den genannten Gründen. Das wäre wohl ein Bürokratie-Monster und außerdem würde es eine ohnehin vorhandene Anspruchshaltung gegenüber dem Staat fördern, die ich nicht für gut halte.
Ich denke, es wäre wünschenswert, alle Schüler jederzeit mit einem Notebook arbeiten lassen zu können mit Anbindung an das Internet etc..
Von einer Fremdfinanzierung halte ich persönlich nicht sonderlich viel. Das könnte sicherlich in sozialen Härtefällen sinnvoll sein, um keine Benachteiligungen entstehen zu lassen. Besser ist es definitiv, wenn Eltern die Geräte selbst bezahlen. Dafür müssten Eltern dann wohl beim Buchkauf entlastet werden, indem etwa weniger Bücher gekauft werden. In vielen Fächern bietet sich das an, wenn man auf aktuellere und anschaulichere digitale Materialien zurückgreifen kann, die dann über das Notebook verfügbar wären.
Ein großes Problem bleibt jedoch, die sinnvolle Integration in den Unterricht. Das scheitert nicht zuletzt an fehlenden Kompetenzen des Lehrpersonals wie auch – meiner Meinung nach – noch immer nicht in außreichendem Maße verfügbaren bzw. verbreiteten Unterrichtsmodellen für die verschiedenen Fächer.
Der momentan noch immer weitverbreitete lehrerzentrierte (häufig frontale) Unterricht eignet sich wohl eher wenig für den Einsatz von Notebooks, da diese dort eher auf ein digitales Schreibheft und eventuell digitales Lehrbuch reduziert werden.
Offenere und kooperative Unterrichtsformen, die zwar angestrebt sind, mit denen sich viele Schulen jedoch noch extrem schwer tun, wären ein Szenario in welchem mir der Einsatz von Notebooks am sinnvollsten erscheint. Bis dahin ist es allerdings (leider) noch ein langer und schwieriger Weg.
Ich stimme Euch zu, dass man die sinnvolle und didaktisch sowie pädagogisch gestützte Einbettung der Technik in den Unterricht durch die Lehrer nicht vernachlässigen darf. Doch daraus entsteht schnell die Frage nach dem Huhn und dem Ei und was denn nun zuerst da sein muss.
Nicht erst seit ich aus Finnland zurück bin, komme ich zunehmend zu der Überzeugung, dass es schwierig wird, jemandem (z.B. im Referendariat) in Seminaren oder Fortbildunge die Vorteile von Internet und neuen Medien aufzuzeigen, ihm didaktische Kniffe und pädagogische Mehrwerte aufzuzeigen, wenn derjenige dann zurück an die Schule geht und dort die notwendige Ausstattung nicht vorfindet. Und angesichts der fortschreitenden Technik würden wir so immer weiter hinterher hecheln und in den Fortbildungen Träume entwickeln, die in der Praxis nicht gelebt werden.
In der finnischen Schule, die wir besucht haben und die nach überzeugenden, inoffiziellen Auskünften von finnischen Kollegen keine “Vorzeigeschule” sondern in technischer Hinsicht finnisches Mittelmaß war, waren alle Räume technisch sehr gut ausgestattet. Meine Nachfrage, ob denn dieses Angebot (z.B. SmartBoard in nahezu jedem Raum) auch von allen Kollegen genutzt werde, führte zur erwarteten Antwort: Manche sehr viel, einige hin und wieder und manche auch gar nicht. Und das ist doch OK. Verdonnern wir jeden Lehrer zu mindestens zwei Tafelbildern, drei Einsätzen von OverHead-Projektor und einem FlipChart-Szenario pro Woche?
Auf der anderen Seite bestätigen Forschungen, dass man Schulen auch perfekt ausstatten kann und der Einsatz dadurch nicht automatisch steigt.
Daraus aber den Schluss zu ziehen, erstmal abzuwarten, halte ich für fragwürdig. Denn an jeder Schule gibt es doch zumindest zwei Hände voll interessierter und vielleicht eine Hand voll fähiger Kollegen für den Einsatz. Ich denke, die interne Sogwirkung aus Beispielen vor Ort ist effektiver als jede Weiterbildung, die mit der Praxisernüchterung an der eigenen, eben nicht entsprechend ausgestatteten Schule endet.
