Schule, was machst Du mit diesen Geräten?

Kommentieren 21. March 2009

Nach dem bereits auch hier im Blog besprochenen Vortrag von Prof. Kerres an der PH Zentralschweiz ist seit kurzem auch die Präsentation von Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger online verfügbar. Dabei handelt es sich um die Eröffnungskeynote zur Tagung, die neben dem inhaltliches Aspekt besonders aufgrund der konkreten Technik den Namen “Präsentation” verdient. In Kombination mit einer Dokumentenkamera verwendet er nämlich ein iPhone und dessen besonderen Möglichkeiten des Zoomes und Blätterns für seinen Vortrag:

Die einführende Verbildlichung der Metapher des Mobiltelefons als All-In-One-Lösung gegenüber den Printmedien ist jedem nur zu gut bekannt. Es ist aber immer wieder eindrucksvoll, dies einmal konkret vorgeführt zu bekommen.

Dass dann auch Beat Döbeli Honnegger – wie auch Michael Kerres – die zukünftige Aufgabe von Schule hinsichtlich der neuen Medien als Infrastrukteur und weniger als Hardwareausrüster der Schüler beschreibt, die Lerner also ihre eigenen Endgeräte mitbringen, um sich mit diesen in das schulische Netz einzufügen und die dortigen Ressourcen und Kollaborationsmöglichkeiten zu nutzen, zeigt, wie nah wir uns an diese Realität heranbewegen. Die Schwierigkeit besteht wohl ganz richtig darin, zum Einen zu erkennen, an welchem Punkt der drei im Vortrag aufgezeigten Entwicklungskurven hinsichtlich der Etablierung neuer Technologien wir uns befinden. Haben wir “das Tal der Tränen” – also den Moment, in dem nach anfänglicher Euphori das Neue verteufelt wird – schon durchschritten?

Ich denke ja. Und das zeigt sich an den für mich entscheidenden Sätzen von Beat Döbeli Honegger:

Minute 10:27: Das heißt, es ist gut möglich, das Kinder schon bald alle persönliche Geräte mit in die Schule bringen oder zumindest besitzen, und die Schule sich überlegen muss: Was macht sie mit diesen Geräten?

Auf der anderen Seite haben wir zunehmend Dienste, die für Kinder und jugendliche einen eigenen virtuellen Raum darstellen. Wo sie sich drin bewegen, wo sie Stunden verbringen, wo sie ihre virtuellen Identitäten aufbauen und quasi zusammen eine persönliche Lernumgebung aufbauen oder zumindest eine Lebensumgebung aufbauen, die von der Schule nicht beeinflusst wird – im Moment – und selten genutzt wird. Und die Frage ist jetzt: Was macht die Schule mit diesen Möglichkeiten?

Wir sind also an einem Punkt angekommen, wo es darum gehen muss, die Möglichkeiten neuer Technologien didaktisch und methodisch zu unterfüttern. Dass es kaum mehr möglich sein wird, diese Medien aus der Schule zu verbannen, und dass die oft noch vorherrschenden Generalverbote gegenüber Handys, Laptops, mp3-Player auf Dauer nicht mehr haltbar sind und bereits jetzt eine große Lücke zwischen de jure- und de facto-Zustand bei den Schülern klafft, ist jedem bewusst, der sich an und durch Schulen bewegt und sieht, welches Equipment da bereits in den Schultaschen schlummert. Inzwischen muss es also darum gehen, diese Chancen der An- und Verkoppelung von digitalen Lebenswelten mit den Lernwelten fruchtbar zu machen und pädagogisch sowie didaktisch zu fundieren. Wer hier an einer Verteufelungsstrategie festhält, verpasst und missversteht in meinen Augen die Herausforderung und Verantwortung einer Professionalisierung von Lehrerberuf und -ausbildung, die wir nicht nur uns selber sondern auch gegenüber den Schülern und ihren Eltern an den Tag legen sollten.

Und ich möchte nochmal deutlich ins Bewusstsein rufen, dass Beat Döbeli Honegger hier als Ausbilder für Primarschullehrer – also Grundschulkindern – spricht. Wenn ich mich an meine Zeit als Gaststudent an der PH Thurgau und den dort erlebten, professionellen Umgang mit Lernen im Primarschulalter zurück erinnere, wird mir einmal mehr klar, wie wichtig es ist, bereits in diesem Alter auf die Kinder mit diesen neuen Technologien zuzugehen. Doch daraus resultiert auch, dass wir an den weiterführenden Schulen schon sehr bald mit Lernern konfrontiert werden, die zunehmend selbstverständlich den Einsatz neuen Medien zum Lernen kennen und dann auch berechtigt einfordern werden. Im Moment haben wir die einzigartige Möglichkeit, uns gezielt darauf vorzubereiten.

Dass uns die Schweiz hier zumindest einen Schritt voraus ist, zeigt schließlich auch das im Vortrag abschließend vorgestellte oder angekündigte Projekt einer iPhone-Klasse. Auf die Dokumentation oder die berichte aus diesem Projekt kann man sicher sehr gespannt sein.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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