Digitale Inkompetenz

Kommentieren 18. November 2008

Unter dem Titel “Digitale Inkompetenz” greift unser Medienpartner die ZEIT sehr gelungen die Bemühungen der initiative D21 und auch konkret unseres Projekts auf. Der Artikel beklagt eine noch zu große mediale Unerfahrenheit vieler Lehrer, die sich zunehmend negativ auf die Lernpotentiale der Schüler als Repräsentanten eines neuen Lernertyps auswirken:

Politik, Bildungswesen und Familien müssten dem Nachwuchs daher die notwendige digitale Kompetenz beibringen, damit sie mit den Gefahren des World Wide Web umgehen können. Nur so könnte das lernunterstützende Potenzial der Medien genutzt werden. (…)

Das Lehrpersonal hingegen sei oft nicht in der Lage, mit Computern umzugehen, sagte der Bielefelder Bildungsexperte Klaus Hurrelmann. “Etwa der Hälfte der Lehrer fehlt das entsprechende Fachwissen, um neue Medien sinnvoll im Unterricht zu nutzen.“ Sie bräuchten Fortbildungen und Trainings. “Nur medienkompetente Lehrer können Verantwortung für Schüler übernehmen“, sagte Barbara Schädler.

Sehr richtig kommt zur Geltung, dass wir uns momentan an einer Schnittstelle befinden, an der sich entscheidet, wie kompetent und verantwortungsbewusst Politik und Bildungssysteme auf die neuen Herausforderungen reagieren. Es besteht die derzeitige Chance, mit den Schülern quasi auf gleicher Augenhöhe und damit einem eng an ihren Lebenswelten mit ein Lernklima der gegenseitigen Ergänzung sowie des Erfahrungsaustausches den Herausforderungen des Web 2.0 oder der neuen Medien zu begegnen.

Doch auch auf die Gefahren bzw. ein häufiges Missverständnis verweist der Artikel zu Recht:

Der Bielefelder Bildungsexperte Klaus Hurrelmann warnt allerdings davor, dass der Computereinsatz in Schulen als “Wundermittel gegen schlechten Unterricht“ missverstanden werde. Beispielsweise seien Powerpoint-Präsentationen wegen ihrer Bildschirmfixierung problematisch. Laut Hurrelmann könnten Kinder die Welt nur begreifen, wenn sie dabei ihre Sinne entfalteten. Lehrer dürften sich nicht einfach zurücklehnen und den Computer die Arbeit machen lassen.

Dies entspricht der hier im Blog geforderten Form der Integration neuer Medien in den Unterricht, die sich eben nicht in einer enklavischen Stellung in Form eines separierten Unterrichtsfach wie Informatik erstrecken darf – andererseits aber auch nicht in blinden Aktionismus ausarten sollte. Verantwortungsvoller Umgang mit neuen Medien im Unterricht bedeutet, diese dort zu integrieren, wo sich ein Mehrwert und Nutzen abzeichnet. Dieser Einsatz ist dann idealerweise so in den Unterricht integriert, dass die Medien zu einem selbstverständlichen und allgegenwärtigen Teil von diesem werden, welcher sich gleichberechtigt neben anderen Lern- und Lehrformen einreiht. Computer und Internet als Lernchance und Lernmedium richtig verstanden bedeutet demnach, es mit anderen Methoden in Beziehung zu setzen. Es geht nicht darum, ein Allheilmittel zu propagieren, sondern aufzuzeigen, welche Potentiale diese neuen Lernorte im Internet bereithalten, die sich erst dann voll entfalten, wenn sie in Kontakt und lebendige Auseinandersetzung mit Lebenswelten aber auch Lernherausforderungen gebracht werden.

Ich denke, in den Ergebnissen unserer Workshops werden diese Ansätze auch praktisch gut deutlich und zeigen, dass wir weder lauter kleine Technikfreaks heranziehen wollen, noch Gefahr laufen dürfen, Jugendlichen wesentliche Fertigkeiten und Fähigkeiten eines digitalen Zeitalters vorzuenthalten, auf die sie in Zukunft angewiesen sein werden, wenn sie sich sowohl beruflich als auch privat/gesellschaftlich behaupten und zurechtfinden sollen. Es gilt also umzusetzen, was der zeit-Artikel eingangs richtig fordert:

Lehrer sollten nachziehen, um die Kinder zu schützen und zu inspirieren.

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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