Twitter-Tool für Schule & Unterricht

Kommentieren 15. April 2009

Twitter ist im Moment wohl eines der am meisten boomenden und gehypten Kommunikationstools der Web 2.0-Welle. Dass dies auch durchaus sinnvoll im Unterricht genutzt werden kann, wurde hier im Blog bereits mehrfach angedeutet. Und in den letzten 2-3 Monaten flattern wöchentlich mehrere Blogbeiträge, PDFs oder Wikis über meinen digitalen Schreibtisch, in denen Szenarien und Situationen für die Twitter-Nutzung in Schule und Unterricht beschrieben werden.

Bei einigen dieser Listen, die via google sicher leicht aufzustöbern sind und die hier nicht in einer Linkwüste enden sollen, fragt man sich aber, ab die beschriebenen Einsätze eher vom Tool oder vom Unterricht her gedacht wurden – also ob eher Twitter selber oder die Schüler, Kollegen, Eltern im Vordergrund stehen. Das ist bei Twitter eine recht große Gefahr, da es – in den Unterricht gebracht – dessen Struktur zumindest “aufrüttelt”. Denn man geht davon aus, dass Schüler, Lehrer, Eltern, Kollegen oder möglichst viele Beteiligte öfter bis hin zu immer erreichbar und kommunikationswillig sind – also deutlich über die bisherigen 45 Minuten hinaus. Und auch deutlich intensiver, als dies noch mit einer monatlichen Eltern-Rundmail der Fall war. Dennoch möchte ich auch aus dem Gedanken heraus, mit diesem Blog zwar alltagspraktisch aber auch ein wenig perspektivisch zu sein, ein Twitter-Tool vorstellen, welches sich in meinen Augen noch am ehesten für den Einsatz in der Schule anbieten könnte (neben dem bereits vorgestellten Edmodo):

GroupTweet liefert eine Art Rundmailfunktion für Twitter. Ein bei diesem Dienst registrierter Twitter-Account, der idealerweise eigens dafür eingerichtet wird, sendet alle Nachrichten, die an ihn als so genannte direct message (also als nicht öffentliche sondern für einen einzelnen Empfänger bestimmte Nachricht = Tweet) gesendet wird, automatisch als Tweet weiter. Damit erhalten alle diejenigen diese einzelne Nachricht, die die Aktualisierungen des Gruppen-Accounts abonniert haben (= ihm followen). Eine direct message wird also an alle Follower gestreut. Will man auch dieses weiter nicht öffentlich halten, so richtet man den Gruppen-Account als protected ein, so dass nur diejenigen die gestreuten Tweets lesen können, die dem Gruppen-Account followen.

Nach dieser bewusst ausführlichen Erklärung: Wofür brauche ich das?

  • Schüler berichten aus/von ihren Ferien, Ausflügen, Klassenfahrten usw.: Twittern kann man per Handy (online oder via sms). 140 Zeichen sind schnell getippt – zumal von der “Generation SMS”. Somit ließen sich schnell Neuigkeiten, tolle Ereignisse aber auch spezielle Beobachtungsaufträge live twittern und von allen Beteiligten (daheimgebliebene Parallelklassen, Eltern, Kollegen) verfolgen. Aber auch gruppenintern. So ließen sich Beobachtungsaufträge erteilen, die einzelne Gruppen dann direkt twittern und daheim auswerten und in einen Text zusammenfassen. Hier ist natürlich eine gehörige Portion Medienkompetenz erforderlich, um nicht mit einer Gruppe Schüler unterwegs zu sein, die nur noch mit ihrem Handy beschäftigt sind (hier wären evtl. Gruppen sinnvoll, die jeweils ein Gerät zur Verfügung haben).
  • Kollegiumsintern: Auch unter Kollegen wäre eine solche Gruppen-Twitter-Funktion denkbar. Dies könnte in Form einer schnellen Mitteilungsfunktion genutzt werden, wobei jeder damit wichtige Mitteilungen schnell versenden kann. Dabei kann der Gruppen-Account in das virtuelle Lehrerzimmer eingebunden werden und so als Schwarzes Brett fungieren.
  • Kontakt zu Eltern und digitales Klassenbuch: Eine Nachricht an den Gruppenaccount kann das aktuelle Unterrichs-/Stundenthema enthalten, das man analog ins Klassenbuch einträgt, die Hausaufgaben der aktuellen Stunde oder die wichtigsten Ergebnisse. Jeder, der dem Gruppen-Account folgt (Eltern und Schüler) ist somit informiert, was im Unterricht behandelt wurde. Dies ist sicher für Eltern oder erkrankte Schüler interessant, schafft aber sicher auch Transparenz und Gedächtnisstützen für die Klasse. Diese Tweets könnte natürlich der Lehrer am Stundenende per sms oder mobile Twitter erstellen, aber dies könnte auch wie der Tafel-, Klassenbuch- oder Ordnungsdienst ein Amt sein, welches von einzelnen (wechselnden) Schülern erfüllt wird.
  • Hausaufgaben und Klassenarbeiten: Hausaufgaben und Vorbereitung auf Klassenarbeiten sind bekanntermaßen Dinge, die im Team einfacher, schneller und effektiver ablaufen. Doch statt alleine zu Hause zu brüten und über einzelnen Fragen zu verzweifeln, könnte so eine Frage an die Gruppe gerichtet werden oder ein Tipp gegeben werden. Die Schnelligkeit von twitter und die Kürze der Nachricht erfordert einerseits Prägnanz, ist aber auch weniger aufwendig, als einen Blog- oder Forumsbeitrag zu erstellen. Die Mitschüler oder auch der Lehrer können so schnelle helfen und unterstützen. Letzterer sieht aber zumindest an den Fragen, welche Aufgaben welche Probleme verursacht haben und ist so evtl. bereits besser auf die Besprechung der Hausaufgaben oder auch derartig kommunizierter Hausarbeiten, Refreratsvorbereitungen usw. vorbereitet.

Alle diese Szenarien erfordern eine sehr weite Öffnung von Unterricht und eine Lernkultur, die wenig bis gar nicht von Einzelkämpfertum geprägt ist. Nicht die “richtige” Lösung, das tolle Einzelergebnis darf dabei weiterhin im Mittelpunkt stehen, sondern derjenige, der hilft, unterstützt, gute Anregungen liefert und erklären kann, ist dann willkomen. Aber auch die “einfachen” Fragen, die oft dem weiteren verständnis im Weg stehen, weil sie sich nicht zu stellen getraut werden, können dort einen Platz finden – eher als im traditionellen Unterricht, wo die Kommunikation doch zielgerichteter abläuft und nicht jeder seine Fragen los werden kann.

Beim Schreiben dieses Beitrags ist mir selber wieder bewusst geworden, wie gefährlich es ist, nicht vom Tool her zu denken. Ich meine aber, dass die obigen Beispiele aber zeigen, wie wenig aktuelle Unterrichtssettings derzeit mit sich entwickelnder, schneller Kommunikation im Internet vereinbaren lassen. Twitter ist da sicher eine große Herausforderung, an der am deutlichsten die Frage aufgeworfen wird, ob und wenn ja in welchem Maße wir Unterricht und Lernstrukturen dieser Web-Kultur annähern (um das Wort “anpassen” zu vermeiden) wollen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von René Scheppler.

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