Schüler sollen Lehrern per Handy sofort Rückmeldung geben können
Manchmal stutze ich selbst als ausgesprochen medienaffiner Mensch über manche Ideen. Eine solche, die ich hier einfach wertfrei zitieren möchte (und auf Kommentare gespannt bin), ist die, dass Schüler dem Lehrer per Mobiltelefon ein Live-Feedback geben. Mit einer zuverlässigen Beständigkeit appellieren meine Ausbilder immer an meine Menschenkenntnis.
Auf der CeBIT hat das gemeinsame Innovationslabor der beiden Hasso-Plattner-Institute aus Potsdam und Palo Alto (Kalifornien) eine Möglichkeit entwickelt, Handys sinnvoll in den Schulunterricht einzubinden. Schüler sollen mit ihren Mobiltelefonen den Lehrern sofort signalisieren können, wie gut der vermittelte Unterrichtsstoff bei ihnen ankommt.
“Dann können die Lehrer auf ihrem eigenen Handy-Display unmittelbar erkennen, wie sie auf das anonym übermittelte Stimmungsbild reagieren müssen”, erläuterte Prof. Ulrich Weinberg am Samstagmorgen auf der CeBIT.
Vor allem der letzte Satz lässt mich fragen, wie das gehen soll.
Allerdings muss ich zugeben, erst neulich im Unterricht meine Schüler vor eine doodle-Umfrage gesetzt zu haben, um ohne das übliche Geschrei schnell einen Termin für unseren gemeinsamen Kinobesuch zu finden (natürlich haben wir danach mit den Geräten weiter gearbeitet und sie nicht nur deswegen eingeschaltet). Das hat erstaunlich gut funktioniert. Und da die Schüler auch sofort das sich abzeichnende Ergebnis mitverfolgen konnten, schwenkten einige noch auf den beliebtesten Termin ein – eine Aktion von wenigen Minuten.
Ebenso erinnert mich der Vorschlag an ein bereits vor einiger Zeit gepostetes Video, in dem ein Dozent via iPhones eine Live-Umfrage im Unterricht durchführt (ab Minute 10). Ich füge es nochmals direkt ein – warne aber zugleich erneut vor der deutlichen Werbetendenz des Films:
Ich bin mir nicht sicher, wie weit wir den technischen Austausch in den Vordergrund bringen müssen/sollten, wenn der persönliche möglich wäre. In der Stunde vor meiner Doodle-Umfrage haben wir gut doppelt so lange für ein erstes Meinungsbild gebraucht. Auf der anderen Seite habe ich schon den passiven Druck gespürt, den ein solches, starr wirkendes Umfrageergebnis auf manchen Schüler hat.
Viel spannender fände ich einen solchen Einsatz hingegen im Lehrerkollegium (Termine für Konferenzen finden, Kurzmitteilungen über tagesaktuelle Situationen in einzelnen Klassen ans Team etc.) oder zur Elternschaft (Elternabendtermine koordinieren, kurze Informationswege bei Krankheit oder Problemen von Schülern, Zusammenarbeit bei Hausaufgabenproblemen etc.). Mit den Schülern kann ich ja dann doch oft direkt und von Angesicht zu Angesicht reden. Und ob ich sie immer in die technische Anonymität entlassen möchte oder doch zu mündigen Bürgen erziehen will, die zu ihrer Meinung stehen, ist schon fast eine philosophische Frage.
Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.
Ich habe mit Umfragen zu Klassenarbeitsterminen u.ähnlichem schon sehr positive Erfahrungen gemacht. Die Schüler nennen mir selbst 3 Termine, ich stelle sie ins Moodle und sie haben 1 Tag Zeit, darüber nachzudenken, wannn sie wohl gerne schreiben würden. Das Procedere geht auch direkt im Unterricht ganz schnell, da gibts keine ewigen Diskussionen und keiner kann hinterher meckern, dass ihm das nicht passt. Kann ich nur wärmstens empfehlen. Für Lehrerabstimmungen wäre das sicher noch besser geeeignet .. grins.. könnte manche Konferenz verkürzen… nochmal grins….
Das mit den Handys und dem Feedback finde ich schon grenzwertig! Obwohl die Feedbackkultur ja im Moment einen Boom erlebt – zumindes auf dem Papier ( ein ganz großes Grins..). Da lasse ich meine Schüler schon lieber ein kurzes Feedback im Moodle ausfüllen und hab dann auch eine Übersicht. Man kanns auch übertreiben, nicht wahr!?
ooops… ich spreche natürlich von Abstimmungen…
Solch merkwürdige Ideen können sich auch nur Leute ausdenken, die vom realen Schulleben oder vom Unterrichtsgeschehen keine Ahnung haben.
Man stelle sich mal einen Geschichtsunterricht vor: 30 SuS schreiben gleichzeitig via Handy an ihren Lehrer eine SMS – wie soll der Lehrer auf jedes Feedback reagieren? Ich frage mich was ist denn wichtiger: Die Vermittlung von Wissen oder wie schreibe ich eine SMS an meinen Lehrer?
Und darüberhinaus sollte doch auch die persönliche Kommunikation gefördert werden. Es wäre ja schlimm, wenn man als SuS nur anonym Kritik (positiv/negativ) üben darf/kann. Soweit ich mich entsinnen kann, werden die SuS zur mündigen Partizipation und zur Mitgestaltung der Gesellschaft erzogen. Da ist doch das Feedbackgeben via Handy nur kontraproduktiv.
Ich bin auch der Meinung, dass erstmal eine vernünftige Feedback-Kultur etabliert werden sollte bevor man so einen Schnick-Schnack einführt und der Einwand von Melanie stimmt natürlich vollkommen, vielleicht gibt es dann einen Monitor mit einer Kurve wie bei SingStar, an die man dynamisch seinen Unterrichtsstil, -geschwindigkeit etc. anpasst
Komisch vor ein paar Tagen sah ich in so einer “Wir wandern aus und alles wird besser”-Sendung “Unterricht” in Kanada. Elektronische Tafel (besonders im Geo-Untericht bestimmt gut) mit Aufgaben, auf die Schüler dann mittels Fernbedienung ähnlich wie bei Wer wird Millionär reagierten.
Danach gab es gleich Feedback, aber für die Schüler, es kam nämlich ein Tortendiagramm und die Nachricht “Ich erklär’s Euch nochmal, ein Schüler lag falsch”.
Klar so denkt jeder Schüler mit, aber lässt sich das nicht auch mit anderen Unterrichtsmethoden erreichen?
Dann kommen ja wieder Handys in den Unterricht. Ich bin kein Fan davon.
Ich finde die Idee eines diagrammartigen Stimmungsbildes ganz interessant und auch, dass die SuS anonym textuelles Feedback geben können. Es würde sehr viel Mut erfordern, einen Lehrenden offen zu kritisieren, der einen dann anschließend benoten/bewerten wird. Die Lehrenden dagegen könnten über ein standardisiertes Diagramm schnell mal schauen, wie die Lage so ist. Fragwürdig finde ich dabei jedoch auch den Handyeinsatz, weil dieses Gerät soviel Zusatzfunktionen hat, die nicht genutzt werden sollten. Außerdem haben vielleicht nicht alle SuS ein Handy und könnten dadurch benachteiligt sein. Ich fände daher so etwas wie ein fest in den Tisch eingebautes Voting-Tool besser