Einen Drop entfernt – Dateiablage für Unterrichts- & Schülerprojekte

Kommentieren 21. April 2009

Wer den Blog verfolgt, weiß, dass ich derzeit in meinem Unterricht Moodle als “Basis” für meine Unterrichtsprojekte einsetze. Von dort aus starten wir unsere Ausflüge ins Web, dort binde ich Web 2.0 Dienste ein und dort sammeln wir auch unsere Materialien und Ergebnisse. Je freier und offener die Unterrichts- und zunehmend auch einzelnen Schülerprojekte werden, desto öfter stoßen wir da allerdings an Grenzen. Zum Beispiel: Derzeit erstellen wir eine historische Nachrichtensendung im Geschichtsunterricht. Die Schüler arbeiten in verschiedenen Gruppen zu Wiener Kongress, Hambacher Fest und Wartburgfest und haben neben dem Sammeln von Inhaltlichem auch verschiedene “Ämter”, die für Kameraführung, Regie, Optisches usw. verantwortlich sind. Hierzu müssen sie Texte auswerten und stichpunktartig das wichtigste zu Moderationstexten zusammen schreiben, Hintergrundbilder sammeln, die hinter dem Moderator oder der Interviewsituation zu sehen sind und Links zu passenden Webseiten sammeln, die sie (da diese Projekte über mehrere Wochen gehen) beim nächsten Mal wieder finden können müssen, um damit weiter arbeiten zu können (das der selbe Treffer nach einer Woche bei Google nicht mehr an der selben Stelle steht wie noch zuvor, war eine “böse” Erkenntnis). Moodle bietet zwar Aktivitäten, mit denen man dies “simulieren” kann – am besten wohl die Datenbank. Aber ich stelle fest, dass dies zu umständlich ist und sich zu sperrig in den Arbeitsfluss einbetten lässt. “Das sende ich mir lieber per Mail”, war schließlich ein Schülerkommentar, der mich nach “harmonischeren” Lösungen suchen ließ.

Inzwischen gibt es natürlich diverse virtuelle Festplatten à la dropbox – welches für Lehrer eine tolle digitale Schultasche sein kann -, die aber nur im gezielten und vor allem langfristigen und etablierten Einsatz Sinn machen, da man sich registrieren muss und dieses auch erst richtig effektiv wird, wenn man es installiert und es im Hintergrund synchronisiert. Als Lehrer nutze ich Sie aber inzwischen gerne für Arbeitsblätter und Materialien, die ich so jederzeit verfügbar habe.

Seit gut einem Jahr beobachte ich allerdings drop.io, welches als schnelle, “barrierefreie” (also ohne Registrierung oder andere Anmeldeprozedere nutzbare)  Plattform daherkommt. Seit Anfang dieses Jahres hat der Anbieter ziemlich  viele Features integriert und den ganzen Dienst so stabil und harmonisch zusammengestellt, dass er einen Blick wert wird. Hier das Einführungsvideo:

Ich habe vor kurzem eine digitale Pinnwand vorgestellt und von drei Bloglesern konkrete Rückmeldungen aus Einsätzen im Unterricht erhalten. Ganz verschiedene Fächer aber mit dem selben Anliegen: Schnell und unkompliziert Materialien und Kommentare zu meist Gruppenarbeitsergebnissen zu sammeln und verfügbar zu halten. Drop.io kann hierzu ähnlich der Pinnwand einfach in einem Browserfenster offen gehalten werden und per drag & drop können Bilder, Links eingefügt werden und ebenso schnell können Notizen erstellt werden. Hinzu kommt, dass jeder Beitrag – und das erweitert die einfache Pinnwand – kommentiert, eingebettet und anderweitig (z.B. rss) verfolgt werden kann. Ebenso wird der Dienst jüngst durch einen für jeden “Drop” verfügbaren Chat für sofortige Kommunikation unter den Teilnehmern. Dieser Chat kann auch in externe Chat-Programme integriert werden.

Ich halte diesen Dienst für die Schule gut nutzbar, da er eben auf die Anmeldung verzichtet, aber dennoch so viele Stufen der Privatisierung des “Drops” erlaubt, dass diese ganz offen oder aber auch geschlossen sein können (per Kennwort). Fehlen würde mir zum derzeitigen Stand – der wie gesagt seit 2009 mächtig in Bewegung ist – noch ein weiteres Sortierverfahren, um auch bei vollen Drops die Übersicht zu behalten. Hierzu würde ich mir Tags mit einer Tag-Cloud wünschen.

Drop.io bietet aber ein weiteres Feature, welches für den Schuleinsatz interessant werden kann: Hidden Access. Damit kann ich zu jedem Drop eine Seite mit Upload-Funktion zur Verfügung stellen, mit dem Inhalte in mein Drop gelegt werden können – aber ohne, dass derjenige, der hochlädt, weiß, wohin die Daten gesendet werden. Und es gibt ein Firefox-Plugin sowie die Möglichkeit ein Upload-Fenster in fremde Seiten einzubinden. Habe ich also einen Computerraum, der von mehren Klassen genutzt werden, kann ich so die Hidden-Funktion nutzen, um verschiedenen Klassenmitgliedern schnelle Upload-Funktion zu bieten, ohne anderen Klassen zu verraten, wo sich der eigentliche Drop dazu befindet.

Eine weitere Funktion, die aber derzeit wohl noch etwas teuer für deutsche Schüler ist (solange es noch keine deutsche nummer gibt) ist die Möglichkeit, den Drop anzurufen und einen Text einzusprechen, der dann direkt danach im Drop für alle Kollaborateure anhörbar ist. Dies ist sicher sehr schön, um schnelle Podcasts zu erstellen – ohne teure Zusatzausrüstung und Upload- und Konvertierungshürden. Hierzu ist auch ein Blick auf den Ableger phone.io (es gibt mehrere Ableger, die Einzelfunktionen herausgreifen/-stellen, die aber alle auch in drop.io integriert sind) hilfreich. Und ich bin recht zuversichtlich, dass das Wachstum von drop.io bald auch internationale Einwahlnummern bieten wird.

Insgesamt halte ich drop.io derzeit für längere Schülerprojekte sinnvoll. Wenn Schüler über mehrere Unterrichtsstunden eine Dateiablage brauchen, die danach durchaus auch wieder aufgegeben werden kann/soll, ist drop.io eine schnelle, saubere und ohne besondere Technikkenntnisse auf Lehrerseite einsetzbare Lösung. Für längerfristige Dateiablagen gibt es sicher andere Lösungen – wie oben angedeutet – zumal drop.io nicht genutzte Inhalte spätestens nach einem Jahr ohne Aufruf automatisch löscht. Die Gefahr, die ich derzeit noch sehe, ist die, dass es bei reger Nutzung evtl. schnell unübersichtlich werden kann. Daher ist es wahrscheinlich sinnvoller, es Schülergruppen zur Verfügung zu stellen, um die eigene Arbeit zu unterstützen, und weniger als Präsentationsmedium. Hier ist die digitale Pinnwand dann wieder im Vorteil.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

P.S. Für Iphone-Nutzer: Ja, es gibt eine Applikation – droppler.

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