Interaktives Whiteboard für Einsteiger

Kommentieren 09. March 2009

Die letzte Woche war etwas ruhig im Blog. Wer allerdings in Twitter dabei ist, weiß, dass ich nicht ganz untätig war. Denn ein kleines Projekt, welches ich noch während des Referendariats an meiner Ausbildungsschule abschließen möchte, sind die ersten Schritte mit einem interaktiven Whiteboard.

Wer allerdings Schulen in Deutschland kennt, weiß, dass nahezu allen – bei noch so unterschiedlichen Schwerpunkten und Profilen – eines gemeinsam ist: sie haben oft nicht genug Geld. Und die technische Ausstattung mit interaktiven Whiteboards oder auch Smartboards ist nicht gerade kostengünstig. Erschwerend hinzu kommt, dass diese oft fest in einzelnen Räumen installiert werden und somit bei ernsthafter Implementierung eine raumdeckende/schulweite Ausrüstung nötig wäre. In Finnland ist dies möglich und was ich dort gesehen habe, hat mich veranlasst, mit Nachdruck nach Lösungen für mich als Referendar zu suchen.

Dieses Video war schließlich mein Aufhänger für meine Recherchen, Anschaffungen und ersten Tests:

Inzwischen habe ich die ersten Testläufe hinter mir und kann sagen: it works!

Ein sehr hilfreiches Video zum allgemeinen Setup sowie die entsprechende, kostenlose Software findet sich auf der Webseite von Johnny Lee. Bei mir haben Installation und Konfiguration sofort ohne Schwierigkeiten funktioniert. Etwas kniffliger ist die Lösung für den Infrarot-Stift, der als von der Wii Remote zu verfolgendes Eingabegerät fungieren soll. Ich habe mich für den Kauf eines fertigen Modells über ebay entschieden (sollte im Laufe der Woche eintreffen), da ich weniger handwerklich begabt bin und auch eine stabile Lösung brauche, um die Schüler damit sicher arbeiten zu lassen. Mein Testmodell – zusammengeflickt aus zwei Akkus, ein wenig Kabel und einer Infrarot-LED sieht daher auch entsprechend aus, erfüllt aber perfekt meine Testzwecke ;-):

Wer ein wenig mehr Feinmotorik hat und wem zudem noch das entsprechende Werkzeug und Lötequipment zur Verfügung steht, findet evtl. folgendes Video recht hilfreich (Danke @ralfa):

Dank Matthias, der mit in Helsinki war und aus eigenen Erfahrungen ebenfalls sehr überzeugt von SmartBoards ist, habe ich schnell auch eine recht professionelle Softwarelösung (kostenlos aber nur in der nicht aktuellsten Version) gefunden, die neben den Grundfunktionen noch eine ganze Menge toller Features mitbringt und die Arbeit an der weißen Wand erst richtig mit Leben füllt. Eine gute Sammlung von Open-Source sowie kommerziellen Angeboten liefert e-teaching.org.

Damit erhält man für knapp 50 Euro ein tolles Paket, das neben dem Preis auch noch den Vorteil der Portabilität bietet. Für letzteres empfiehlt es sich, die Wii Remote entweder direkt an den Beamer zu befestigen (z.B. mit einem Gummiband) oder sich ein stabiles Stativ zuzulegen. Die erste Variante ist günstiger, läuft aber Gefahr, dass man manchmal beim Arbeiten das Sichtfeld der Wii Remote verdeckt, während diese etwas seitlich auf dem Stativ postiert einen besseren Blick auf die Projektionsfläche hat. Zwar muss bei jedem Einsatz die Software von Johnny Lee gestartet werden und das ganze mit vier Klicks in die angezeigten Ecken der Projektionsfläche kallibriert werden. Dies ist aber nach zwei bis drei Einsätzen schnell Routine und rasch erledigt.

Aber unser Helsinki-Besuch und die dortigen Eindrücke an der deutschen und finnischen Schule haben gezeigt, dass es mit der Technik alleine nicht getan ist. Erst die sinnvolle Einbettung in konkrete Unterrichtsszenarien rechtfertigt letztlich diesen Einsatz moderner Medien. Und während ich auf meinen Infrarotstift warte, wird dies in den nächsten Tagen meine Herausforderung sein, solche Szenarien zu finden und zu probieren. Einen schönen, theoretischen Ansatz bietet ein junger Artikel mit dem passenden Titel “Interaktive Tafeln: Hardware allein genügt nicht“:

Der berührungsempfindliche Bildschirm erlaubt es Lehrern und Schülern, mit Dokumenten zu arbeiten, sie zu verschieben, zu kennzeichnen oder eigene Texte per Handschrift zu ergänzen. Die Dokumente können gespeichert, allen Schülern zur Verfügung gestellt und in der folgenden Unterrichtsstunde wieder aufgerufen werden. Ein ganz entscheidender Vorteil gegenüber der Kreidetafel, auf der sich regelmäßig alles, was während einer Unterrichtsstunde erarbeitet worden ist, mit einem Wisch in Kreidestaub auflöst.

