Medienkritik oder Gesellschaftskritik?

Kommentieren 11. November 2008

Eine einfache aber doch gar nicht so oberflächliche Animation habe ich bei hirnsalto.de gefunden. Ich finde, die erzählte Geschichte versucht natürlich zu provozieren, spricht aber nicht unwesentliche Elemente an, wenn es darum geht, sich zu überlegen, wie hausgemacht manche Probleme sind, die wir so gerne auf die Computer- und Internetnutzung der Jugendlichen versuchen abzuschieben.

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Den richtigen und verantwortungsbewussten Umgang mit den Medien zu lehren, ist inzwischen elemtarer Bestandteil einer “guten” Erziehung. Doch wie schwer sich die Gesellschaft mit dieser Verantwortung tut, wird zum einen im Video angedeutet, zeigt aber auch die alltägliche Erfahrung, wenn man sich ansieht, wie nach Verantwortlichen und zuständigen gesucht wird: vom legislativen Verbot, über Elternkritik (à la Super-Nanny) bis hin zur allgegenwärtigen Forderung nach Integration neuer Medien in den Schulunterricht – jeder findet schnell einen Schuldigen oder jemanden, der offensichtlich seine Aufgabe vernachlässigt. Doch in meinen Augen, kann dieser umfassende Erziehungsauftrag, der aus verändernden gesellschaftlichen und vor allem kommunikativen Strukturen erwächst, nicht auf wenige abgeladen werden, sondern gehört von allen Beteiligten geschultert.

Schulische Medienerziehung ist sicher ein wesentlicher Bestandteil, Schülern aufzuzeigen, welches Potential sich hinter den neuen Medien verbirgt, ohne dabei nicht auch die potentiellen Gefahren zu thematisieren. Hier sehe ich aber auch große Chancen, mit den Elternhäusern zu kooperieren, denn ich erlebe immer wieder, wie stark die Medienwelten der Schüler nicht nur hinsichtlich Ausstattung sondern vor allem auch hinsichtlich der Intensität und inhaltlichen Nutzung zwischen Schule und Privatleben auseinanderklaffen. Es ist somit das eine, Schülern im Unterricht aufzuzeigen, was man sinnvolles und lehrreiches mit dem Internet erreichen kann. Doch sie mit diesem Wissen in eine private Medienwelt zu entlassen, die nur maginal mit den schulischen Ansätzen deckungsgleich ist, würde dem sprichwörtlichen “Tropfen auf den heißen Stein” entsprechen. Erst, wenn es gelingt, Lebens- und Lernwelten der Schüler anzusprechen und miteinander zu verknüpfen, hat Schule eine reelle Chance, die mediennutzung und das medienverhalten der Schüler efektiv zu erreichen und mitzugestalten.

Konkret bedeutet dies, dass wir uns nicht davor scheuen dürfen, im Unterricht zu spielen, Social networks à la SchuelerVZ oder andere Kommunikationstools zu integrieren. Es heißt aber auch, den Erziehungsauftrag ernst zu nehmen und sich mit Eltern und Erziehungsberechtigten darüber zu verständigen, wie weit die häusliche und schulische medienerziehung anzunähern und zu verzahnen sind. Denn Medien und mediale Kommunikation macht bei zunehmender Nutzung von mobilen und portablen Diensten sowie Geräten nicht mehr vor räumlichen Grenzen wie Schule halt, sondern wird von den Schülern aktiv und bewusst hineingetragen. Verbieten? Verschweigen? Wegschauen?

In diesem Sinne: LOL, Du hast “ROFL” gesagt!

vgl. auch: Generation *lol*

Dieses Post wurde erstellt von René Scheppler.

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