Schüler sollen Lehrern per Handy sofort Rückmeldung geben können

Kommentieren 09. March 2009

Manchmal stutze ich selbst als ausgesprochen medienaffiner Mensch über manche Ideen. Eine solche, die ich hier einfach wertfrei zitieren möchte (und auf Kommentare gespannt bin), ist die, dass Schüler dem Lehrer per Mobiltelefon ein Live-Feedback geben. Mit einer zuverlässigen Beständigkeit appellieren meine Ausbilder immer an meine Menschenkenntnis.

Auf der CeBIT hat das gemeinsame Innovationslabor der beiden Hasso-Plattner-Institute aus Potsdam und Palo Alto (Kalifornien) eine Möglichkeit entwickelt, Handys sinnvoll in den Schulunterricht einzubinden. Schüler sollen mit ihren Mobiltelefonen den Lehrern sofort signalisieren können, wie gut der vermittelte Unterrichtsstoff bei ihnen ankommt.

“Dann können die Lehrer auf ihrem eigenen Handy-Display unmittelbar erkennen, wie sie auf das anonym übermittelte Stimmungsbild reagieren müssen”, erläuterte Prof. Ulrich Weinberg am Samstagmorgen auf der CeBIT.

http://www.teachersnews.net

Vor allem der letzte Satz lässt mich fragen, wie das gehen soll.

Allerdings muss ich zugeben, erst neulich im Unterricht meine Schüler vor eine doodle-Umfrage gesetzt zu haben, um ohne das übliche Geschrei schnell einen Termin für unseren gemeinsamen Kinobesuch zu finden (natürlich haben wir danach mit den Geräten weiter gearbeitet und sie nicht nur deswegen eingeschaltet). Das hat erstaunlich gut funktioniert. Und da die Schüler auch sofort das sich abzeichnende Ergebnis mitverfolgen konnten, schwenkten einige noch auf den beliebtesten Termin ein – eine Aktion von wenigen Minuten.

Ebenso erinnert mich der Vorschlag an ein bereits vor einiger Zeit gepostetes Video, in dem ein Dozent via iPhones eine Live-Umfrage im Unterricht durchführt (ab Minute 10). Ich füge es nochmals direkt ein – warne aber zugleich erneut vor der deutlichen Werbetendenz des Films:

Ich bin mir nicht sicher, wie weit wir den technischen Austausch in den Vordergrund bringen müssen/sollten, wenn der persönliche möglich wäre. In der Stunde vor meiner Doodle-Umfrage haben wir gut doppelt so lange für ein erstes Meinungsbild gebraucht. Auf der anderen Seite habe ich schon den passiven Druck gespürt, den ein solches, starr wirkendes Umfrageergebnis auf manchen Schüler hat.

Viel spannender fände ich einen solchen Einsatz hingegen im Lehrerkollegium (Termine für Konferenzen finden, Kurzmitteilungen über tagesaktuelle Situationen in einzelnen Klassen ans Team etc.) oder zur Elternschaft (Elternabendtermine koordinieren, kurze Informationswege bei Krankheit oder Problemen von Schülern, Zusammenarbeit bei Hausaufgabenproblemen etc.). Mit den Schülern kann ich ja dann doch oft direkt und von Angesicht zu Angesicht reden. Und ob ich sie immer in die technische Anonymität entlassen möchte oder doch zu mündigen Bürgen erziehen will, die zu ihrer Meinung stehen, ist schon fast eine philosophische Frage.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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