Richard Heinen gibt bei “Naturwissenschaften entdecken” ebenfalls ein Statement zum Thema ab. Der bereits laufende Test von Netbooks ist hier sicherlich aufschlussreich (ich habe ihn aus Zeitgründen noch nicht näher verfolgt). Es kommen Intel Classmate PCs zum Einsatz.
Danke
Du bist mir ungefähr eine halbe Stunde zuvor gekommen mit deinem Hinweis auf Richards Beitrag.
Der NetBook Test spricht jedenfalls für Deine These, dass man Weiterbildung und Einführung von mobilen Geräten parallel angehen kann (sollte). Da sollte man dran bleiben.
Genau! Solange wir das Internet – und zwar in der Form, dass jeder Schüler seinen eigenen Zugang in Form eines Endgerätes hat – nicht in das schulische Lernen hereinholen, solange wandelt sich auch der Unterricht selbst nicht in Richtung des reflexiven individuellen kollaborativ vernetzten Lernen. Er wird durch die Einführung des Neuen Mediums in seinen Kontext überhaupt erst wirklich erforderlich (erzeugt Druck) und gleichzeitig ermöglicht. Viel Experimentierraum muss dafür gegeben werden, um das Neue Lernen mit den Neuen Medien zu entwickeln. Und Döbeli hat klar gemacht, dass wir damit leben müssen, dass der Unterricht zunächst sogar SCHLECHTER werden wird! Aber wenn wir nicht auf dieser Stufe (jeder Sch. ein Endgerät) einsteigen, werden die Medien diesen Katalysatoreffekt zur Restrukturierung des Lernens in der Schule nicht hinkriegen können. Sie werden stattdesses – wie gehabt – bloß eingeordnet in das alte Unterrichten, was ich von dem isolierten Einführen von Smartboards so sehe, die OHNE den Zusammenhang damit, dass jeder Schüler auch seinen persönlichen Zugang hat, bloß einen modernisierten lehrerzentrierten Unterricht erfordern und ermöglichen.
Diese Argumentatiom überzeugt mich, allerdings ist es dann m.E. erforderlich, dass Einführung der technischen Seite und BREIT ANGELEGTE Weiterbildung der Kollegen Hand in Hand gehen.
Der Punkt mit dem erstmal schlechteren Unterricht ist eine Provokation, Wahrheit und Herausforderung zugleich. Ich denke, dass diese Einsicht allerdings notwendig ist und auch in der Lehrerbildung stärker berücksichtigt werden sollte. Ich merke selber, in welchen Situationen ich im Referendariat meine Unterrichtsstunden mit neuen Medien bereichere und in welchen ich ganz bewusst darauf verzichte.
Skeptisch bin ich bei Deiner Kritik an der Einbettung neuer Medien in gewohnte Unterrichtssettings. Ich stimme vollkommen überein, dass die Idee hinter den Medien eine neue Form der Kommunikation auch im Klassenzimmer erfordert und zu einem gewissen Grad auch zwangsläufig mitbringen wird. Auf der anderen Seite sehe und höre ich die Klagen, dass zu entsprechenden Fortbildungen niemand komme, die Technik als Überforderung wahrgenommen wird und die Annäherung an den Realitätsbezügen zum “alltäglichen” Unterricht scheitert. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir enger an den Wirklichkeiten der Kollegen argumentieren müssen, um nicht Gefahr zu laufen, die Schere in den Kollegien noch weiter zu öffnen.
Das Beispiel SmartBoard ist da ein treffendes Beispiel, anhand dessen ich auch im aktuellen Beitrag dazu (http://www.blog.initiatived21.de/?p=2419) aufzuzeigen versuche, dass ausgehend von gewohnten Szenarien die Bereicherung durch Web 2.0 & Co auf größeres Verständnis stoßen kann. Die Herausforderung, die ich mir beim Schreiben dieses Blogs immer wieder versuche bewusst zu machen, liegt wohl darin, einerseits zu träumen, zu visionieren und mit ganz großen Schritten voran zu gehen. Auf der anderen Seite bricht einem dann aber auch kein Zacken aus der Krone, einen großen Bogen zu fahren und immer wieder zu versuchen, mit einfachen und selbst erprobten Szenarien die Kollegen zu überzeugen.
