Ein Ausweg aus dem Kreidetal – Web 2.0 trifft interaktives Whiteboard
Mindmaps und deren online-Varianten waren ja durchaus schon öfters Thema hier im Blog. Mit mind42 gesellt sich nun ein weiterer Dienst hinzu, der eine Reihe von Features mitbringt, die den Service für den Schulunterricht interessant werden lassen. Neben der Kostenfreiheit hebt sich mind42 vor allem dadurch von vielen Mitbewerbern ab, dass Medieninhalte wie Bilder, Videos und ganze Webseiten recht einfach in eine Mindmap integriert werden können, und dass mehrere Nutzer simultan an einer einzigen Mindmap arbeiten können:
Mind42: Introduction from Stefan Schuster on Vimeo.
Ich denke, das online mindmapping deshalb für den Schuleinsatz so geeignet ist, da es ein bekanntes und häufig genutztes Werkzeug nahezu 1:1 ins Web 2.0 bringt und mit den dortigen Vorteilen verbindet (zeitgleiches arbeiten, Mitarbeiter einladen, schnelles Publizieren usw.). Während man Neueinsteigern oft mühsam und mit einigem Aufwand die Ideen und Funktionen, die hinter Blogs und Wikis stecken, erläutern muss, bieten sich gerade für Einführungen ins Web 2.0 und dessen grundlegenden Ideen online Mindmappingtools sehr gut an, um auf der Basis eines von der Tafel bekannten Werkzeugs anzufangen.
Und die Tafel ist genau das Stichwort für eine weitere Ausdehnung der in den vorherigen Posts erläuterten Idee des Einsatzes von Mindmaps im Unterricht. Nun möchte ich diese nicht alle wiederholen, sondern andenken, dass ich eine weitere Harmonisierungsebene darin sehe, ein online Mindmappingtool wie mind42 in Verbindung mit einem SmartBoard oder der hier bereits vorgestellten Lösung des interaktiven Whiteboards auf wii-Remote-Basis einzusetzen. Mit wenigen Klicks lässt sich eine solche Mindmap aufbauen und vor allem die Drag&Drop-Fähigkeit sowie das schnelle Einbinden externer Medien (Bilder, Videos, Webseiten) ist über das interaktive Whiteboard gut zu handhaben. So muss sich der lehrer nicht hinter einem Computer verstecken, sondern wie an der Tafel kann die Mindmap direkt an der Präsentationsfläche erweitert werden.
Und wenn man noch einen Schritt weiter geht und die simultane Kollaborationsmöglichkeit einbezieht, wäre es durchaus denkbar, einzelnen Schülergruppen einen Laptop zu geben, mit dem diese die große Mindmap, die live am interaktiven Whiteboard zu sehen ist, aufrufen und mit einzelnen Gruppenschwerpunkten erweitern. So würden die jeweiligen Gruppen ein Unterthema bzw. einen Unterzweig der Mindmap bearbeiten und deren Wachsen würde zeitgleich auch für alle anderen Gruppen an deren Rechner aber auch am Smartboard sichtbar. Eine gemeinsame Ferigstellung, Verfeinerung oder Verknüpfung einzelner Unterpunkte könnte dann gemeinsam übers interaktive Whiteboard laufen. Somit wäre es möglich, nahtlos aus der Gruppenarbeit ins Plenum und wieder zurück zu wechseln. Und in der nächsten Stunde braucht man lediglich die Mindmap wieder aufzurufen und kann direkt weiterarbeiten oder evtl. inzwischen von zu Hause getätigte Ergänzungen besprechen.
Hier ergeben sich in meinen Augen gute Ansatzpunkte, traditionelle Unterrichtssettings multimedial zu bereichern. Vor allem die simultane Bearbeitungsmöglichkeit schafft Kollaborationchancen, die mit Tafel und Kreide nur schwer zu realisieren sind. Und die neuen medien werden direkt in den Unterricht eingebettet, bekommen Funktion und Mehrwert, ohne auf besondere Wow- oder motivationale Ausnahmeeffekte zu setzen.
Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

Mit Whiteboards fällt man leicht wieder in die Falle des lehrerzentrierten Frontalunterrichtes, wird man sogar dazu verführt. Gerade deswegen finde ich diesen Hinweis hier sehr gut. Allerdings reduziert die Idee in ihrer Erweiterung das Whiteboard phasenweise auch zu einem reinen Darstellungsmedium, wenn verschiedene Gruppen von ihren Notebooks aus das Mindmap bearbeiten.
