Dossier zur Medienpädagogik

Kommentieren 14. April 2009

Die Mediengesellschaft fordert uns auf allen Ebenen heraus. Sie verändert Schule und Familienleben, Berufsalltag und Freizeit. Die Entwicklung im Bereich der Medientechnologie trifft die Schule in ihrem Kern, denn sie verändert die Ausgangslage für Bildung und Lernen grundlegend. Neue Medien bringen Risiken, aber sie eröffnen auch viele Chancen für lebensnahen, spannenden und kreativen Unterricht.

So steht er da, der erste Satz im sehr gelungenen “Dossier Medienkompetenz – Aktiver Unterricht rund um die Medien“. Doch entgegen vielen anderen Publikationen, die mit ähnlich treffenden Aussagen eher theoretisch bleiben, überzeugt diese Publikation der Stadt Zürich in Kooperation mit der PHZH durch einen Fünfschritt von Grundlagen über ganz konkrete Unterrichtshinweise bis zur (kommentierten!) Link- & Literaturliste:

Das Dossier Medienkompetenz besteht aus

fünf Teilen:

– Das Kapitel Ausgangslage klärt die Bedeutung der Medien in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen und zeigt, wie «Medienkompetenz» in der Schule zu fördern ist. Im Weiteren ist der Lehrplan der Volksschule zur Medienerziehung und Informatik aufgeführt. Dessen Ziele und Inhalte werden ergänzt durch zahlreiche Hinweise auf Unterrichtsimpulse.

– Unter Medien als Lernanlässe finden Sie drei Grundlagentexte zum pädagogischen Umgang mit Medien und Medienspuren im Unterricht.

– Die Impulse für den Unterricht stellen Ihnen zu jeweils einem medienbildnerischen Thema konkrete Unterrichtsideen für verschiedene Schulstufen vor. Hier finden Sie für jede Unterrichtsidee eine grün gestaltete Legende. In ihr sind die entsprechenden Ziel-

stufen dunkelgrün hinterlegt.

– In einem letzten thematischen Abschnitt, Schule im Aufbruch, richtet sich der Blick auf die Medienbildung im Kontext der gesamten Schule und ihrer Entwicklung.

– Eine kommentierte Sammlung empfehlenswerter Literatur und Links, die Sie bei der Planung Ihres Unterrichts hilfreich unterstützen kann, schliesst das Dossier Medienkompetenz ab.

Das Dossier hebt sich aber nicht nur durch seine klaren Strukturierung und inhaltliche Konkretisierung von vielen anderen Leitfäden ab, sondern auch durch die grundlegende Idee, die in meinen Augen in genau die richtige Richtung geht und Medien und speziell neue Medien nicht als einfach Ergänzung, sondern als Herausforderung für einen didaktischen Wandel versteht:

Die Entwicklung der Medien und der Informationstechnologien trifft die Schule damit im Kern. Sie verändert die Grundbedingungen für Lehren und Lernen, für Wissen und Forschen. Die Fülle von medialen Hilfsmitteln und Angeboten ermöglicht vollkommen neue didaktische Konzeptionen.

Das bedeutet: Es ist bei Medienbildung gerade nicht möglich, ein paar wenige in sich abgeschlossene Lektionen zu diesem Thema zu gestalten und dann zu denken, das Lernziel sei erfüllt. – Vielmehr muss die Schule in der Mediengesellschaft ihre eigene Situation und Aufgabe grundlegend und systematisch überdenken.

Erst, wenn die Medien nicht mehr als Exoten, spielerische Ergänzung oder gar motivationshaschende Belohnungen daherkommen, wenn sie integriert, akzeptiert und vor allem auf allen Ebenen in schulische Strukturen eingeführt werden, kann man von einem gelungenen Medienkonzept sprechen:

Ein pädagogisches Medienprofil berücksichtigt folgende

Aspekte:

– Medien dienen als Mittel für das Lehren und Lernen. Medienangebote und technische Hilfsmittel werden zur Erreichung der Unterrichtsziele eingesetzt.

– Themen der Medienbildung werden in den Unterricht integriert. Zur Förderung der Medienkompetenz werden Medien auch als Vermittler und Anbieter von Inhalten thematisiert und kritisch beleuchtet.

– Medien werden von Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern für Tätigkeiten im Schulalltag genutzt: Unterrichtsvorbereitung, Kommunikation und Kooperation im Schulteam und in der Klasse, Informationsrecherche, Administration, Wissensmanagement, Schulentwicklung.

– Zusammenarbeit mit Eltern: Schule und Erziehungsverantwortliche nehmen wichtige Aufgaben in Bezug auf Medien gemeinsam wahr.

– Kommunikationskonzept und Öffentlichkeitsarbeit: Medien gewährleisten die interne Vernetzung und unterstützen die Präsentation der Schule nach aussen.

Für den Unterricht bedeutet dies, dass sie zu Werkzeugen werden müssen, mit denen Schüler und Lehrer umgehen. Dass dies in einer Phase des Wandels und Übergangs durchaus mit einer gewissen Selbst- und Methodenreflexion einhergehen sollte, ist selbstverständlich. Weniger selbstverständlich ist aber noch, der Grad der notwendigen Integration – ohne eben permanent über das Medium zu reflektieren:

In der Mediendidaktik geht es um den Einsatz von Unterrichtstechnologien in Lern- beziehungsweise Bildungsprozessen.

Die Medien dienen lediglich als Werkzeuge für Lehren und Lernen in allen Fächern. Eine gute Schule in der Mediengesellschaft nutzt selbstverständlich die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel, doch darf sie sich nicht darauf beschränken.

Und dann folgt im Dossier der für mich entscheidendste Satz, für dessen inhaltliche Bestätigung ich im Zeitalter der Computerführerscheine sehr dankbar bin:

Ein Vergleich mit der Verkehrserziehung illustriert, dass es in beiden Aufgabenfeldern mehr als einen «Führerschein» braucht.

Es kann eben nicht darum gehen, Schülern die kleine Klickfibel für Word, Exel & Co zu reichen und sie dann einen unformatierten Text layouten zu lassen. Medienkompetenz – wie auch immer man den Kompetenzbegriff verstehen will – setzt eine Auseinandersetzung mit dem Medium voraus, die erst den Einzelnen in die Lage versetzt, verantwortungsvoll aber auch effektiv mit den verfügbare Tools umzugehen. Nicht nachvollziehen sondern verstehen – besonders im Web 2.0:

Auch in einer von Medien durchsetzten Welt erschöpft sich kompetentes Verhalten nicht in technischen Fertigkeiten und «Fahrkünsten». Wie man den Computer aufstartet, sich ins Netz einloggt oder Daten herunterlädt, haben Schülerinnen und Schüler schnell begriffen.

Oft fehlt es hingegen am nötigen Überblick, an solidem Hintergrundwissen und einem tieferen Verständnis für die Folgen medialer Aktivitäten.

Das Dossier ist voll von derart prägnanten und treffenden Formulierungen, so dass ich hier noch einige wichtige Punkte aufführen könnte. Vielmehr würde ich mich aber darüber freuen, wenn der eine oder andere, sich die Empfehlung selber durchliest und vielleicht einen Kommentar hier im Blog hinterlässt.

Dieser Beitrag wurde erstellt von René Scheppler.

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