Das sehe ich auch so. Es bringt m.E. wenig, wenn man den Leuten das Gefühl gibt, völlig hinter dem Mond zu leben, wenn sie Dieses oder Jenes nicht beherrschen. Das wird nur Schutz- und Abwehrreaktionen hervorrufen. In diesem Zusammenhang habe ich auf das 20th-/21st century teacher Video kritisiert.
Ohne eine gezielte Weiterbildung der Kollegien läuft mal definitiv nichts, wenn man alle Schüler mit einem mobilen Gerät (Netbook, Notebook) ausgestattet auf Schule loslassen möchte. Können Lehrer mit diesen Geräten nichts anfangen, werden sie sie in die Schultaschen verbannen.
Den Fehler, Schulen erst mit Hardware auszustatten und dann darauf zu spekulieren, dass Schule sich entsprechend anpasst und Unterricht ändert, diesen Fehler hat man in Deutschland wie auch anderen Ländern bereits einmal gemacht – und man ist damit kläglich gescheitert. Die Beispiele von Schulen, in denen in Klassen PCs aufgestellt wurden (etwa im Sinne von Medieninseln oder ähnlich) und wo diese dann vor sich hin standen, bis sie irgendwann verstaubt abgebaut oder zunächst vandalisiert und dann entsorgt wurden, sind Legion.
Die Gründe, warum dieses damals scheiterte, sind vielfältig. Das reichte von fehlenden sinnvollen Programmen und fehlender Netzanbindung bis zu nicht vorhandenen Nutzungskonzepten. Außerdem waren viele Lehrer schlicht nicht in der Lage, mit einem Computer im Zusammenhang mit Unterricht umzugehen, geschweige denn überhaupt mit einem Rechner zu arbeiten. Die Lehrerin, welche die Maus in einer Fortbildung mit zwei Händen bediente, habe ich noch lebhaft vor Augen!
Heute stellt sich die Sache etwas anders da. Ich behaupte mal, aus eigener Beobachtung, dass wohl nahezu jeder Lehrer in der Lage ist, einen Computer zu starten, im Internet zu surfen, in einem Programm Daten – etwa Noten – einzugeben und vielleicht auch noch E-mail zu schreiben. Da endet es dann aber bei vielen leider schon. Meist trifft diese Beobachtung auf ältere Semester zu, teilweise aber sogar noch auf jüngere (auch wenn das kaum nachzuvollziehen ist).
Den Computerraum, der ja nun eine feste Installation mit wenigen veränderlichen Variablen ist, betreten viele dieser mit minimalen Computererfahrungen ausgestatteten Lehrer selten bis nie. Selbst wenn es nur zwei Knöpfe zum Einschalten der Rechner sind und sonst nichts, für diese Lehrer sind die Hürden schon zu hoch, ist die Hemmnis schon zu groß. Sie meiden den PC Raum wie die Pest, wenn es um Unterricht geht.
Konfrontierte man diese Lehrer nun mit Schülern mit mobilem Computer, sie würden sich darauf nicht einlassen. Das Risiko wäre ihnen zu hoch, dass Dinge geschehen, die sie nicht unter Kontrolle haben.
Ohne Schulung geht da wirklich rein gar nichts. Ideal wäre da sogar ein Coaching, wobei ein Lehrer mit Erfahrung im Unterricht mit Notebook oder ähnlich, einen anderen unterstützend im Unterricht begleitet. Das baut am ehesten Hürden ab, so meine Erfahrung. Außerdem muss und kann man diesen Lehrern auch vermitteln, dass Schüler durchaus mehr Kompetenzen in diesen Bereichen haben können und man als Lehrer da durchaus auf die Hilfe der Schüler bauen kann.
In der momentanen Situation von Schule in Deutschland sehe ich für eine schnelle flächendeckende Einführung von Netbooks/ Notebooks oder wie auch immer für alle Schüler ziemlich schwarz, ehrlich. Der Druck von oben und die Belastung für Lehrpersonal ist doch enorm und mit der anstehenden Pensionierungswelle und fehlendem Nachwuchs wird das so schnell erst einmal nicht besser werden. Da bleibt wenig Raum für breitangelegte Fortbildungen von Kollegien für den Einsatz von mobilen Geräten im Unterricht. Dazu kommt, dass zu eben dieser Nutzung auch eine veränderte Pädagogik in die Schulen kommen muss, eine Pädagogik, die mit der Ausbildung der Mehrheit unserer Lehrer in Deutschland nicht viel gemein hat.
