Mobile Learning on the road

Kommentieren 26. March 2009

Eine bemerkenswert hochwertige Reihe (sowohl hinsichtlich Interviewpartner, technischer Realisierung als auch thematisch) von kurzen Videodokumentationen erstellt aktuell das Mobile Learning Institut unter dem Obertitel “A 21st Century Education“:

In the 21st century, the most perceptive educational thinkers recognize that something new is happening to learning. Models of providing an education that developed to meet the needs of students of the last two centuries, while not irrelevant, are increasingly being transformed and infiltrated by the introduction and integration of new tools and technologies, and novel approaches to work, many of which are now commonplace in business and consumer spheres. Blogging, wikis, twittering and Facebook, the widespread use of mobile devices like cell phones and other handhelds, the emphasis on collaboration and critical thinking to solve problems, and the “flattening” of the world of commerce are challenging the fundamental assumptions of what an education must provide to its young people in order for them to succeed or even cope in a complex world.

Die Filme sind allesamt durchaus sehenswert. Besonders aufgefallen ist mir aber der Beitrag von Elliot Soloway und Cathie Norris zu “Education the Mobile Generation (zum Abspielen Bild anklicken):

What America needs are models of how kids can learn and teachers can teach in this new era. We are to prepare the kids for this 21st century. And the 21st century is all about mobile computing, mobile technologies. It’s about kids working together as teamwork. It’s about kids solving problems. It’s about kids learning to learn. It’s a transformation from learning what to learning how.

Und:

We knew that if technology was ever going to have an effect in education, that every child has to have its own device. It couln’t be something that you only use for 15 minutes a week. (…) Let’s go after that and see if we can solve the access problem initially with small devices. If we can get one in every childs hand, then we can go from there.

Diese beiden grundlegenden Forderungen sind die Grundlage für die Arbeit von Elliot Soloway und Cathie Norris. Sie nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise durch amerikanische Schulen, in denen diese Ideen realisiert werden und berichten von den positiven Effekten. Auch interviewte Lehrer bestätigen ihnen den Erfolg und die Veränderungen von Unterricht, die durch die kleinen, mobilen Geräte unterschiedlicher Form zu beobachten sind. Interessant ist die Erfahrung der Kollegin, die bestätigt, dass Jungen mehr vom Technologieeinsatz profitieren oder diesen zumindest offener annehmen. Konkret berichtet sie von höherer Motivation bzw. geringerem Widerstand, wenn es darum geht, Aufgaben zu erledigen, die zuvor analog stattfanden.

Ich finde diese Beobachtung deshalb so bemerkenswert, da sie sich nicht mit meinen Beobachtungen deckt. In meinen Lerngruppen sehe ich durchaus Engagementzuwächse bei einzelnen Schülern, die sich vorher weniger aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligt haben. Die virtuellen Plattformen, die damit zumeist einhergehenden, offeneren Unterrichtsszenarien und die Möglichkeiten der Kollaboration führen zu einer Veränderung von traditionellen Settings. Aber das dies nun besonders Jungen ansprechen würde, konnte ich bisher nicht beobachten. Im gegenteil habe ich mehrfach Mädchen erlebt, die sich in die digitalen Unterrichtssequenzen merklich engagierter eingebracht haben, als in bisherigen z.B. Gruppenarbeiten. Aber – und dies möchte ich an dieser Stelle betonen – es gibt auch den umgekehrten Effekt, wenn Schüler sich besonders unsicher im Umgang mit Computern fühlen und sich dies dann hemmend auf ihre Mitarbeit auswirkt (Angst, etwas falsch zu machen).

Schön ist dann, im letzten Drittel des Films die hohe Akzeptanz und Bereitschaft zur Nutzung neuer Technologien im Unterricht durch die Schüler selber bestätigt zu bekommen. und zwar über die Geschlechtergrenzen hinweg.

The Leadership in Alvin has a vision: And they said that every child is going to get a computer. But more than that they are going to get a mobile computer because that’s the future. Laptops are very nineties. They are your daddies computers and they are your parents computers. They are not the kids computers. The way laptops are used for exemple is: “Oh, lets do a little google and search the internet.” (…) And after that they are going back doing what they always did. (…) So they are only using the computer for one little portion of the teaching and learning activities in the classroom. (…) But what schools really want is a lesson, is the unit, is a project where all the pieces are put together.

It’s going to be amazing to see how many of them go to cellphone computers. because they are seeing that every child has one, every child knows how to use one. (…) Rather than fighting let’s see if we can’t take advantage of it. Let’s use the infrastructure that the telco has. rather than spending our money building a wireless infrastructure  – let’s just use the telcos infrastructure.

Und das ist für mich der zweite entscheidende Aspekt: Prof. Kerres hat jüngst aufgezeigt, dass die Schule nicht mehr als Technologielieferant dienen wird, sondern nur noch die Infrastruktur in Form von Netzwerken bereitstellt. Elliot Soloway und Cathie Norris gehen hier einen Schritt weiter und sehen die Schulen nicht einmal mehr in dieser Rolle. Für sie ist Schule nur noch der Nutznießer einer ohnehin verfügbaren Struktur, die die Mobilfunkanbieter ohnehin bereitstellen und die Schüler zu großen teilen ohnehin bereits nutzen. Als Schule oder Lehrer geht es dann nur noch darum, diese Verfügbarkeiten zu nutzen. In Deutschland würde eine solche Forderung derzeit sicher noch erhebliche Diskussionen und Widerstände auslösen. Zu groß ist noch die Sorge vor sozialer Ungerechtigkeit oder Benachteiligung. Aber Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger hat in seinem jüngst besprochenen Vortrag am Ende aufgezeigt, dass in der Schweiz genau solche Modelle aktuell initiiert und evaluiert werden. So laute Zukunftsmusik ist das also auch in Europa schon nicht mehr.

In dieser Entwicklung liegt sicher die Zukunft. Und wer sich die Partnerliste unserer Projekts der Initiative D21 ansieht, erkennt, dass dies auch hier eine tragende Rolle spielt. Durch mobile technologien kann es gelingen, Lernen einen neuen, weiteren Sinn zu geben, als Schule dazu aktuell in der Lage ist. Aber trotzallen gilt:

I think that we are (…) in a position that we can change how education happens. (..) But it is evolution not revolution.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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