SchuelerVZ klärt auf

Kommentieren 24. November 2008

“Soziale Netzwerke sind auf einem unvergleichbaren Siegeszug durch deutsche Kinderzimmer”. So oder ähnlich klingen wohl mögliche Schlagzeilen sowohl von Kritikern als auch Befürwortern. Doch egal, wie man sich zu dieser neuen Form der Vernetzung durch Plattformen à la Facebook, Myspace oder ShuelerVZ vehält, dass sie in der alltäglichen Wirklichkeit unserer Schüler angekommen sind, besteht wohl kein Zweifel mehr.

In den Stunden, in denen ich mit meinen Schülern im Computerraum bin und meist auf meiner Moodle-Plattform mit ihnen arbeite, gilt die Grundregel, dass die Aufgaben und Tätigkeiten Vorrang vor externer “Recherche” haben. Natürlich sollen sie auch zielgerichtet im Falle der Notwendigkeit das Internet zur Informationsgewinnung nutzen, stutzig werde ich aber immer wieder, mit welcher Regelmäßigkeit oder Zuverlässigkeit ich beim Blick auf den einen oder anderen Schülerrechner die auffälligen Farben von SchuelerVZ oder StudiVZ entdecke. Die Schüler darauf angesprochen, stellt man rasch ein hohes Bedürfnis fest “mal schnell zu schauen, ob es was Neues gibt”.

Vor einigen Wochen habe ich mich dieses Phänomens mal annehmen und ein paar Unterrichtseinheiten (im Sinne kurzes Exkurse) zum beliebten SchuelerVZ vorbereiten wollen. Ich bin gescheitert: An der der Tatsache, dass ich keinen Zugang erhalte. Wie soll ich mit jemandem über eine Plattform sprechen, die ich nicht kenne? Damit scheine ich nicht alleine dazustehen. Wie anders sollte man sich sonst die nun umfangreiche Materialsammlung des Seitenbetreibers erklären?

In den Heften mit zugehörigen Arbeitsblättern werden verschiedene Themenbereiche schwerpunktmäßig behandelt:

  • Soziale Netzwerke
    • 1. Soziale Netzwerke: Begriffe, die du kennen solltest
    • 2. Soziale Netzwerke in deinem Tagesablauf
    • 3. Vorteile und Nachteile durch private Angaben in Sozialen Netzwerken
    • 4. Freundschaften in Sozialen Netzwerken
    • 5. Wie wirkt dein Profil auf andere
    • 7. Hilf dem schülerVZ Support – Fragen zu Sozialen Netzwerken
  • Privatsphäre und Datenschutz
    • 1. Privatsphäre und Datenschutz: Begriffe, die du kennen solltest
    • 2. Die Datenschutzerklärung – ein wichtiger Teil jedes Sozialen Netzwerkes
    • 3. Spiel: Datenralley – Wer findet mehr über wen?
    • 4. Spiel: Was sage ich wem?
    • 5. Soziales Netzwerk – ein digitales Freundebuch?
    • 6. Hilf dem schülerVZ Support – Fragen zu Privatsphäre und Datenschutz
  • Verhalten und Selbstdarstellung im Internet
    • 1. Regeln in Sozialen Netzwerken
    • 2. Tipps zum Umgang mit Sozialen Netzwerken
    • 3. Verhalten in Sozialen Netzwerken – Wie gut kennst du dich aus?
    • 4. schülerVZ Test
    • 5. Welcher Selbstdarsteller bist du?
    • 6. schülerVZ Psycho-Test
    • 7. Hilf dem schülerVZ Support

Ich halte die bereitgestellten Materialien für eine gelungene Zusammenstellung von wesentlichen Themenbereichen, die es mit den Schülern hinsichtlich ihres Verhaltens im Web 2.0 zu besprechen gilt. Auch die angedachten und in den Heften vorgestellten Übungen stellen eine gute Ausgangsbasis zur Vorbereitung des eigenen Unterrichts zu diesen Schwerpunkten dar. Sie liefern Anregungen und – wenn auch oft wenig ansprechende – Arbeitsblätter. Besonders Lehrer, die bisher wenig Kontakte mit Sozialen Netzwerken gesammelt haben, finden hier sicher gute Ausgangspunkte für Diskussionen rund um das Thema social networking.

Allerdings würde ich davon abraten, sich mit diesen Materialen an eine Analyse einer Plattform zu trauen, zu der man selber keinen Zugang hat. Dies erschwert nicht nur den Austausch sondern lässt einen auch recht schnell in eine Glaubwürdigkeitsfalle tappen. Denn wie soll ich denn auf gezielte Sachverhalte reagieren, wenn ich keinen Zugang zur Plattform habe? Die Materialien sind in meinen Augen aber so flexibel bzw. leicht anpassbar, dass man sie auch ohne großen Aufwand dazu nutzen kann, um mit den Schüler die Übungen anhand anderer Plattformen wie myspace durchzuführen.

Wer überlegt, die Thematik von Sozialen Netzwerken im Unterricht zu thematisieren, sollte also mal einen Blick riskieren und für sich entscheiden, ob dies seinen Ansprüchen genügt.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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