Das wird alles seine Zeit benötigen und eher Schule für Schule vonstatten gehen, so wie auch der Ganztag sich schulweise vorwärts bewegt oder der offene Unterricht.
Ich stecke übrigens derzeit selbst in einem Netbook Experiment, jedoch in wesentlich kleinerem Umfang. Es geht um sechs Geräte, für die ich jedoch entsprechende Unterrichtsszenarien angedacht habe. Momentan kämpfe ich noch mit einigen kleinen Problemen in Hinsicht Software. Auch im Unterricht finden sich noch nicht immer die Zeiträume, die Geräte so einzusetzen, wie ich mir das vorstelle. Aber was lange währt, wird irgendwann gut.
Hand in Hand mit Fortbildung der Kollegen: Ja natürlich! Unbedingt! Bloß Geräte anschaffen alleine bringt es nicht. Wichtig ist auch, wie eine sinnvolle Fortbildung auszusehen hat: Eben nicht nur: Wie arbeite ich jetzt damit im Unterricht, sondern zu allererst: Wie kann ich mir als Lehrer Computer und Internet als MEINE Lernmedien aneignen. Und erst dann: Wie kann ich damit unterrichten. M.E. wird die eigene Erfahrung mit dem Lernen und den Neuen Medien meist ausgelassen. Ich kann aber nicht Erfahrungen und Prozesse anleiten, die ich selbst nicht kenne.
Besten Dank für den ausführlichen Kommentar und die Sichtweise eines erfahreneren Kollegen mit der Sichtweise, die mir aufgrund meiner kurzen Zeit im Schulbetrieb aus Lehrersicht fehlt. Manchmal frage ich mich, ob dieser fehlende Blick auf diese “inoffiziellen” Beobachtungen aus dem Schulalltag ein Vor- oder Nachteil sind. Gehe ich dadurch unbefangener oder unbedachter an die Sache? Ich bin mir noch nicht ganz sicher, bin aber jedesmal sehr dankbar, denn diese Berichte und Erfahrungen sind für mich sehr lehr- und hilfreich.
Vielleicht auch aus diesem Grund bin ich mit dem ersten teil Deines Kommentars nicht so ganz einverstanden – bzw. kann ihn nur schwer nachvollziehen (aus genannten Gründen). Die entscheidende Wende nimmt Deine Einschätzung für mich mit folgendem Satz:
“Das Risiko wäre ihnen zu hoch, dass Dinge geschehen, die sie nicht unter Kontrolle haben.”
Denn das ist ja der Ansatz hinter dem Motto: From being the sage on the stage to become a guide on the side. Es geht weniger um eine Schulung, Aus- oder Fortbildung als vielmehr eine Einstellung zu und Wahrnehmung von Unterricht, die hinsichtlich ihrer Öffnung die verantwortlichkeit weniger einseitig auf die Schultern der Lehrer legt. Und dann kann auch genau das geschehen, was Du im zweiten Teil Deines Kommentars beschreibst, dass Lehrer und Schüler GEMEINSAM lernen.
Von einer direktiven Ausstattung halte ich auch wenig. Ich denke aber, aus den im Blogbeitrag beschriebenen Entwicklungen des Marktes werden zukünftig zunehmend Schüler technische Geräte besitzen, die man zunehmend schwerer aus der Schule verbannen kann. ich finde es treffend und bildlich genau treffend ausgedrückt – wenn vielleicht auch ungewollt -, dass “sie sie in die Schultaschen verbannen” werden. Damit sind sie aber schon in der Schule drin!!!
Es ist sehr traurig, dass – auch wenn Dein Eindruck wohl gar nicht so realitätsfern ist -: “sie würden sich darauf nicht einlassen”. Das bedeutet, dass sich Lehrer nicht auf die Lebenswelten und -realitäten ihrer Schüler einlassen, denen gegenüber sie einen Erziehungsauftrag haben. Siehe dazu meinen neuen Blogbeitrag: http://www.blog.initiatived21.de/?p=2426
Für Dein Projekt drücke ich sehr die Daumen. Und wenn Du mal drüber berichten willst, melde Dich doch mal. Vielleicht ist ein Gastbeitrag hier eine schöne Plattform, andere von Deinen Erfahrungen mitprofitieren zu lassen?