Google Earth im (Geschichts-)Unterricht

Kommentieren 18. November 2008

Wer diesen Blog seit längerem verfolgt, wird bereits festgestellt haben, dass ich ein recht googleaffiner Internetnutzer bin. In meinen Augen bringen die Dienste des Suchmaschinenriesen einen so deutlichen Mehrwert und so viele Alleinstellungsmerkmale mit, dass die Nutzung trotz diverser Mahner und Bedenkenträger in meinen Augen derzeit nicht nur vertretbar sondern auch gewinnbringend ist.

Nun will ich in diesem Beitrag nicht auf alle Google Applikationen eingehen, sondern auf eine ganz spezielle: Google Earth. Schon im Studium aber spätestens seit Beginn meines Referendariats grübel ich über Einsatzmöglichkeiten dieser mächtigen Applikation im Unterricht und schiele mehr als neidisch auf die Erdkunde- und Politikkollegen, die hier ein Unterrichtswerkzeug an die Hand bekommen, wie es intuitiver und einfacher kaum sein kann. Ich glaube, jeder der diese Fächer unterrichtet, wird auf den ersten Blick sehr schnell selber erkennen, wie gewinnbringend der Einsatz sein kann, so dass ich da nicht näher (auch aufgrund fehlender Erdkundefachdidaktikkenntnisse) drauf eingehen will. Wie also das Ganze in den (meinen) Geschichtsunterricht integrieren?

Als ich am Sonntag – zurück vom D21-Jahreskongress – meinen überquellenden rss-reader durchforstete, wurde mir eines sofort bewusst: Hier hat Google mir einen wesentlichen Teil meiner nächsten Einheit zum antiken Rom fertig vor die Füße gesetzt:

Kostenlos und vollkommen werbefrei integriert sich dieser neue Layer in Google Earth und erlaubt nach dessen Ein-Klick-Auswahl, das alte Rom im Zustand von 320 n. Chr. zu erkunden. Neben dieser freien Verfügbarkeit überzeugt das Projekt aber durch einen anderen entscheidenen Faktor: wissenschaftliche Präzision. Denn das alte Rom in Google Earth wurde von den Entwicklern und Wissenschaftlern an der University of Virginia, die mit Rome Reborn 2.0 bereits eine sehr spektakuläre Online-Simulation des antiken Roms vorgelegt haben:

Dank Google Earth wird diese Simulation nun auch ohne größeren technischen Aufwand oder spezielle Browser-Plugins möglich. Zusätzlich bietet Google Earth neben der Darstellung der Gebäude und Landschaften und der Möglichkeiten, sich in diesen frei zu bewegen auch Grundinformationen zu den über 6000 Gebäuden. Die Erstinformationen, die direkt in Goofle Earth abrufbar sind, sind sogar in Deutsch verfügbar. Weitere Details sind zu jeweils englischsprachigen Webseiten des genannten Projekts der amerikanischen Universität verlinkt.

An extra feature in the 3D city is that 11 buildings have viewable interiors – these include: Basilica of Maxentius, Colosseum, Forum of Julius Caesar, Ludus Magnus, Temple of Venus and Rome, Temple of Vesta, Regia, Basilica Iulia, Basilica Aemelia, Curia Iulia, Tabularium.

http://www.gearthblog.com

Google selber erkennt natürlich auch das große Potential dieser Erweiterung ihrer Software für den Schulunterricht und spricht direkt die möglichen Lehrer zur Nutzung an, indem sie die Ancient Rome 3D Curriculum Competition ausgerufen haben. Bis Februar 2009 besteht dabei die Gelegenheit, kreative und innovative Unterrichtsmodelle einzureichen und von einer renomierten Jury bewerten zu lassen. Dieser Wettbewerb ist leider nur innerhalb der USA ausgeschrieben, zeigt aber, wie bewusst Google inzwischen den Bildungssektor in den Blick nimmt.

Das antike Rom – in republikanischer Zeit noch mehr als im Kaiserreich – zu verstehen, erfordert nicht unwesentlich eine Kenntnis des Raums, in dem sich die Geschichte abspielte. Die Bedeutung von Raum, Nähe und Distanzen war bereits den zeitgenossen bewusst, was sich in der Planung von Gebäuden und Plätzen in der Hauptstadt widerspiegelt. In heutiger Zeit, in der die Räume, in denen wir uns bewegen, zunehmend größer und unübersichtlicher werden (bis hin zu weltweiten Vernetzung durch das Internet), ist es notwendig, das antike Raumgefühl neu zu erfahren. Natürlich kann ich dazu mit Karten und Stadtplänen arbeiten. Doch sich – wie es in Google Earth möglich ist – direkt im Raum zu bewegen, bringt ein neues Element hinzu, dass das Erfahren vereinfacht. Zudem besteht die Möglichkeit, eigene Markierungen und Routen hinzufügen, diese mit anderen zu teilen und so interaktive Geschichten zu erstellen – seien es virtuelle Stadtführungen durch die Schüler erstellt, Nachvollzug von Triumphzügen, Analysen von  Herrschafträumen oder Stadtplanungsanalysen. Google Earth erlaubt den Dreischritt von Ansicht, Bearbeitung und Kollaboration/Veröffentlichung.

Aus technischer Sicht ist anzumerken, dass es wohl schon einer schnellen Internetverbindung bedarf. Denn es werden nicht sämtliche Gebäude auf einmal heruntergeladen, sondern Google Earth ergänzt immer die jeweilige Ansicht, in die man gerade hereinzoomt. Dies bedeutet, dass das Programm permanent damit beschäftigt ist, Daten aus dem Internet nachzuladen. Ich bin gespannt, wie sich die mit dem Proxy des Pädagogischen Netzes in Farnkfurt am Main verhält. Zudem sollte zur flüssigen Darstellung auch die Rechnerleistung einen gewissen Standard nicht unterschreiten, der allerdings von den meisten Schulrechner erfüllt werden sollte. Hier gilt es, für die eigene Schule den Praxistest möglichst ohne Schüler vorher durchzuführen.

Ich werde also in der nächsten Woche direkt einen Antrag stellen, Google Earth auf unseren Schulrechner zu installieren. Allen, die ansatzweise mit dem antiken Rom zu tun haben oder sich dafür interessieren, sei ein Blick in diesen Google Earth Layer nur wärmsten empfohlen.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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