Hierin sehe ich momentan auch eine sehr große Chance: In Kombination mit meiner virtuellen Lernplattform (Moodle) könnte es möglich werden, die Tafelbilder sowie deren Entwicklung aufzuzeichnen und unmittelbar danach zur Verfügung zu stellen. Aber damit geht auch tatsächlich eine “Gefahr” einher, die uns bereits auf meine Vermutung hin in der Deutschen Schule Helsinki von einer Kollegin bestätigt wurde und sich nun auch in dem genannten Artikel wiederfindet:

Dieser “Vorteil” der interaktiven Tafel (gemeint ist, dass der Einsatz keinen schweren, strukturellen Eingriff in traditionellen Unterricht bedeutet) beschreibt aber auch gleichzeitig den Nachteil der neuen Technik. So hat die britische Bildungsforscherin Gemma Moss in einer Untersuchung herausgefunden, dass ein modernes Medium den Unterricht nicht per se “modernisiert” und der lehrerzentrierte Frontalunterricht durch ein Whiteboard sogar noch verstärkt werden kann. In England sind bereits 60 Prozent aller Klassenräume mit interaktiven Whiteboards ausgestattet.

“Der Lehrer ist der Macher, der den großen Stift in der Hand hat und die anderen sehen zu, was er da für wunderbare Sachen macht. Ich stelle mir Schule anders vor”, warnt auch Ralf Hübner, Oberstufenleiter am Kreisgymnasium Neustadt in Schleswig-Holstein. Hier gehören Laptopklassen, eine gemeinsame Lernplattform und auch interaktive Whiteboards längst zum Alltag. (…)

Warum der Frontalunterricht beim Einsatz der neuen Tafeln zunehmen kann, erklärt die Braunschweiger Erziehungswissenschaftlerin Dr. Gabriele Graube: “Weil die Lehrer sich zunächst mit dem neuen Medium auseinandersetzen müssen und da sind sie einfach sicherer, wenn sie frontal unterrichten”. Eine ganz normale Entwicklung, die sich bei längerem Einsatz auch wieder ändern werde.

Von daher stimme ich der im Artikel durchklingenden Forderung zu, dass es notwendig ist – wie an der genannten Schule in Neustadt wohl praktiziert – ein Medienkonzept mit didaktischen Szenarien zu entwickeln und sich der Vor- und Nachteile sowie der Sinnhaftigkeit dieser Technik bewusst zu werden:

Die Kreidetafeln sollten auf keinen Fall alle abgeschraubt werden, warnt Gabriele Graube, setzt aber gleichzeitig auf die neue Tafelgeneration. “Jeder Haushalt hat moderne technische Geräte und Schulen haben so einen musealen Touch, das passt nicht.” Mit der Installation der Tafeln allein ist es jedoch nicht getan. Professor Dr. Ludwig J. Issing von der Freien Universität Berlin erforschte bereits im Jahr 2004 die Effizienz von Whiteboards in zwölf Berliner Schulen. Er fordert, die didaktische Nutzung des interaktiven Whiteboards in die Lehrerausbildung und in die Fortbildung zu integrieren. Das ist auch das Credo von Gabriele Graube, die davor warnt, die Lehrer lediglich im Umgang mit der Technik zu schulen. “Man muss unbedingt entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen mit didaktischen und mediendidaktischen Schulungen dazupacken, in denen auch Wissen über neue lerntheoretische Ansätze und Konzepte vermittelt wird.”

Weniger gelungen finde ich allerdings den sich im Artikel anschließenden Ruf nach vorgefertigten Lösungen und Arbeitsmaterialien – wie dies in der Tschechei offenbar der Fall sein soll. Natürlich wird es am Anfang für den Lehrer etwas länger dauern, sich entsprechende Materialien für den Whiteboardeinsatz zu stricken und es spricht sicher auch nichts gegen einen kollegialen Austausch, der einem die Arbeit etwas erleichtert. Doch ähnlich wie auch beim Web 2.0-Einsatz im Unterricht glaube ich, dass die besten Ergebnisse dann erzielt werden, wenn der Lehrer sich zuvor selber mit der Technik, dessen Möglichkeiten und Grenzen sowie dessen praktischen Einsatz beschäftigt hat.

Problematisch ist in meinem Fall das finden von geeigneten Projektionsflächen. Die prominenteste Fläche im Klassenraum ist meistens von der traditionellen Tafel blockiert. An meiner Schule befindet sich die Fläche für den Overhead-Projektor meist über der Tafel (wenn diese unten ist), was aber das arbeiten auf dem projizierten Bild unmöglich macht. Ebenso ungeeignet sind nach meinen ersten Tests aufgeraute Wandflächen, auf denen der Stift nicht richtig gleiten kann. Umgedrehte (Wand-)Karten aus der Geographiesammlung funktionieren da besser, stören aber die Kallibrierung, wenn Sie sich bei Berührung während der Bearbeitung bewegen (da muss man sehr vorsichtig sein, so dass es wohl problematisch wird, wenn Schüler daran arbeiten sollen). Zum Glück habe ich aber ein paar geeignete Räume finden können.

Angesichts der Tatsache, dass interaktive Whiteboards nun hier und da seit einigen Jahren im Einsatz sind, werden sich sicher gelungene good-practice-Beispiele finden lassen. Nach diesem Zwischenbericht zum technischen Stand, wird ein weiteres Post hier bestimmt folgen. Wer es selber mal testen will, dem kann ich nur zu einem Versuch raten. Die ersten Zeichnungen und Steuerungen des Rechners an dem großen Beamerbild lassen die alte Tafel ganz schön alt aussehen. Einen klaren Vorteil hat dann diese allerdings schon: sie läuft auch ohne Strom.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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