Derzeit preschen die Lehr- und Lernmittelverlage nach vorne und bieten erste interaktive Materialien für den Unterricht mit Whiteboard an. Sie haben erkannt, dass sich hier ein neuer Markt eröffnet. Wer die riesige Summe für Whiteboards aufbringen kann, hat auch – muss auch Geld für passendes Unterrichtsmaterial zur Verfügung haben. Klett etwa vertreibt eine Silberscheibe mit 60 interaktiven browserbasierten Übungen zu seinen Englischunterrichtswerken Let’s go 1/2. Leider habe ich die die Scheibe noch nicht vorliegen und kann noch nichts zum Angebot sagen. Nach Ostern werde ich sie im Unterricht mit meinem Wii-mote Whiteboard testen und hier meine Eindrücke zur Brauchbarkeit schildern. Ähnliche Angebote, wie das zum Englischbuch, sah ich auch für andere Unterrichtswerke.
Gut eignen sollten sich, wenn man denn mit Whiteboard doch lieber mehr lehrerzentriert arbeiten will, mit Hotpotatos erstellte drag&drop Übungen. Die kann man auch lokal abgespeichert bereitstellen, wenn ein Internetanschluss im Klassenzimmer noch fehlt.
Tatsächlich bin ich gerade auf der Suche nach Einsatzmöglichkeiten, die die “FAlle” des lehrerzentrierten Unterrichts zu vermeiden. Das soll nicht heißen, dass dieser verkehrt ist. Vielmehr sollte er nicht überrepräsentiert sein, wozu Whiteboards wohl verführen können.
Einen Ansatz, über den ich nachdenke und eben in einer Variante andenke, ist derjenige, das Whiteboard zur Darstellung eines kollaborativ entwickelten Tafelbildes zu nutzen. Dieses entsteht aktiv und live durch die Schüler. Ob dabei nun einzelne Gruppen ihre Ergebnisse erstellen, die interaktiv das gebeamte tafebild vorne verändern/erweitern und hinterher gemeinsam ausgewertet wird, oder ob zwei/drei Schüler die Aufgabe bekommen, den unterrichtsverlauf/eine Diskussion via Mindmap zu “protokollieren” und diese Mindmap sich quasi wie so eine Twitterwall über den Unterricht “lebendig” erweitert. Die Grundidee ist die, dass Schüler selber ihre ergebnisse, Meinungen, eindrücke zusammentragen und daruas ein kollaboratives Ganzes entsteht, welches aber im Entstehungsprozess beaobachtbar ist und dadurch evtl. zu neuen Ideen anregt. Wer eine Twitterwall auf einer Veranstaltung verfolgt hat, wird gemerkt haben, wie einem zu einzelnen Beiträgen spontan Ideen kommen.
Der Chance des Whiteboards ist dann, diese Sammlung aktiv im Plenum zu ergänzen, kürzen, strukturieren. Also im gemeinsamen Unterrichtsgespräch kann das gemeinsame Ergebnis betrachtet und dann wieder aktiv angepasst werden. Auch diese Plenumsphase kann durch Schüler moderiert werden.
Dies ist natürlich nur eine Idee und ich versuche ebenfalls gerade an die Vorschläge der verlage heran zu kommen, was aber nicht immer (finanziell für ein Referendarsgehalt) möglich ist. Bei der hotpotatoes Lösung frage ich mich, wie 30 Schüler eine an die Wand gebeamte Übung bearbeiten.
Aber vielen Dank für die Ideen und Denkanstösse. Die inhaltliche, didaktische und methodische Arbeit ist im Gegensatz zur technischen die weitaus herausforderndere. Da wird sicher noch der eine oder andere Ansatz wieder verworfen werden müssen. Aber ich denke, auch für so ein gemeinsames Nachdenken und Abwägen sind Blogs sehr gut geeignet. ich bin auf weitere Meinungen gespannt
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Das mit der drag&drop Übung stellt in einem lehrerzentrierten Unterricht ein Minimum an Interaktivität dar. Natürlich kann da immer nur ein Schüler etwas machen. Das ist nicht anders als wenn man Kärtchen mit Klebestreifen an der Tafel ordnen lässt, nur digital. Ich vermute, die Sachen von Klett zum Englischbuch werden primär in dieser Schiene laufen. Aber ich lasse mich überraschen.
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